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«Der abenteuerlichste von allen und der sesshafteste zugleich»

Martin Suter, Peter Bichsel, Adolf Muschg: An der Trauerfeier für Urs Widmer in Zürich nahmen zahlreiche Schweizer Schriftsteller teil. Auch Persönlichkeiten aus der Politik fanden sich vor dem Fraumünster ein.

Stadtpräsidentin Corine Mauch, Schriftsteller Martin Suter und der ehemalige Bundesrat Moritz Leuenberger auf dem Weg zur Trauerfeier von Urs Widmer.
Stadtpräsidentin Corine Mauch, Schriftsteller Martin Suter und der ehemalige Bundesrat Moritz Leuenberger auf dem Weg zur Trauerfeier von Urs Widmer.
Dieter Seeger
Für das Theater Rigiblick mit Leiter Daniel Rohr schrieb Urs Widmer sein letztes Theaterstück.
Für das Theater Rigiblick mit Leiter Daniel Rohr schrieb Urs Widmer sein letztes Theaterstück.
Dieter Seeger
Die Bücher von Urs Widmer erschienen bei Diogenes: Verleger Philipp Keel begrüsst einen weiteren Trauergast.
Die Bücher von Urs Widmer erschienen bei Diogenes: Verleger Philipp Keel begrüsst einen weiteren Trauergast.
Keystone
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Mehrere hundert Personen haben im Zürcher Fraumünster von Urs Widmer Abschied genommen. Zahlreiche Persönlichkeiten aus Kultur und Politik erwiesen dem Schriftsteller die letzte Ehre.

Neben Urs Widmers Ehefrau und Tochter mit Familie waren an der Trauerfeier zahlreiche Schriftstellerinnen und Schriftsteller anwesend, darunter Martin Suter, Peter Bichsel, Adolf Muschg, Peter von Matt, Gertrud Leutenegger und Ruth Schweikert.

Unter den Trauergästen befanden sich auch Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger, SRG-Generaldirektor Roger de Weck, Karlheinz Braun vom Verlag der Autoren, Regisseur Rolf Lyssy und Regisseur Volker Hesse, der die Uraufführung von Widmers Stück «Top Dogs» gemacht hatte.

Urs Widmer war am 2. April im Alter von 75 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben. Einen Tag nach seinem Tod war im Zürcher Theater «Rigiblick» eine Lesung geplant, die dann trotzdem stattfand.

Der Tod habe ihm und seinen Leserinnen und Lesern einen Strich durch die Rechnung gemacht, sagte die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch im Fraumünster. «Aber liesse sich ein Abend denken, an dem er präsenter gewesen wäre als gerade an dieser Lesung, einen Tag nach seinem Tod?»

Dass dieser so lebendige Schriftsteller nicht mehr lebe, sei schwer zu akzeptieren, sagte Beatrice von Matt, Kritikerin und Autorin. Urs Widmer sei der «abenteuerlichste von allen und der sesshafteste zugleich» gewesen: stets im Aufbruch begriffen, mit jedem Werk neu, aber nie auf der Flucht.

Auch Philipp Keel, Diogenes-Verleger und Künstler, betonte, dass Widmer nicht in die Ferne aufbrechen musste: «Er konnte das Weite im Engen entdecken und es zu Papier bringen».

Der gebürtige Basler - Urs Widmer war am 21. Mai 1938 in Basel auf die Welt gekommen - war 1984 von Frankfurt mit seiner Frau und Tochter nach Zürich-Hottingen gezogen und geblieben. Gemäss der Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch hat «Urs Widmer 30 Jahre in Zürich gelebt, weil hier die Sehnsucht nach Basel heftiger war, als wenn er zu Hause geblieben wäre.»

Letzte Uraufführung im Juni

Von Matt, Keel und Pfarrer Niklaus Peter erinnerten an den Anfang der Schriftstellerkarriere von Urs Widmer: Auf einem Campingplatz bei Barcelona legte er sein erstes Manuskript seiner jungen Frau May vor. May setzte sich vors Zelt, las es und gab ihm einen Kuss als Segen. Die Erzählung «Alois» erschien 1968.

Die Hand seiner ersten Leserin habe Widmer 49 Jahre nicht mehr losgelassen, sagte von Matt weiter. Ihr habe er noch seine letzten Bücher gewidmet, die Autobiographie «Reise an den Rand des Universums» ebenso wie die «Gesammelten Erzählungen».

Der Erzähler, Dramatiker und Hörspielautor gehört mit seinen 80 Werken zu den bekanntesten Gegenwartsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein erster grösserer Erfolg war 1992 «Der blaue Siphon», und mit «Der Geliebte der Mutter» gelang ihm 2000 der ganz grosse Durchbruch. Zusammen mit «Das Buch des Vaters» (2004) und «Ein Leben als Zwerg» (2006) bildet das Werk eine autobiografisch gefärbte Trilogie.

Eine letzte Uraufführung wird es im Juni im Theater «Rigiblick» mit der Komödie «König der Bücher» geben. «Dann werden wir ihm hoffentlich noch einen uns alle beglückenden Dienst erweisen: als genaue und phantasievolle Interpreten, aber auch als unerschütterliche, wenn auch bekümmerte Freunde», sagte Regisseur Peter Schweiger.

SDA/kle

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