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Die Vision des Stararchitekten für eine neue Schweiz

Architekt Jacques Herzog träumt in einem Essay von Schweizer Grossstädten, durchgeplant von Experten, unter Ausschaltung der direkten Demokratie. Würden so die Städte besser?

«Die Schweiz zerstört eine wesentliche Grundlage ihres Erfolgs: die Landschaft»: Stararchitekt Jacques Herzog über die Zersiedelung.
«Die Schweiz zerstört eine wesentliche Grundlage ihres Erfolgs: die Landschaft»: Stararchitekt Jacques Herzog über die Zersiedelung.
Keystone
Den Zürichsee sieht er als urbanen Lebensraum,...
Den Zürichsee sieht er als urbanen Lebensraum,...
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Allerdings werde es auch am Rhein rasch ländlich, zudem stünden Industrie- anstatt Wohnbauten an bester Lage, moniert der Architekt.
Allerdings werde es auch am Rhein rasch ländlich, zudem stünden Industrie- anstatt Wohnbauten an bester Lage, moniert der Architekt.
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Es ist der Traum eines jeden Architekten: Eine ganze Stadt von Grund auf planen zu können, ohne irgendwelche Einschränkungen von der Politik und schon gar nicht vom Volk. Der Traum von der idealen Stadt ist alt, bereits die Römer versuchten sie zu verwirklichen, noch im letzten Jahrhundert machten sich grosse Architekten an deren Umsetzung, zum Beispiel der Schweizer Le Corbusier oder der Brasilianer Oscar Niemeyer. Die totalitäre Vision, eine Stadt auf dem Reissbrett zu planen, ohne den Einbezug der (späteren) Bewohner, ohne dass sie organisch wachsen kann, ist heute glücklicherweise überholt, nur in einigen Wüstenstaaten werden Städte noch so geplant.

Auch Jacques Herzog vom berühmten Architekturbüro Herzog & de Meuron will keine Retortenstädte, obwohl ihn die Idee nicht ganz loslassen will. In seinem Essay in der «Zeit» schreibt er, dass Visionen und ideale Vorstellungen «bei der Produktion von einer Stadt seit je eine wichtige Rolle» spielen, «auch wenn sie zwangsläufig scheitern». Grund für das Scheitern sei, dass «die Entwicklung des Menschen und das ständige Fortschreiten der Zeit die Bilder dieser Idealstädte erodieren und transformieren.» Er vergisst zu erwähnen, dass die Vorstellungen jener Visionäre über die ideale Art zu Leben oft schon von Beginn weg nicht deckungsgleich ist mit der Vorstellung jener Leute, die dann dort zu leben haben.

Die Gewässer umarmen

In dem Essay, der ursprünglich eine Rede war, spricht Herzog seine Visionen für die Weiterentwicklung der Schweiz aus und nennt auch Gründe, weshalb sie in unserem System kaum umsetzbar sind. In Basel und in Zürich würde Herzog das Gewässer, also den See und den Fluss viel mehr ins Zentrum der Planung stellen. «Allgemein herrscht eine eigentliche Scheu, Gegebenheiten der Natur wie ein Fluss oder eine Seegegend zu umarmen und der Idee der Stadt einzuverleiben.» Am Zürichsee werde der untere Teil «sehr schnell ländlich», in der Region Basel verhinderten Industriebauten attraktive Wohnlagen am Rhein.

Mit besserer Planung und der Auflösung von engmaschigen föderalistischen Strukturen könnte einerseits die Zerstörung der Landschaft gestoppt und andererseits attraktiver Wohn- und Lebensraum geschaffen werden, ist Herzog überzeugt. Falls dies wie bisher verunmöglicht wird, sieht er gar den Erfolg der Schweiz gefährdet. «Wie kann eine Schweiz erfolgreich sein, wenn einerseits alles zugebaut wird – aber andererseits die wirklich interessanten und zentral gelegenen Orte durch Initiativen und Abstimmungen blockiert werden?», fragt er. Wie genau eine Überbauung noch leerer Flächen am Zürichsee oder am Rhein aussehen soll, darüber schreibt Herzog nichts.

Zürcher S-Bahn als Vorbild

Jacques Herzog ist aber Realist genug um zu wissen, dass seine Visionen in der direktdemokratischen und föderalistischen Schweiz kaum umzusetzen sind. Er bringt auch pragmatische Vorschläge. «Wenn wir schon keinen Konsens finden, die Städte physisch auszurichten auf übergeordnete Bilder, so lohnt es sich doch, zumindest die Infrastrukturprojekte durchzusetzen. Sie sind meist nützlich, bildhaft und manchmal sogar bildmächtig.» Als gelungenes Beispiel nennt er die Zürcher S-Bahn, «die der Stadt ein neues Gesicht gab».

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