«Man kümmert sich lieber um die Förderung muslimischer Mädchen»

Interview

«Der Held - Ein Nachruf» heisst Michael Klonovskys neues Buch. Hier spricht der deutsche Autor über drohende Bevölkerungsverschiebungen, die Meinungsfreiheit und den Schweizer Nationalhelden.

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Herr Klonovsky, pinkeln Sie im Stehen? Aber ja. Alles andere ist wahrscheinlich nicht gut für die Prostata.

Haben Sie keine Versicherung gegen Glasbruch? Soweit ich weiss, nicht.

Fahren Sie ohne Helm Fahrrad? Rennrad mit, sonst ohne.

Das sind Kriterien, die Sie in Ihrem neuen Buch «Der Held – ein Nachruf» einem Helden zuschreiben. Sie scheinen sie mehrheitlich zu erfüllen. Nein, ich bin so ziemlich das Gegenteil eines heroischen Menschen.

Wären Sie gerne ein Held? Dazu müssten wir definieren, was das ist. Im Minimalfall jemand, der sich von niemandem in irgendein Bockshorn jagen lässt. Daran arbeite ich.

Sie beschreiben, dass man sich Männlichkeit als Merkmal des Helden erwerben muss. Wie machen Sie das? Ich verkörpere in hohem Masse die in meinem Buch bespöttelte Schrumpfmännlichkeit, und ich sehe auch nicht, wie ich da jemals herauskomme. Ernst beiseite: Ein Mann kümmert sich um seine Sachen, er zieht, wie man sagt, sein Ding durch, ist für seine Familie und seine Freunde da, jammert nicht über sein Schicksal und schliesst sich niemals einer Meute an. Weiter kommen wir mit mir als Beispiel nicht. Ich habe ja einen Nachruf auf den Helden geschrieben und mich dabei keineswegs ausgenommen.

Ist Ihres Erachtens der Feminismus am Tod des Helden schuld? Nein, eher umgekehrt. Aber hauptsächlich ist der Feminismus ein Luxusphänomen, insofern also ein froher, wenngleich ziemlich nervender Botschafter.

In Ihrem Buch beschreiben Sie den Helden als altruistischen Menschen. Ist er deshalb ausgestorben, weil unsere Gesellschaft zu egoistisch ist? Der Held ist ausgestorben, weil wir in Komfortzonen leben und die Technik dem heroischen Mann fast alle Aufgaben abgenommen hat. Ausserdem gibt es momentan, mit Ausnahme gewisser radikaler Minderheiten, keinen Feind.

Ein Held ist nach Ihrer Definition ein Naturbursche, ein eigentlicher Macho. Ist ein Held in einer zivilisierten Gesellschaft überhaupt noch denkbar? In einer zivilisierten Gesellschaft ist er ein Störfall, den man bekämpfen muss. In einer bedrohten zivilisierten Gesellschaft ist er der ersehnte Retter. Es ist ein Paradoxon, mit dem viele nicht zurechtkommen: dass man zur Verteidigung von Zivilität zuweilen eine stattliche Anzahl hinreichend brutaler Männer braucht.

Es braucht also Konflikte und Kriege, damit sich Helden profilieren können. Natürlich ist das immer der Extremfall, der Helden hervorbringt. Aber wir müssen ja gar nicht so weit gehen, es würde schon reichen, wenn es weniger Feiglinge gäbe. An mutigen, couragierten Menschen herrscht immer Bedarf, zum Beispiel, um unsere Rechtsordnung und die Meinungsfreiheit zu verteidigen.

Wer bedroht die Ihres Erachtens? Es werden ja immer grössere Teile des eigentlich öffentlichen Raumes unsicher gemacht von Links- und Rechtsextremisten, Migrantengangs, mafiösen Zuwandererclans, und während die Polizei in besseren Gegenden weiter Falschparker dingfest macht, interessiert sie sich für brennende Autos in Berlin nicht mal, wenn sie im Parkverbot stehen. Jedes Jahr entlässt das deutsche Schulsystem tausende männlicher Schulabbrecher, also potentielle Sozialhilfeempfänger und Kriminelle, aber wer in Politik und Medien hat schon den Schneid, dieses Thema mal grundsätzlich anzupacken? Man kümmert sich lieber um die Förderung muslimischer Mädchen oder die Alterseinsamkeit von Homosexuellen.

Ein von Ihnen geforderter couragierter Mensch war Dominik Brunner, der von zwei Jugendlichen in der Münchner U-Bahn zu Tode geprügelt wurde. Sie gehen im Buch davon aus, dass er im Gefängnis sässe, wenn er überlebt hätte. Ist das nicht reichlich übertrieben? Wenn er die Schlägerei gewonnen hätte, wäre das denkbar – in einem solchen Fall hätte er mindestens einen der beiden Jugendlichen nachhaltig verletzen müssen, damit der andere abhaut. Brunner hat nach Zeugenaussagen den ersten Schlag geführt, und deutsche Richter legen Notwehr gern sehr eng aus.

Würde ein Mensch wie der mythologische Schweizer Nationalheld Wilhelm Tell heute auch im Gefängnis sitzen? Gute Frage. Zunächst einmal dürfte er gar keine Armbrust tragen, jedenfalls in Deutschland nicht. Aber Tell ist darüber hinaus insofern ein gutes Beispiel, als er ja den Gessler-Hut nicht grüssen will, also – in die Gegenwart übersetzt – sich weigert, sich den Vorschriften der politischen Korrektheit zu unterwerfen. Eine Art Sarrazin – populär im Volke, der Obrigkeit verhasst. Er sässe dann nicht im Gefängnis, er wäre bloss offiziell verfemt. Vielleicht wäre er aber auch zur RAF gegangen, wer kennt schon Tells Innerstes?

Zurück in die Realität der Gegenwart: Wie hätten Sie sich anstelle von Dominik Brunner verhalten? Mein Leben würde ich nur für die eigenen Brut riskieren.

Sie haben drei Söhne. Drängen Sie die dazu, heldenhaft zu sein? Ich dränge sie dazu, selber zu denken, keiner Mode zu trauen und ihren eigenen Weg zu gehen.

Gibt es noch eigene Wege? Heute gibt es doch nur noch Trampelpfade. Weil es nichts mehr zu entdecken und erobern gibt wie etwa zu Zeiten von Christoph Kolumbus, ist die Zeit der Helden abgelaufen. Oh, das sehen auf dieser Erde sicherlich viele junge Männer anders. Es gibt für uns Europäer einiges zu verteidigen.

Sehen Sie die Menschheit bedroht, weil Helden fehlen? Es gibt kein handelndes Subjekt namens Menschheit. Dieses Subjekt würde nur entstehen, wenn Ausserirdische die Erde angriffen, und danach wieder zerfallen. Kollektive bilden sich durch Ähnlichkeit, gemeinsame Traditionen und gemeinsame Interessen, das heisst, durch Abgrenzung gegenüber anderen. Jeder Konsens braucht zu seiner Stabilisierung die Nichtdazugehörigen. Solange nicht absehbar ist, dass sich Grosskollektive durchweg friedlich arrangieren können, müssen auch die friedlichsten von ihnen verteidigungsfähig sein. Hier dürfte das Heldenthema virulent werden.

Das klingt nun sehr martialisch. Die Weltbevölkerungsexplosion wird uns irgendwann mit enormen Versorgungsmängeln und Verteilungskämpfen konfrontieren. Wenn es übel läuft, werden wir in den nächsten hundert Jahren in Europa Bevölkerungsverschiebungen erleben wie seit der Spätantike nicht mehr. Vor dem Hintergrund der Kinderarmut und Vergreisung der Europäer und der Tatsache, dass ihre Wortführer Selbstbehauptung inzwischen für Rassismus halten, sehe ich da durchaus schwarz.

baz.ch/Newsnet

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