Ping Pong zwischen Europa und den USA

13 Kunstschaffende verschiedenster Ausprägungen stellen im Projektraum M54 an der diesjährigen Ping Pong Basel aus.

Bei Annäherung Lärm. «Motor Byte» des Amerikaners Robert Chambers.

Bei Annäherung Lärm. «Motor Byte» des Amerikaners Robert Chambers.

(Bild: Jérôme Depierre)

Basel. Die diesjährige Ausstellung von Ping Pong Basel präsentiert sich im schneeweissen Projektraum M54 an der Mörsbergerstrasse 54. Passend zur Eröffnung durchflutet am Mittwoch­abend Sonnenlicht – das einzige dieser Woche? – die Ausstellung und taucht sie in gleissendes Licht. Sue Irion, einerseits beteiligte Künstlerin, andererseits Co-Kuratorin und Co-Gründerin von Ping Pong, weist darauf hin, dass zum ersten Mal auch Kunstschaffende aus Berlin zugegen seien. Sie würden von der renommierten, an der Art Basel teilnehmenden Galerie Eigen+Art Leipzig/­Berlin und Eigen+Art Lab repräsentiert. Daher würde Ping Pong dieses Jahr neben Basel, Miami und Los Angeles erstmals auch in Berlin gezeigt.

Den Auftakt machen eine starke Videoinstallation und mehrere Arbeiten in Bleistift und Gouache auf Papier, beides von der Amerikanerin Katie Arm­strong (1988). Das Video «Another Wall, Another Door» (2016), von einem einlullenden Soundtrack begleitet, zeigt in unglaublich schneller Abfolge eine Serie von Armstrongs Papierarbeiten, sodass man einen kunstvoll gemalten Zeichentrickfilm ablaufen sieht. Formal erinnert der Stil entfernt an die wässerig-figürliche Bildsprache der Südafrikanerin Marlène Dumas.

Robert Chambers (1958), ein arrivierter Künstler aus Miami und Hauptkontakt der Basler Organisatoren in Florida, zeigt zwei konzeptuelle Arbeiten: «Motor Byte» stellt einen alten, vom Künstler gefundenen Motorroller dar, der mit Sound – einer Art Motorenaufheulen – reagiert, wenn man sich dem Objekt nähert und die Hände in die Richtung bewegt, wo der Fahrer sässe. Es gehe unter anderem um An- und Abwesenheit, auch im Hinblick der aktuellen Migration, sagt Chambers. So umreisse der Sound gleichsam das körperliche Volumen des früheren Besitzers.

Mit Zielscheibencharakter

Die Arbeit «Roulette Fahne» ist eine Anlehnung ans russische Roulette, hergestellt aus einem antiquarischen Schweizer Roulettespiel. Man könne jederzeit und wo auch immer auf der Welt vom Tod geschlagen werden, erläutert Chambers. Inspiriert sei das Werk mit Zielscheibencharakter mit­unter von der amerikanischen Künstler­ikone Jasper Johns.

Bei der multisensoriellen Installation «Be boy Be girl» (2015) von Marleine van der Werf (1985 NL/CH) und Frederik Duerinck (Basel) darf sich der Besucher auf einer strahlend weissen Bodenauflage in einen ebenso weissen Liegestuhl legen. Er wird von einem wunderschönen schwarzen Model mit einem Glas, einer Videobrille und Kopfhörern ausgestattet und gefragt, ob man ein «boy» oder ein «girl» sein möchte. Sodann befindet man sich an einem Strand in Hawaii, ein Lüftchen umweht den Körper, eine Hitzequelle heizt ihn auf. Sieht man an sich herunter, erblickt man einen atmenden Fremdkörper!

So bietet Ping Pong eine Auswahl an Arbeiten verschiedenster Medien wie die interessant-ansprechende Konzeptkunst der beiden Kunstschaffenden von Eigen+Art, Charlotte Dualé und Alex Lebus aus Berlin, Ölmalerei von Mette Tommerup aus Miami und Ralph Bürgin aus Basel – seine Werke gemahnen an Picasso – oder Fotografie von Richard Slechta aus Los Angeles, und, in Kombination mit Skulptur, von Boris Rebetez aus Basel.

Ping Pong, Mörsbergerstrasse 54, Basel, täglich von 14 bis 20 Uhr. Von 18 bis 20 Uhr Performance «Be boy Be girl». www.ping-pong-basel.ch

Basler Zeitung

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