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Ein Rabbi und seine Hollywoodstars

Der neue Dokumentarfilm aus den Moriah-Filmstudios porträtiert drei israelische Ministerpräsidenten der 1960er- und 70er-Jahre. Das Projekt bekommt prominente Unterstützung.

Lernte für ihre Sprechrolle Jiddisch: Sandra Bullock mit dem Rabbi Marvin Hier und dem Direktor von Moriah Films Richard Trank.
Lernte für ihre Sprechrolle Jiddisch: Sandra Bullock mit dem Rabbi Marvin Hier und dem Direktor von Moriah Films Richard Trank.
Keystone

Es gibt ein Hollywood-Studio, das ist etwas anders als alle anderen. Superstars wie Elizabeth Taylor, Sandra Bullock, Morgan Freeman, Michael Douglas oder Nicole Kidman haben in Produktionen von Moriah Films mitgewirkt - und zwar ganz ohne Gage. Das besondere an dem Studio ist: Es gehört zum Simon-Wiesenthal-Zentrum in Los Angeles.

Die 1977 gegründete Organisation mit Hauptsitz in der kalifornischen Metropole hat es sich zur Aufgabe gemacht, jüdische Kultur zu bewahren und an die Verbrechen an den Juden während der Nazizeit in Deutschland zu erinnern. 1981 bereitete der Gründer, Rabbi Marvin Hier, eine Diashow über den Holocaust vor. Fay Kanin, damals Präsidentin der mächtigen «Oscar»-Academy, hörte von den Plänen und schlug vor, doch gleich einen Film daraus zu machen und nutzte ihre guten Kontakte zu dem republikanischen Senator John Warner. Der war zu der Zeit mit Liz Taylor verheiratet und gewann den Weltstar als Off-Erzählerin in dem Debütfilm «Genocide». Der Film gewann auf Anhieb den Oscar in der Dokumentarfilmsparte.

Jetzt stellt Moriah seinen 13. Film vor. «The Prime Ministers: The Pioneers» porträtiert die politischen Karrieren der ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Levi Eschkol, Golda Meir und Jitzchak Rabin. Stars der neuen Produktion sind Sandra Bullock und der österreichische Schauspieler Christoph Waltz, die dem Film gagenfrei ihre Stimmen liehen. Bullock lernte sogar ein wenig Jiddisch für ihre Sprechrolle als Golda Meir und beeindruckte mit der Aufnahme den Produzenten Rabbi Hier: «Sie könnte in jede Synagoge kommen und die Leute würden denken, sie sei Jüdin», sagt er.

Augen und Ohren öffnen

Hier ist man stolz auf das Erreichte, vor allem darauf, dass die Weltstars Schlange stehen, um ehrenamtlich an seinen Produktionen mitzuwirken. «Wir haben sie nie bezahlt. Das war von Anfang an unsere Tradition, und das ist ziemlich erstaunlich». Kevin Costner, Whoopi Goldberg, Brooke Shields, Dustin Hoffman, Ben Kingsley - die Liste der Stars mit einem oder mehreren Auftritten in den Produktionen von Moriah Films ist beeindruckend.

Ben Kingsley sagt über die Arbeit bei Moriah: «Sie ist erhellend, leidenschaftlich, erwachsen und behandelt die wechselvollen Zeiten des 20. Jahrhunderts auf sehr klare Weise. Hoffentlich erreichen wir die Augen und Ohren der jüngeren Generation und können ihnen helfen, aus den Lektionen der Geschichte zu lernen und sie nicht zu ignorieren.»

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum hat seit jeher eine enge Verbindung zur Filmindustrie. Frank Sinatra und Liz Taylor gehörten zum Gründungsvorstand, jetzt sitzen Trickfilmmogul Jeffrey Katzenberg von DreamWorks SKG und Ron Meyer von den Universal Studios im Leitungsgremium. Für Hier ist es wichtig, die Kontakte zur Kinobranche zu nutzen, um ein weltweites Publikum für jüdische Belange zu erreichen.

Nebeneffekt

Regisseur Richard Trank hat neun der bisher 13 Filme für Moriah gedreht. Für ihn ist die hohe Promidichte in den Filmen nur ein Nebeneffekt: «Wir hatten echt Glück mit den VIPs, aber der Grund, warum der Rabbi dies hier gegründet hat, war nicht, weil er Hollywoodstars treffen wollte», sagt er. «Wir wollten damit so viele Menschen wie möglich erreichen: Junge und Alte, Juden und Nichtjuden.»

Um den Fortbestand der jüdischen Traditionen zu sichern, müsse man «rausgehen und der Welt etwas erzählen», sagt der Regisseur. «Wir brauchen Freunde in der nichtjüdischen Gesellschaft. Sie müssen wissen, was passiert ist während der Nazizeit. Sechs Millionen Juden wurden ermordet. Und trotz der sechs Millionen ermordeten Juden hat Israel seit seiner Gründung nicht einen Tag des wirklichen Friedens erlebt.»

AP/wid

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