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«Ach was, es ist eine herrliche Zeit!»

Ingeborg Bachmanns Tagebuch von 1945 ist jetzt vollständig veröffentlicht worden, zusammen mit Briefen eines jüdischen Freundes.

Das Fragment seines dritten Tagebuchs, das der Suhrkamp-Verlag kürzlich herausbrachte, zeigte den alternden Max Frisch gewissermassen im Abendlicht. Jetzt kommen, ebenfalls bei Suhrkamp, Tagebuchseiten der jungen Ingeborg Bachmann heraus, die mit Frisch später ein dramatisches Liebesverhältnis verband, aus dem zumindest sie starke Verletzungen davontrug. Das Tagebuch ahnt noch nichts von dergleichen, es ist ganz auf die Zukunft gerichtet, Morgenlicht des Lebens. «Ich werde studieren, arbeiten, schreiben! Ich lebe ja, ich lebe. O Gott, frei sein und leben, auch ohne Schuhe, ohne Butterbrot, ohne Strümpfe, ohne, ach was, es ist eine herrliche Zeit!»

Es ist der Sommer 1945, «der schönste Sommer meines Lebens, und wenn ich hundert Jahre alt werde». Sie ist gerade 18 geworden. Vorbei der Krieg, die Bomber- und Tieffliegerangriffe, die Todesangst in den Schutzräumen, die nicht wirklich schützen. Vorbei die Angst vor den Russen. Vorbei vor allem die Herrschaft der Nazis, zu denen auch die nächsten Bekannten und Verwandten gehören.

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