Autoren hui, Verlage pfui

Das Bundesamt für Kultur hat die Gewinner der Schweizer Literaturpreise bekannt gegeben. Dabei zeigt sich: Es wird falsch gefördert.

Martin Ebel@tagesanzeiger

Zum dritten Mal vergibt das Bundesamt für Kultur (BAK) «Schweizer Literaturpreise». Je 25'000 Franken gehen an Dorothee Elmiger, Eleonore Frey, Hanna Johansen und Guy Krneta (vier Deutschschweizer), an Frédéric Pajak und Noelle Revaz (zwei Romands) und an Claudia Quadri (eine Tessinerin); 40'000 bekommt der «Roman des Romands». Kein Schelm, wer da an Landesteil- und Sprachenproporz denkt; das BAK will das ausdrücklich so. Wohl auch deshalb erinnert sich niemand daran, wem diese Gelder im vergangenen Jahr zugutegekommen sind. Ausser den damit Bedachten. Und vielleicht ihren Verlegern. Gerade weil sie nichts davon haben, dass ihre Autoren etwas mehr Geld haben: Mehr Bücher verkaufen sie deshalb nicht.

Nun gehören zu einem Literaturland, was die Schweiz doch sein will, neben Autoren mit Fantasie und Formbewusstsein, neben Buchhandlungen, Übersetzern, gierigen Lesern, kundigen Kritikern – eben auch Verlage. Lebensfähige Verlage. Und an dieser Lebensfähigkeit hapert es. Die nicht mehr gebundenen Buchhandelspreise, der seit Jahren starke, seit kurzem mörderisch starke Frankenkurs, die leichten Bezugsmöglichkeiten aus dem Euroraum, Amazon: All das drückt bei den Stärkeren (Diogenes, Kein & Aber) brutal auf die Kalkulation, den Schwächeren drückt es die Luft ab. Die Verlagsbranche kann nicht endlos rationalisieren, kann nicht alles ins Ausland verlagern. Hilfe ist dringend nötig. In der Kulturbotschaft ist Verlagsförderung erstmals vorgesehen; aber wirksam wird sie frühestens 2016. Zu spät für manches Verlagshaus.

Als Ammann zumachte, war der Flurschaden für die Schweizer Literatur enorm; Thomas Hürlimann und andere erscheinen jetzt in Deutschland. Das BAK hält sein mit jährlich 800'000 Franken gefülltes Füllhorn fest in der Hand und schüttet aus wie bisher – an Autoren und Lesereisen, also noch mal Autorenhonorare. Warum nicht einen Teil umlenken? Schliesslich ist Gefahr im Verzug. Die Gefahr, dass ein Autor seinen Batzen bekommen hat – aber keinen Verlag mehr für sein nächstes Buch.

baz.ch/Newsnet

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