No Billag – no Chance

Jetzt werden Unterschriften gegen die Zwangsgebühren für das Schweizer Radio und Fernsehen gesammelt. Das Volksbegehren dürfte keine Chance haben. Ein Kommentar.

«Lasagne Pferdi»: Den Schweizern gefällt, was das SRF – im Bild «10vor10»-Moderator Stephan Klapproth – in den Nachrichtensendungen serviert.

«Lasagne Pferdi»: Den Schweizern gefällt, was das SRF – im Bild «10vor10»-Moderator Stephan Klapproth – in den Nachrichtensendungen serviert.

(Bild: SRF)

Diese Woche startete die Unterschriftensammlung zur No-Billag-Initiative, die die SRG-Gebühren abschaffen will. Da stellen sich SVPler wie Sebastian Frehner und Caspar Baader angeblich in den Dienst des kleinen Mannes, der mit Müh und Not nur die 462.40 Franken für den Service public berappen kann. Und wollen ihn von dieser ungeheuerlichen Zwangsabgabe befreien – vielleicht träumen die Exponenten der SVP in keiner anderen Frage, wie der Staatssubventionierung der SRG, so am Volkswillen vorbei. Die No-Billag-Initiative wird nicht die geringste Chance haben.

Lebenswelt vieler Schweizer

«Samstigsjass», «Tagesschau», «Glanz&Gloria» et cetera – das ist die Lebenswelt vieler Schweizer, gerade auf dem Land und in den Agglomerationen. Die Zuschauer wollen von diesem SRG-Joch gar nicht befreit werden. Als wir kürzlich in der BaZ einen kritischen Artikel zu den Nachrichtensendungen von SRF publizierten, regte sich beim Publikum sofort ein Schutzmechanismus: So darf man über unser Fernsehen nicht schreiben! Wenn Stephan Klapproth seine «Lasagne Pferdi» und andere Kalauer serviert, dann schmeckt das vielen Leuten offenbar so gut, dass sie auf den bärtigen Onkel in der Stube nicht mehr verzichten wollen.

Die Initianten schreiben: «Nur totalitäre Regime sind zur Aufrechterhaltung ihrer Macht auf solche Medien angewiesen.» Und verkennen, dass der Schweizer Bürger schon lange der Meinung ist, ein bisschen Sozialismus dürfe sein. SBB, Post und SRG – diese Distributionskanäle sind die heilige sozialistische Trinität Schweizer Prägung. Und der Bürger weiss sehr wohl, dass das Programm ohne Gebühren (2013 total 1,2 Milliarden Franken) zusammenkracht und von Privaten – in diesem Umfang – nicht zu leisten ist.

Initiative schiesst sich selber ab

Das Lied der linkslastigen Berichterstattung der SRG glaubt das Volk auch nicht. Selbst Natalie Rickli, SVP-Nationalrätin, sagte diese Woche im Branchendienst persönlich.com, «dass die SRG oft neutraler berichtet als die Printmedien». Mit ihrer Radikalität schiesst sich die Initiative selbst ab. Aussichtsreicher, man hätte für eine Reduzierung der Gebühren und einen enger gefassten Staatsauftrag plädiert: Die «Unterhaltung» könnte man getrost aus der Verfassung streichen: Die SRG müsste sich dann beschränken und Castingshows und andere Hallodri-Formate aus dem Programm werfen.

Basler Zeitung

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