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«Das Präsidentenamt verlangt Besonnenheit, Erdogan hat sie nicht»

Die türkische Schriftstellerin Elif Shafak berichtet von der tiefen Spaltung ihres Landes und dem drohenden Demokratieverlust, sollte Erdogan bei den Präsidentschaftswahlen am Wochenende gewinnen.

«Die eine Hälfte der Bevölkerung weiss nicht, wie sich die andere fühlt», sagt Elif Shafak. Erdogan-Fans in Diyarbakir. Foto: Reuters
«Die eine Hälfte der Bevölkerung weiss nicht, wie sich die andere fühlt», sagt Elif Shafak. Erdogan-Fans in Diyarbakir. Foto: Reuters

Am Sonntag ist Präsidentschaftswahl in der Türkei. Premier Recep Tayyip Erdogan tritt an, ohne von seinem aktuellen Posten zurückzutreten – obwohl das Verfassungsgericht dies beanstandet hat. Seine Fans feiern ihn als «Sultan der Welt». Was sind Ihre Erwartungen?

Erdogan wird höchstwahrscheinlich Präsident. Und es ist kein Geheimnis, dass er die Macht dieses Postens ausbauen will. Das wird viele Probleme verursachen. Bis heute war das Präsidentenamt ja eine versöhnende Institution des Volkes – Erdogan spaltet. Normalerweise vermitteln Präsidenten, stiften Harmonie – er ist eine Kämpfernatur. Die Aufgabe verlangt Besonnenheit – Erdogan ist nie besonnen. Wenn er nicht eine echte pluralistische und umarmende Haltung entwickelt, wird die Demokratie in der Türkei noch mehr Wunden davontragen.

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