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Am Scheideweg - Ein Rundgang auf der BucH.08

Nach dem Umzug von der grossen Messehalle in die E-Halle beim Musical-Theater ist die Basler Buchmesse merklich geschrumpft. Vorläufiger Eindruck: Aufbruch und Einbruch sind schwer zu unterscheiden.

Wer Entscheidungsfragen mag, sollte die Buch.08 unbedingt besuchen. Am Musical-Theater stehen wir am ersten Scheideweg: Gehts nach hinten auf den Parkplatz oder nach rechts? Es geht immer die Erlenstrasse entlang und nach 300 Metern links auf das nt-Areal, eine Baustelle.

In der E-Halle selber scheiden sich die Geister. Wer es gediegen mag oder auch nur komfortabel, der ist hier fehl am Platz. Die aufblasbaren Plastikliegen im Mittelpunkt der Halle laden allenfalls Akrobaten zum Plausch ein. Wem jedoch die grosse Messehalle der letzten BuchBasel zu rummlig oder kommerziell war, der blüht hier auf im lichten Fabrikhallen-Provisorium unter Glasdächern.

Was ist anders? Fast alles. Die riesige Kinderhalle der Jahre zuvor fehlt. Die Verlagsstände sind auf ein Minimum geschrumpft, auch die Buchhandlungen. Doch wie immer gibt es verschiedene Foren. Eine echte Gewissensfrage stellt sich am Freitagvormittag im Literaturforum: flüchten oder standhalten? Festivalpräsident Egon Ammann lockt mit bekannten Autoren. Aber sie lesen im Eisschrank. War es früher in der grossen Messehalle für intime Literaturlesungen zu laut, so ist es jetzt ruhiger, dafür aber zu kalt. Vielleicht bekommt die Buch.08 den Minimalstandard doch noch hin.

Krittelei

«Herumkritisieren kann man immer», sagt Ricco Bilger vom Bilger-Verlag, einem auch in Deutschland angesehenen, aufstrebenden Schweizer Literaturverlag. Bilger mag an der neuen Buch.08, dass «atmosphärisch und inhaltlich Pflöcke eingeschlagen werden». Am Festivalgründer Matthyas Jenny und Ex-Messeleiter Stephan Lips lobt Bilger «die leidenschaftliche und emotionale Klasse». Aber hier in der E-Halle sieht er einen «wirklichen super Neuanfang».

Ricco Bilger, Mitbegründer vom Literaturfestival Leukerbad, spricht von fünf Jahren, bis sich die Buch.08 konsolidiert haben wird. Bilger ist Noch-Präsident von Swips, einem Interessenverbund von 22 unabhängigen Verlagen. Und während wir reden, taucht im Sonnenglanz der Halle die Vision eines «Independent-Festivals» auf. Die Buch.08 und ihre Nachfolger, Mischmasch aus Messe und Literaturfestival, könnten Nährlösung werden für unabhängige Verlage, für Autoren, die jung im Kopf geblieben sind, wozu auch Jean Ziegler passt mit der Eröffnungsrede.

Während für die E-Halle als Gebäude 2012 alle Zeichen auf Abbruch stehen, haben zumal jüngere Verlage und Autoren den Aufbruch vor Augen. Und während Pro und Contra sich kreuzen, treffen die ersten Schulklassen auf der Buch.08 ein. Eine versprengte Schülerkohorte übt sich bei Gertrud Leutenegger in jenem Stillhalte-Abkommen, das Literaturlesungen eigen ist. Leutenegger liest mit leiser, eindringlicher Stimme von Mauerseglern, Singdrosseln, Lerchen und Bachstelzen. Der Berner Egon Ammann lobt den Zürich-Roman von Kaspar Schnetzler. Im Hauptforum fordert Sachbuchautorin Karin Dietl-Wichmann zum grossen Erstaunen jugendlicher Zuhörer: «Lass dich endlich scheiden», während alle auf Peter Bichsel warten... ja, das ists, wir sind auf der Buch.08 angekommen.

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