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Drei Messen, aber nur eine Art Basel

Die Expansion nach Amerika und Asien hat die Muttermesse gestärkt. Basel bleibt aber der wichtigste Standort und zeigt das Exklusivste.

Starke Muttermesse. Projekte wie der Sektor «Unlimited» der Art Basel festigen die Kunstmesse.
Starke Muttermesse. Projekte wie der Sektor «Unlimited» der Art Basel festigen die Kunstmesse.
Marc Eggimann
Chinesische Kunst-Ikone: Auch Ai Weiwei wurde nicht im Original gesichtet. Beim Art Parcours 2011 schmückte er die Basler Stadtmauer beim Dalbeloch mit gigantischen Porträtbildern.
Chinesische Kunst-Ikone: Auch Ai Weiwei wurde nicht im Original gesichtet. Beim Art Parcours 2011 schmückte er die Basler Stadtmauer beim Dalbeloch mit gigantischen Porträtbildern.
Joël Gernet
Frischgebackener Ex-Fussballer: Wenige Tage nach seinem Abschied als Profikicker, besucht der deutsche Stürmerstar die Art Basel.
Frischgebackener Ex-Fussballer: Wenige Tage nach seinem Abschied als Profikicker, besucht der deutsche Stürmerstar die Art Basel.
Joël Gernet
Wen haben wir denn da? Der Verleger eines bekannten Schweizer Boulevardblatts begutachtet ein Bild am Stand der belgischen Galerie Micheline Szwajcer.
Wen haben wir denn da? Der Verleger eines bekannten Schweizer Boulevardblatts begutachtet ein Bild am Stand der belgischen Galerie Micheline Szwajcer.
Joël Gernet
Ohne Hektik: Der Lausanner Rapper Stress war mit zwei Kollegen in der Rundhofhalle unterwegs.
Ohne Hektik: Der Lausanner Rapper Stress war mit zwei Kollegen in der Rundhofhalle unterwegs.
Joël Gernet
Black and yellow: So sieht die Koje der Galerie Micheline Szwajcer aus der Ferne aus.
Black and yellow: So sieht die Koje der Galerie Micheline Szwajcer aus der Ferne aus.
Joël Gernet
Letzter Schliff: Diese zwei Damen am Stand der Zürcher Galerie Francesca Pia scheinen ihr Kunstinventar auf den letzten Stand zu bringen.
Letzter Schliff: Diese zwei Damen am Stand der Zürcher Galerie Francesca Pia scheinen ihr Kunstinventar auf den letzten Stand zu bringen.
Joël Gernet
Wer deses Werk von Henry Moore kaufen will, braucht das nötige Kleingeld: 10 Millionen Dollar kostet das gute Stück mit dem etwas technischen Namen «Reclining Interior Oval».
Wer deses Werk von Henry Moore kaufen will, braucht das nötige Kleingeld: 10 Millionen Dollar kostet das gute Stück mit dem etwas technischen Namen «Reclining Interior Oval».
Christoph Heim
Dagegen ist das Bild der britischen Künstlerin Linder mit einem Preis von 45'000 Dollar ein wahres Schnäppchen.
Dagegen ist das Bild der britischen Künstlerin Linder mit einem Preis von 45'000 Dollar ein wahres Schnäppchen.
Christoph Heim
Diese Werke von Louis Bourgeois haben es in sich: Jedes Stück soll einzeln einen Wert «im Millionenbereich» haben.
Diese Werke von Louis Bourgeois haben es in sich: Jedes Stück soll einzeln einen Wert «im Millionenbereich» haben.
Christoph Heim
Bei diesem Werk des amerikanischen Künstlers Greg Parma Smith ist man sich irgendwie nicht so ganz sicher, welchen Geschlechts die Person ist.
Bei diesem Werk des amerikanischen Künstlers Greg Parma Smith ist man sich irgendwie nicht so ganz sicher, welchen Geschlechts die Person ist.
Ronya Saladin
Der chinesische Künstler Sun Xun hat in seiner Installation nur mit Papier gearbeitet uns so unter anderem einen riesigen Vogel geschaffen.
Der chinesische Künstler Sun Xun hat in seiner Installation nur mit Papier gearbeitet uns so unter anderem einen riesigen Vogel geschaffen.
Ronya Saladin
Auf den Messeplatz hat die Japanerin Tadashi Kawamata die Installation «Favela Cafe» gezimmert. Die hölzernen Bruchbuden ergeben mit dem modernen Messeneubau einen interessanten Kontrast.
Auf den Messeplatz hat die Japanerin Tadashi Kawamata die Installation «Favela Cafe» gezimmert. Die hölzernen Bruchbuden ergeben mit dem modernen Messeneubau einen interessanten Kontrast.
Keystone
Der New Yorker Künstler Jonathan Horowitz hat den Free Store an die Art Basel gebracht. Wer etwas bringt, darf auch etwas mitnehmen.
Der New Yorker Künstler Jonathan Horowitz hat den Free Store an die Art Basel gebracht. Wer etwas bringt, darf auch etwas mitnehmen.
Ronya Saladin
Schrill und auffällig angezogenen Menschen läuft man an der Art Basel gerne einmal über den Weg.
Schrill und auffällig angezogenen Menschen läuft man an der Art Basel gerne einmal über den Weg.
Ronya Saladin
Das Wetter am ersten Tag der Art ist herrlich warm, da braucht man auch eine zum Anlass passende Sonnenbrille.
Das Wetter am ersten Tag der Art ist herrlich warm, da braucht man auch eine zum Anlass passende Sonnenbrille.
Ronya Saladin
Bei den Favelas auf dem Messeplatz unterhält ein Strassenmusiker die Leute.
Bei den Favelas auf dem Messeplatz unterhält ein Strassenmusiker die Leute.
Ronya Saladin
Der aus New Orleans stammende Künstler Wayne Gonzales hat in schwarz-weiss Autos gemalt. Einen Titel hat das Werk nicht.
Der aus New Orleans stammende Künstler Wayne Gonzales hat in schwarz-weiss Autos gemalt. Einen Titel hat das Werk nicht.
Ronya Saladin
Müll ist nicht immer gleich Müll. Dieser Mülleimer samt Inhalt ist nämlich Kunst. «Untitled (trashcan)» heisst das Werk der Künstlerin Klara Lidén.
Müll ist nicht immer gleich Müll. Dieser Mülleimer samt Inhalt ist nämlich Kunst. «Untitled (trashcan)» heisst das Werk der Künstlerin Klara Lidén.
Ronya Saladin
Auch Statuen sind an der Art zu finden. Wie zum Beispiel «The Estranget Couple» von George Condo.
Auch Statuen sind an der Art zu finden. Wie zum Beispiel «The Estranget Couple» von George Condo.
Ronya Saladin
Kunst muss nicht immer sofort als solche zu erkennen sein. Für viele gehört dieser Bock wohl in die Sporthalle als an die Art.
Kunst muss nicht immer sofort als solche zu erkennen sein. Für viele gehört dieser Bock wohl in die Sporthalle als an die Art.
Ronya Saladin
An die alten Meister zurückerinnert hat sich Laurent Grasso. Das Bild stammt aus einer ganzen Reihe, genannt «Studies into the Past».
An die alten Meister zurückerinnert hat sich Laurent Grasso. Das Bild stammt aus einer ganzen Reihe, genannt «Studies into the Past».
Ronya Saladin
An der Art wird im Grossformat auch das altbekannte Duftbäumchen aus dem Auto zum Kunstwerk. Es stammt vom New Yorker Künstler Nate Lowman.
An der Art wird im Grossformat auch das altbekannte Duftbäumchen aus dem Auto zum Kunstwerk. Es stammt vom New Yorker Künstler Nate Lowman.
Ronya Saladin
In der Halle der Art Unlimited finden sich diese Bilder von Rob Pruitt. 248 bunte Leinwände mit Gesichtern aller Art füllen den ganzen Pavillon.
In der Halle der Art Unlimited finden sich diese Bilder von Rob Pruitt. 248 bunte Leinwände mit Gesichtern aller Art füllen den ganzen Pavillon.
Ronya Saladin
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Basel, Miami Beach, Hongkong. Die vor 44 Jahren in Basel gegründete Kunstmesse ist heute ein internationales Kulturunternehmen. Was auf Initiative von lokalen Galeristen in kleinem Rahmen in der damaligen Mustermesse begann, gilt inzwischen als die weltweit wichtigste Plattform für moderne Kunst. Die Expansion vor zwölf Jahren nach Amerika und vor zwei Jahren nach Asien hat die Art Basel nur noch gestärkt.

Damit ist das Gegenteil dessen eingetreten, was die Zweifler im eigenen Lande befürchteten. Sie sahen in der Ausdehnung der Veranstaltung eine Gefahr für den Messeplatz Basel. Doch seit die Art auch in Miami Beach einen Ableger hat, kommen jedes Jahr mehr Besucher vom amerikanischen Kontinent hierher. Und selbst die asiatischen Sammler haben hinter dem Label Art Basel die Muttermesse ausgemacht, die den Besuch mehr als wert ist. Auch ihre Zahl steigt kontinuierlich.

Basel bleibt exklusiv

Der Name Art Basel steht inzwischen wieder für sich selber. Nicht mehr als Art Basel Miami Beach und Art Basel Hongkong, sondern als Art Basel, die auch in Amerika und China stattfindet.

Die Ausstrahlung der Muttermesse ist ungebrochen. Noch immer sparen sich Galeristen, die an allen drei Orten ausstellen, ihre besten Werke für Basel auf. Die Art Basel ist eben der «place to be». Für Galeristen wie für Sammler. Die Warteliste auf einen Platz an der Art Basel ist lang und das Publikums­interesse wächst von Jahr zu Jahr.

Dicht an der Baselworld dran

Für das Messeunternehmen MCH Group ist die Art Basel zur wichtigsten Veranstaltung nach der Baselworld geworden. Und für die Stadt ist sie ein Glücksfall: Sie generiert inzwischen fast ebenso viele Übernachtungen wie die Uhrenmesse und sorgt für voll besetzte Restaurants. Das internationale Publikum, das lockerer und bunter ist als das der sehr businessorientierten Uhren- und Schmuckmesse, macht Basel während einer Woche zu einer atmosphärischen Metropole. Davon werden sogar die Einheimischen angesteckt, die sich gerne unter das Kunstvolk mischen und diese so spezielle Art-Woche in vollen Zügen geniessen.

Die drei Messen befruchten sich untereinander. Das Spektakel rund um die Art hat in Miami zeitweise groteske Züge angenommen, doch heute ist der Mix aus Kunstgenuss und Partyfreude wieder ausgeglichener. Ein bekannter amerikanischer Sammler hat es auf den Punkt gebracht: Es wird ja niemand gezwungen, eine Party zu besuchen, der eigentlich nur wegen der Kunst in Miami ist. Die Stimmung in Florida ist nun mal entspannter und der Messe­besuch wird oftmals ganz unverhohlen mit einem Strandbesuch verknüpft. Diese Kombination geniessen nicht zuletzt die Europäer, die dem kalten Winter entfliehen, auch wenn sie tapfer nur ihr Kunstinteresse vorschieben.

Etwas Spass und Freude

Diese Leichtigkeit der Kunstmesse in Miami Beach macht sich zaghaft auch an der Art Basel bemerkbar. Die Verbissenheit, mit der die Sammler durch die Hallen jagten, ist etwas ge­­wichen. Die Seriosität der Messe leidet nicht darunter, wenn auch etwas Spass und Freude aufkommen. Und so hat sich die Art-Woche inzwischen zu einem Happening gesteigert, zu dem neben dem Besuch der Art Basel und ihrer mittlerweile unzähligen Satelliten-Messen und Nebenveranstaltungen eben auch Abendveranstaltungen und Partys gehören.

Ein Brauch, der aus Miami übernommen worden ist, hat sich inzwischen in Basel etabliert. In Florida ­öffnen die Sammler während der Art nämlich freizügig ihre Häuser und zeigen stolz ihre Kunstwerke. Da kennen die Amerikaner kaum Berührungsängste und bitten die Besucher sogar ins kunstgeschmückte Schlafzimmer. So weit gehen die Basler zwar noch nicht, doch sie laden inzwischen in der Art-Woche ebenfalls einen ausgesuchten Kreis zu sich ein.

Von Sun, Fun and Beach zur Kunst

Welchen Einfluss die Art Basel in Hongkong auf ihre Muttermesse haben wird, lässt sich nach zwei Jahren noch nicht so leicht sagen. Bemerkenswert ist der viel nüchterne und geschäftigere Umgang der Asiaten mit Kunst. Während in Basel verlogen bloss von der hehren Kunst gesprochen wird und die oft hohen Preise bewusst in den Hintergrund gerückt werden, ist in Hongkong die Preisfrage zentral. Gute Kunst hat ihren Preis und ist deshalb auch eine Wertanlage – so sehen es jedenfalls viele asiatische Sammler. Es stört sie auch nicht, beim Galeristen zuerst nach dem Preis und erst dann nach dem Namen des Künstlers zu fragen.

Bemerkenswert ist, wie rasch die Behörden in Hongkong das Potenzial der Kunstmesse für ihre Stadt erkannt haben. Für sie ist die Art Basel weniger ein Kunstereignis als ein funktionierendes Geschäftsmodell, von dem Hongkong profitieren kann. Unter dem Miteinfluss der Art entwickelt sich die Stadt allmählich zum wichtigsten Kunstzentrum Asiens. Auch Miami hat durch die Art Basel an Profil gewonnen. Früher stand die Stadt vor allem für Sun, Fun and Beach, heute ist sie kulturell ebenfalls interessant. Neue Galerien und Museen, wie zuletzt das Perez Art Museum von Herzog & de Meuron, haben das Bild von Miami gewandelt.

Drei Mal, drei Mal anders

Die Expansion hat die Art Basel als Ganzes gestärkt. Viele Synergien können so genutzt werden. Grosse Galerien stellen auf allen drei Messeplätzen aus, wichtige Sammler reisen in alle drei Städte, die Fachmedien berichten von allen drei Messen. Und doch ist die Art Basel an jedem Ort wieder anders und hat ihre eigenen Schwerpunkte. In Miami Beach ist es die südamerikanische, in Hongkong die asiatische Kunst. Und Basel steht immer noch für die europäische und amerikanische Kunst der klassischen Moderne und der Gegenwart.

Komplizierter geworden ist die Organisation der drei Messen, die immer noch von Basel aus koordiniert werden. Drei verschiedene Zeitzonen und drei völlige unterschiedliche ­Mentalitäten verlangen von den Verantwortlichen der Art Basel viel ­Flexibilität und Einfühlungsvermögen. Die Administration der Messe ist in den vergangenen Jahren gewachsen, der Arbeitsaufwand ebenso. Der Erfolg aller drei Messen gibt dieser Strategie recht.

Stark dank Kooperation

Die Bedenken, dass Basel dabei ins Hintertreffen gerät und die Art sich immer mehr von der Stadt ablöst, sind kleinkariert und treffen nicht zu. Die Messe hat sich in Basel in den letzten Jahren um die «Unlimited» und die «Design Miami» vergrössert und wird mit stets neuen Formen wie dem Art Parcours oder den «14 Rooms» in diesem Jahr bereichert. Übrigens eine Zusammenarbeit der Art Basel mit dem Theater Basel und der Fondation Beyeler.

Eine solche Kooperation wichtiger Institutionen kennen die anderen Messeplätze nicht. Die Kleinheit der Stadt und dass sich hier alle kennen, erleichtern solche gemeinsamen Projekte. Dies und andere Faktoren machen Basel weiterhin zur unbestrittenen Hauptmesse und festigen die Marke Art Basel. Damit kann das kleine Basel – zumindest während einer Woche – problemlos neben Städten wie Miami und Hongkong bestehen. Und darauf ­dürfen wir stolz sein.

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