Lebenszeichen vom Dreispitz-Areal

Vernissage, Party und zwei neue Kuratorinnen: Auf dem Dreispitzareal tut sich was – sechs Wochen vor der grossen Eröffnungsfeier.

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Seit Anfang Jahr wird in den neu erstellten Räumen der CMS auf dem Dreispitzareal fleissig gewerkelt. Bis jetzt allerdings war wenig davon sichtbar – höchstens hörbar, über die Wellen von Radio X. In ihren Ateliers aber schaffen ausserdem einige Künstler abgeschieden von der Aussenwelt ihre Kunst, im Haus für elektronische Künste wird die Eröffnung Ende Mai geplant, und auch die angrenzenden Kunsträume Oslo8 und Oslo10 steckten und stecken mitten in der Vorbereitungen. Diese Woche nun funkt aber das Dreispitzareal gleich mehrere Lebenszeichen: Heute Donnerstag eröffnet die Galerie Oslo8 ihre allererste Ausstellung – und das gleich mit Werken eines Superstars: Die Galeristen Christoph Kern und Thomas Diewald stellen farbige Fotografien des Zürchers René Burri aus. Kein schlechter Start.

Kaum war deren Vernissagenkarte in unser Büro geflattert, erreichte uns für Freitag eine Einladung zu einer Party im Haus für elektronische Künste. Nicht, weil ihnen langweilig sei, würden sie feiern, sagt Kurator Raffael Dörig, «wir hatten einfach Lust, noch vor der Eröffnung etwas zu machen». Dass nun am Freitag die Briten Andy Votel und Doug Shipton vom Finders Keepers-Label in der ans Haus angrenzenden Lagerhalle höchst originelle Musik von türkischem Psychedelik bis persischem Pop auflegen, habe sich «schlicht so ergeben»: Votel spielt am Vorabend in Mailand und sei so «quasi in der Gegend». Bereits im letzten Herbst am Shift Festival hatte der Brite die Massen nach Bruno Spoerris Konzert vom DJ-Pult aus verzückt.

Kuratorinnen-Team

Am Dienstag schliesslich erreichte uns dann eine Mitteilung der Christoph Merian Stiftung. Die Anfang Jahr ausgeschriebenen Kuratorenposten für den Kunstraum Oslo10 seien besetzt. Simone Neuenschwander und Christiane Rekade werden die kommenden zwei Jahre das Programm für den CMS-eigenen Kunstraum gestalten. Die beiden freut das sehr: «Einen unabhängigen Ausstellungsraum zu bespielen und unsere Ideen in der derzeit sehr lebendigen Kunstszene in Basel zu realisieren, das hat uns gereizt», erzählen sie der BaZ. Beide leben derzeit in Berlin, wo sie als freie Kuratorinnen arbeiten. Die Künstlerkontakte, die sie von dort mitbringen, möchten sie auch im Oslo10 nutzen.

Vor ihrem Umzug in die deutsche Hauptstadt hatte Simone Neuenschwander bei der Kunsthalle Basel als Kuratorin gearbeitet, Christiane Rekade war erste Stipendiation des Kurator-Programmes in Rapperswil. Kennengelernt haben sich die beiden bereits Ende der 90er Jahre, auch in Berlin, wo Neuenschwander studierte und Rekade bereits lebte.

Mit ihrem Konzept namens «HOTAVANTGARDEHOTHOT!» konnten sie die Jury am meisten überzeugen. «Damit gehen wir direkt auf den örtlichen Kontext des Kunstfreilagers und des Dreispitz' ein. Wir sehen uns und die eingeladenen Künstler einerseits als ‹Avantgarde› im wörtlichen Sinne: als die ‹Vorhut› (frz. avant-garde), die als erste auf ein neues Gelände vordringt und es besetzt», erklären sie ihr Konzept. Andererseits soll der Begriff Avantgarde im kunsthistorischen Umfeld untersucht werden: «Avantgarde ist schick und überholt zugleich. Und doch denken wir, dass eine gewisse Sehnsucht, aber auch ein Bedürfnis nach einer Avantgarde besteht. Wer geht heute vorwärts? Wo sind die Avantgarden? Es wird Zeit, dass sich jemand damit beschäftigt.»

Gemeinsames Fest

Am 27. Mai wollen alle bis anhin auf dem Dreispitz angesiedelten Institutionen gemeinsam eröffnen. Bis dann bleibt den beiden Kuratorinnen nicht viel Zeit. Um eine Ausstellung einzurichten, reicht das nicht. Sie werden deshalb mit einer Performance des dänischen Künstlers Christian Falsnaes aufwarten. Mit punktuellen, temporären Aktionen wie Performances, Vorträgen oder Interventionen im Aussenraum soll es in den ersten Monaten dann auch weitergehen. Erst im Herbst ist dann eine erste Ausstellung geplant, Details dazu sind aber noch nicht bekannt. Doch man sieht und merkt es: Es geht vorwärts, nicht nur dort.

baz.ch/Newsnet

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