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Die Wolkenkratzer schlucken die architektonische Sensation

Vor dreizehn Jahren gefeiert, nun aber im Weg: Das American Folk Art Museum in New York muss weichen – den Expansionsplänen des benachbarten Museum of Modern Art. Viele New Yorker sind empört.

Ist vielen New Yorkern ans Herz gewachsen: Das fürs Museum of American Folk Art gebaute Gebäude in Manhattan. (11. April 2013)
Ist vielen New Yorkern ans Herz gewachsen: Das fürs Museum of American Folk Art gebaute Gebäude in Manhattan. (11. April 2013)
Spencer Platt/Getty Images/AFP
Die Eröffnung des Museums sorgte nur wenige Wochen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 für einen Lichtblick: Das kleine und schmale Gebäude inmitten der für Manhattan typischen Wolkenkratzer. (9. Januar 2014)
Die Eröffnung des Museums sorgte nur wenige Wochen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 für einen Lichtblick: Das kleine und schmale Gebäude inmitten der für Manhattan typischen Wolkenkratzer. (9. Januar 2014)
Andrew Burton/Getty Images/AFP
Der Grund für den Abriss sind die Expansionspläne des benachbarten Museum of Modern Art.
Der Grund für den Abriss sind die Expansionspläne des benachbarten Museum of Modern Art.
EPA/ANDREW GOMBERT
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Ganz New York stand nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 unter Schock, als die Neueröffnung des kleinen Folk Art Museum nur wenige Wochen danach einen Funken Hoffnung brachte. Jetzt muss das Gebäude den Expansionsplänen des benachbarten Moma weichen.

Das neue Gebäude des American Folk Art Museum, des bedeutendsten Ausstellungshauses für naive Kunst in den USA, war vor 13 Jahren als architektonische Sensation gefeiert worden. Vielen New Yorkern ist das kleine Haus ans Herz gewachsen.

Moma wächst rasant

Als «Erleichterung» in einem Strassenblock voller riesiger Glasgebäude bezeichnete es die «New York Times». Aber das Museum of Modern Art (Moma) will wachsen – und muss wachsen, denn die Besucherzahlen haben sich im vergangenen Jahrzehnt auf knapp drei Millionen pro Jahr fast verdoppelt.

2004 erweiterte der japanische Architekt Yoshio Taniguchi das derzeitige Museumsgebäude auf rund das Doppelte seiner vorherigen Fläche. Seit dem vergangenen Jahr hat das Moma auch dienstags geöffnet und damit nun jeden Tag – und trotzdem bilden sich Tag für Tag lange Schlangen und schieben sich Menschenmassen durch die Räume.

Schon 2011 hatte das Moma dem hoch verschuldeten Folk Art Museum dessen Gebäude abgekauft. Das Museum für naive Kunst zog rund zehn Strassenblocks weiter in die Nähe des Lincoln Center.

Kritik am Vorgehen des Moma

Man werde prüfen, wie man das preisgekrönte Gebäude erhalten und in das Gesamtkonzept des Moma einbinden könne, versprach Direktor Glenn Lowry beim Kauf 2011. Aber Anfang dieses Jahres gab das Museum bekannt: Das Folk Art Museum muss weg.

Es gebe keine andere Möglichkeit als einen Abriss, um einen «voll integrierten Campus» zu schaffen, sagte Lowry. Rund 3700 Quadratmeter mehr Fläche will das Moma sich so schaffen.

Der Protest ist riesig. Architektur- und Kunstfans werfen dem Moma Profitgier vor. Das Museum gleiche inzwischen mehr einer Shoppingmall und sei nur noch auf Touristen und nicht mehr auf New Yorker ausgerichtet, die es früher als eine Art Oase betrachtet hätten, macht einer seinem Ärger in der «New York Times» Luft.

Andere widersprechen. Das Folk Art Museum sei sowieso kein Meisterwerk gewesen. Der Abriss spaltet nicht nur Architekturfans, sondern auch die Architekten. Das Folk Art Museum sei eines «ihrer wichtigsten Gebäude gewesen», sagt Tod Williams, der es gemeinsam mit seiner Partnerin Billie Tsien entworfen hat.

«Klar, alle Gebäude werden eines Tages zu Staub zerfallen, aber dieses hätte wiederverwendet werden können. Leider waren die Kreativität und der Wille nicht da», erklärt Williams.

Dass ein so gefeiertes Gebäude nach so kurzer Zeit und noch zu Lebzeiten der Architekten wieder abgerissen wird, sei äusserst selten, sagt die Architekturberaterin Karen Stein: «Jeder in der Branche redet darüber. Ich kenne keine vergleichbare Situation.»

Architektenpaare nun zerstritten

Und die Situation ist noch pikanter: Ausgerechnet ein mit Williams und Tsien befreundetes Architektenpaar, Ricardo Scofidio und Liz Diller, ist mit der Erweiterung des Moma beauftragt worden.

Die vier hatten zur gleichen Zeit ihre Karrieren gestartet, hatten sich gegenseitig zum Essen eingeladen und waren zusammen verreist – und jetzt lässt das eine Paar das Haus des anderen abreissen. Die beiden Paare redeten nicht mehr viel miteinander, heisst es.

Einen Schritt unternahm das Moma zur Besänftigung seiner Kritiker: Die Paneele der Fassade, der eindrücklichste Teil des Gebäudes, sollen abmontiert und aufgehoben werden, zunächst in einem Lager.

Nina Libeskind, Ehefrau und Geschäftspartnerin des Stararchitekten Daniel Libeskind, setzt sich dafür ein, dass sie bald wieder prominent zu sehen sein werden – zum Beispiel am PS1, der Aussenstelle des Moma im Stadtteil Queens.

SDA/mw

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