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Alexa und Siri hören nicht mehr zu

Die Ausstellung im HeK steht unter dem Banner «Avatare, Doppelgänger und allegorische Landschaften».

Augmented Reality und Videoinstallationen im HeK. Foto: Franz Wamhof
Augmented Reality und Videoinstallationen im HeK. Foto: Franz Wamhof

Eigentlich ist Cimon in der Erdumlaufbahn zu Hause. Die künstliche Intelligenz ist nämlich darauf programmiert, den Astronauten und Astronautinnen auf der Internationalen Raumstation (ISS) Gesellschaft zu leisten. Über ein speziell eingerichtetes iPad kann man im Haus der elektronischen Künste (HeK) mit Cimon Kontakt aufnehmen und beobachten, wie er eine einer Saturn-5-Rakete nachempfundenen Holzinstallation durchwandert.

Die aus den Werken «Noosphäärentrümmer III» und «A Future Unwilling to Come» bestehende Doppelarbeit des deutschen Künstlers Till Langschied liefert ein einschneidendes Beispiel eines elektronischen Gegenspielers, wie es der Titel der aktuellen HeK-Ausstellung «Avatare, Doppelgänger und allegorische Landschaften» verspricht. Eine Spur klassischer, aber nicht weniger innovativ wirkt «Reality Island Is Elsewhere»: In dieser langen Animation erfindet sich die deutsche Multimediaspezialistin Katrin Niedermeier als Avatar neu. Perfekt ist diese virtuelle Identität beileibe nicht, das machen die winzigen Glitches deutlich, die das Erscheinungsbild von Niedermeiers virtuellem Alter Ego immer wieder verzerren.

Traurigkeit und Gewalt

Der Grossteil der Exponate, die derzeit auf dem Dreispitzareal zu sehen sind, passt bestens ins Konzept des HeK. Mittels Video-, Augmented-Reality- und 3-D-Technologie erschaffen die zehn hier vertretenen Künstler und Künstlerinnen eigene alternative Identitäten und Realitäten.

Mit der Suche nach Avataren und Doppelgängern im Rahmen der Regionale 20 eröffnete HeK-Kurator Boris Magrini ein weites Themenfeld. Und: Um diesem gerecht zu werden, leistete er sich bei der Auswahl der ausgestellten Arbeiten auch einige kleine Konzeptbrüche. Im HeK stehen auch Werke, die oberflächlich betrachtet nichts mit Medienkunst zu tun haben.

Dafür ist «Dark Friend» von Lucas Lejeune exemplarisch. Das Werk besteht aus aneinandergereihten Sätzen, die sowohl harmlose Bekundungen der Traurigkeit wie auch Gewalt- und Folterfantasien umfassen. Der französische Künstler entdeckte diese Emotionsfragmente in einem Onlineforum und gab ihnen eine neue Dramaturgie. Obwohl sie von verschiedenen anonymen Nutzern stammen, kommen die fremden Bekenntnisse hier wie das Psychogramm einer einzigen finsteren Persönlichkeit daher.

Von all den im HeK ausgestellten Arbeiten wirkt die Videoinstallation «Box» am längsten nach. Hier führen die Schweizer Videokünstler Christine Camenisch und Johannes Vetsch die Ausstellungsbesucher in einen abgedunkelten Nebenraum, der sich aufgrund von präzis projizierten Lichtstrahlen zu öffnen und zu schliessen scheint. Diese beklemmende Illusion weckt Ängste vor einer technisch durchkontrollierten Existenz: Nach dem Aufenthalt in Camenischs und Vetschs «Box» weiss man, wie es sein wird, wenn Alexa, Siri und vielleicht auch Cimon den Menschen den Gehorsam verweigern.

Haus der elektronischen Künste,Münchenstein, Freilager-Platz 9. Mi–So 12–18 Uhr. Bis 29. Dezember. www.hek.ch

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