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Das Leben erodiert

In seinem ersten Erzählband erinnert sich Rolf Hermann an seine Herkunft von der anderen Seite des Lötschbergs. Er tut es meistens unsentimental, aber mit leiser Wehmut.

«Flüchtiges Zuhause»: Blick das Wallis hinab Richtung Leuk. Luftaufnahme von Walter Mittelholzer aus den 1930er-Jahren.
«Flüchtiges Zuhause»: Blick das Wallis hinab Richtung Leuk. Luftaufnahme von Walter Mittelholzer aus den 1930er-Jahren.
ETH-Bibliothek Zürich/Stiftung Luftbild Schweiz

Kann man die Zeit hören? Macht sie ein Geräusch, wenn sie vergeht? Rolf Hermann hat es gehört, eine Kindheit und eine Jugend lang, und zwar auf dem Bahnhof von Leuk: Es war das Summen der Elektrizität in den Drähten. Und wie der Strom strömte und strömte, so hörte auch die Zeit mit Vergehen nie auf; immer dieses elektrische Summen. «Manchmal verzog es sich in den Hintergrund, wurde übertönt vom Knacken in den Lautsprechern, der Ankündigung ferner Destinationen oder der Durchsage einer Verspätung. Und sogleich stellte sich der Summton wieder ein, bis er abermals überstimmt wurde, vom ohrenbetäubenden Quietschen der Bremsklötze auf blankem Metall, vom Keuchen der zum Stillstand gekommenen Wagenkolonne und vom Zischen abrupt aufklappender Türen.»

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