Eine zeitgemässe Design-Messe

Die Design Miami Basel öffnet zum 14. Mal ihre Türen und begeistert mit nachhaltiger Ästhetik.

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Die Design Miami Basel ist eine der Nebenmessen der Art. Dieses Jahr stellen dort 45 Galerien aus 12 Ländern innovative Ideen und seltene Designs aus. Die DMB setzt 2019 auf Tradition, aktuelles Design und nachhaltige Innovation. Bei der 14. Ausgabe der Messe für modernes Möbel-, Licht- und Kunst-­Design steht die Auseinandersetzung mit dem materiellen Erbe unseres Planeten im Vordergrund – dieser Aspekt ist noch wichtiger als der Spagat zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Designer aus der ganzen Welt setzen mit ihren Kreationen nicht nur auf Ästhetik, sondern gleichzeitig auch auf nachhaltige Materialien und Verarbeitungsmethoden.

Den Anfang macht im Eingangs­bereich die Sonderausstellung «Design at Large» unter der Leitung des neuen kuratorischen Direktors Aric Chen. Die Sammlung präsentiert unter dem Motto «Element Erde» neun Galerien und Künstler, welche sich mit dem Thema der materiellen Zukunft der Erde beschäftigen. Im Fokus steht die Frage, wie Design unsere Art zu leben in einer Zeit beeinflussen kann, in welcher das Überleben des Menschen nicht mehr von der Natur abhängt, sondern das der Natur vom Menschen.

Moosartige Oberflächen

Einige der Künstler setzen sich inhaltlich mit der Beziehung von Mensch und Natur auseinander, andere verarbeiten von der Industrie als Abfallprodukte entsorgte Materialien. Zu Ersteren gehört der finnische Keramiker Kim ­Simonsson mit seinen «Moss People». In seinem Atelier in Fiskars stellt er die Figuren, welche an Fabelwesen der nordischen Sagenwelt erinnern, in Handarbeit her. Dafür benutzt Simonsson gelbe Nylonfasern, welche auf einem schwarzen Untergrund grün wirken und für eine weiche, moosartige Oberfläche sorgen. An der Design Miami Basel präsentiert der Künstler seine Figuren auf Metallgerüsten und spielt damit mit dem Widerspruch zwischen traditionsgeladener Natur und modernem Lebensraum.

Andrea Branzi untersucht mit seinen Arbeiten unter dem Titel «Territories» die Beziehung zwischen Menschen, Gesellschaften und konstruierten Orten. Fast 25 Werke umfasst die Serie, welche der italienische Architekt, Designer und Theoretiker in den letzten vier Jahrzehnten erschaffen hat. In Glasboxen stellt Branzi seine Miniatur-Landschaften im urbanen Stil aus. Dabei kombiniert er Graffiti mit Höhlenmalereien und spielt mit der Erweiterung des Raums anhand von Spiegeln.

Unter dem Namen «Manimal» hat Mameluca Studio den Nestbau der brasilianischen Webervögel beobachtet und im grossen Massstab nachgebaut. Ähnlich wie die Vögel benutzten die Designer dafür Abfallprodukte; während die Tiere Zweige, Schlamm und Blätter verwenden, bauten die Künstler ihre übergrossen Nester aus alten Fischernetzen, altem Holz, Binsenfasern und Pappe. Beim Betreten der Installationen findet man gemütliche Kuschelecken vor, welche in ein warmes Licht gehüllt sind und akustisch von Vogelgezwitscher untermalt werden. Mameluca Studio kontrastiert unsere Müllproduktion mit der Abhängigkeit der Vögel von natürlichen Abfallprodukten und schlägt somit eine neue Sichtweise auf die Verwendung von entsorgten Materialien vor. 

Breites Angebot

Einen Stock weiter oben stellen sich 45 unabhängige Galerien vor. Hier werden rare Mid-Century-Objekte, futuristische Designs und nachhaltige Entwürfe dargeboten. Die Galerie Patrick Seguin stellt extrem seltene Designs von Jean Prouvé aus den 30er-Jahren aus, der «Striker Table» von Floris Wubben spielt mit der Maschinenästhetik, und Andrea Trimarchi und Simone Farresin, das italienische Designerduo Formafantasma, fragen sich, wie Möbel aussehen werden, wenn die meisten natürlichen Ressourcen verbraucht sind.

Die Galerie All mit Sitz in Los Angeles und Peking präsentiert einen Blickfang des chinesischen Künstlers Zhipeng Tan. Als Inspiration für seinen goldenen Stuhl aus poliertem Messing diente dem autodidaktischen Bildhauer das menschliche Skelett: Die Sitzfläche und Rückenlehne sehen aus wie Beckenknochen. Als drittes Bein dient dem Stuhl eine Wirbelsäule aus 33 Wirbeln. Das Kunstwerk heisst deshalb passend «33 Step Chair».

Die DMB bietet auch 2019 ein grosses Angebot an Design und Rarem und begeistert mit der Sonderausstellung «Design at Large» auch Kunstinteressierte. Das Bestreben, etwas für die Umwelt zu tun, oder sich zumindest mit dem Verhältnis zwischen menschlichem Handeln und dem Planeten auseinanderzusetzen, steht im Vordergrund. Dabei geht die Design Miami Basel mit der Zeit und positioniert sich zeitgemäss.

Design Miami Basel, 12. Juni von 11 bis ­20 Uhr; 13. bis 16. Juni von 11 bis 19 Uhr in der Messehalle 1

Basler Zeitung

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