Eigenwilliger Duft aus der Nische

An der Frame Art Fair herrscht Reizüberflutung, auf der Volta gibt es Farbklänge des Musikers Brian Eno zu entdecken.

Der Künstler Axel Roumy lässt Düfte aus Glaskolben auf die Frame-Besucher einwirken.

Der Künstler Axel Roumy lässt Düfte aus Glaskolben auf die Frame-Besucher einwirken.

(Bild: Nicole Pont)

Die Volta und die Frame gehören nicht zu den Kunstmessen, bei denen man hinter der nächsten Ecke einen Promi vermutet. Dafür findet sich eine andere Kategorie, jene der Schauspieler oder Musiker, die sich nicht beschränken lassen wollen.

So sind in der Galerie Paul Stolper auf der Volta Arbeiten von Brian Eno zu entdecken, der sich Farbklängen verschrieben hat, die über die Musik hinausgehen. Seine an die konstruktive Kunst angelehnten farbigen Lichtobjekte sind beim Stand seiner Londoner Galerie zu entdecken und für eine mittlere vierstellige Summe zu kaufen. Während sich auf der Frame Werke des Schauspielers Norman Reedus finden. Wenn er nicht am Drehort ist, fotografiert er.

Am Dienstagmorgen herrscht auf der Volta Betriebsamkeit. Es sind Zollstock und Wasserwaage im Einsatz, und auch mancher Hammer ist zu hören, es wird umgehängt. Der Krach der benachbarten Baustelle ist auch nicht zu ignorieren, und dann muss auch noch der Teppich ausgebessert werden. Der Messeplatz an der Elsässerstrasse hat seinen industriellen Charme und ist dadurch nah an den Orten, an denen Kunst produziert wird: Ateliers, Werkstätten.

Durchgestylte Kunst

Ein Grossteil der hier präsentierten Arbeiten sieht jedoch aus, als wollte er diesen Ursprung vergessen lassen, so gut kann man sie sich in durchgestylten Wohnungen vorstellen. Da gibt es geknüpfte Wandarbeiten in Brauntönen, die sich vermutlich an Baumscheiben anlehnen, doch fatal an Toilettengarnituren denken lassen.

Und bei der niederländischen Galerie Ten Haaf Projects dreht sich ein Holzgebilde von Peer Vink, das an verwelkte Tulpen in einer Vase erinnert, wären da nicht die leuchtend gelben Hakenkreuze. Dies gäbe bei jeder Dinnerparty Gesprächsbedarf, gleichzeitig erstickt das Geräusch des Motors alles.

Die Bandbreite der gezeigten Kunst ist so gross wie die preislichen Unterschiede. Kleinformatige Malerei bietet die Berliner Galerie X-Pinky für unter 1000 Franken, die Papierarbeit «Avalanche» der Schweizerin Sophie Bouvier Ausländer, die sich aus 42 Einzelblättern zusammensetzt, liegt im niedrigen fünfstelligen Bereich. Ihre Londoner Galerie Patrick Heide zeigt in Basel unter anderem Werke, die auf gewachsten Karten entstanden sind, horizontale Linien aufweisen und mitunter Wasser oder Land durch das tiefe Blau durchscheinen lassen.

Sehenswertes findet man auch bei der Stuttgarter Galerie Thomas Fuchs, die sich auf Malerei spezialisiert hat und die etwa Bilder von Rainer Fetting im Portfolio hat. Fetting gehört zu den Mitbegründern der «Neuen Wilden» und hat in den letzten Jahren lebensfrohe Strand- und Surfbilder geschaffen.

Frame und Reizüberflutung

Die Frame, die sich in der Nähe der Liste befindet und sich zum zweiten Mal am Basler Kunstmessereigen beteiligt, ist eine eigene Kategorie. Nicht grundlos nennt die Homepage die Frame eine Erfahrung.

Man könnte auch Reizüberflutung sagen. Nicht nur ist der Parcours ziemlich unruhig, worüber auch ein Sofa im Lift nicht so recht hinweghelfen will – vor allem die Kunst könnte eine Sichtung vertragen. Hinzu kommt der Wechsel von Galerieständen und kuratierten Bereichen.

Axel Roumy etwa meint es dann besonders gut mit dem Betrachter. Als müsste er der Wirkung seiner neo-klassizistischen Werkserie «Le voyage d’Angelo» steigern, aktiviert der französische Künstler neben dem Auge auch den Tast- und den Geruchssinn. Kaum hat man die mit Sand gefüllte Koje betreten, dringen verschiedene Düfte aus Glaskolben auf den Frame-Besucher ein. Zu viel ist dann einfach zu viel.

Auf eine Abgrenzung zum Kunsthandwerk oder an Populärkultur orientierten Genres legt man hier keinen Wert. Designerschmuck findet sich ebenso wie viel dekorativ Goldenes und einzelne Blätter für 3'000 Euro aus der Graphic Novel der französischen Illustratorin Virginie Broquet. Derart aus dem Zusammenhang der Erzählung gerissen, wirken diese recht verloren. Und ist diese Messe nun eine Bereicherung? Die sprichwörtliche Nische wird überschätzt.

Volta, Elsässerstrasse 215. Täglich 10 bis 19 Uhr. Bis 15. Juni. www.voltashow.comFrame, Basel Art Center, Riehentorstrasse 31. Mi-Fr 11–20 Uhr, Sa/So 10–18 Uhr (Collectors Days), Mo/Di Private Opening. Bis 18. Juni. www.frame-experience.com

Basler Zeitung

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