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Prominentes Covid-Opfer wehrt sichSo versagen die beiden Basel bei Corona

Die Kulturschaffenden werden mit vielen Massnahmen geplagt. Wenn der Kanton aber selbst Leistung bringen müsste, klappt gar nichts. Ein Offener Brief eines Veranstalters an die Regierungen beider Basel.

Sie ziehen den Ärger des Jazzveranstalters Urs Blindenbacher auf sich: die Gesundheitsdirektoren Thomas Weber und Lukas Engelberger.
Sie ziehen den Ärger des Jazzveranstalters Urs Blindenbacher auf sich: die Gesundheitsdirektoren Thomas Weber und Lukas Engelberger.
Foto: Dominik Plüss

Seit Montag letzter Woche bin ich wieder um eine Erfahrung «reicher», bin ich doch als «positiv» getesteter Mensch in Kontakt gekommen mit Ihrer Corona-Prävention in der Praxis. Nachdem ich in den letzten acht Monaten vor allem als Konzert- und Festivalveranstalter Ihre Aktivitäten und Massnahmen rund um Corona kennen gelernt habe, unsere Konzerte an die von Ihnen befohlenen Massnahmen anpassen musste, nachdem wir seit Juni all die Sicherheitsbedingungen so optimiert haben, dass wir bei über 5500 Besuchern keinen Corona-Fall verzeichnet haben, was uns notabene sehr viel Aufwand und Kosten verursacht hat, möchte ich bei Ihnen jetzt, auch im Zusammenhang mit den in Basel verschärften Massnahmen, meinen Unmut über die Arbeit der Gesundheitsämter loswerden.

Meine Kritik und gleichzeitig meine dringenden Empfehlungen: Am Montag, 23. 11., um 14.30 Uhr bekam ich vom Labor Rothen (notabene hervorragend!) den positiven Befund. Man teilte mir telefonisch mit, dass sich der Kantonsarzt sofort bei mir melden werde. Bis am Mittwoch um 14 Uhr geschah gar nichts; keine Telefonat, keine Mail, keine Weisungen, Empfehlungen und keine Hilfestellung. Um das Contact-Tracing hat sich niemand gekümmert. Eine unverzeihliche Unterlassungssünde!

Hätte ich nicht von mir aus am Montag alle meine Bekannten und Freunde, die ich getroffen habe, informiert sowie die Restaurants, die ich besucht habe, und den Bird’s Eye Jazz Club, wo ich war, wüssten diese nichts von meinem Fall.

Diese circa 15 Personen, mit denen ich wissentlich Kontakt hatte, wie auch meine Familie haben sich sofort testen lassen – Befund negativ (bis auf meinen Sohn, der anschliessend auch in Isolation ging). Ich habe noch am Montag, 23.11., das Gymnasium Oberwil informiert, wo meine Tochter Anouk zur Schule geht. Es ging ja immerhin auch um den Schutz der Klasse und um die beteiligten Lehrerinnen und Lehrer.

Anouk war dann auf unsere Anordnung hin seit Montag in Quarantäne. Die «berühmte» Covid-App ist bei mir auf meinem Mobile seit Juni installiert. Sie ist funktionstüchtig. In den letzten Tagen: keine Meldung! Viel Lärm um nichts? Viel Geld verpufft!? Ich weiss bis heute nicht, wo ich mich zwischen dem 13.11. und dem 16.11. angesteckt haben könnte.

Auf Weisungen der «Isolations-Weisungs-Mail», die ich am Mittwochnachmittag, 25.11., in Oberwil erhalten habe, habe ich mich mit meinem Hausarzt in Basel in Verbindung gesetzt. Scheinbar kennen die Hausärzte in Basel-Stadt die Covid-Weisungen des Kantons Baselland nicht.

Mein 80-jähriger Freund Goffredo Loertscher, der (zusammen mit seiner Frau) vor knapp fünf Wochen positiv getestet worden ist, hat mir dasselbe bestätigt: mangelnde Zusammenarbeit zwischen dem Kanton BS und dem Kanton BL. Niemand hat sich bei Loertschers aus Binningen um den Fall gekümmert, bis der Hausarzt eingegriffen hat.

Meine Tipps: Konzentrieren Sie sich in Ihrer Arbeit nicht nur auf Verbote und Gebote, aufs Abwürgen des kulturellen Lebens! Kümmern Sie sich dringend darum, dass Ihre Verwaltung effizienter, schneller und erfolgreicher arbeiten kann. Schaffen Sie dringend daran, dass die interkantonale Informationspolitik besser wird und die Anti-Corona-Massnahmen greifen. Erfolgversprechende Präventionspolitik sieht in meinen Augen anders aus als das, was ich in dieser Woche erlebt habe.

Die Kulturschaffenden und Veranstalter des Kantons Basel-Stadt haben ab Juni 2020 seriöse Arbeit geleistet, haben bewiesen, dass man auch in Corona-Zeiten mit wenig Risiko Veranstaltungen durchführen kann. Ich meine, dass in Sachen Contact-Tracing einige Veranstalter und Restaurants seriöser gearbeitet haben als ihre staatlichen Stellen in den Gesundheitsämtern.

Ich danke Ihnen für Ihre Bemühungen und hoffe, dass die Kantone der Nordwestschweiz eine Anti-Corona-Politik verfolgen, die ernst genommen werden kann, die Sinn macht, die effizient umgesetzt wird, die keine Widersprüche aufweist, die vor allem endlich die Pflegeheime besser schützt, die vor allem nicht mehr «killt» (wirtschaftlich, kulturell, sozial), als Leben rettet. Hoffen wir auf eine bessere Zukunft!

Urs Blindenbacher ist Jazzfan, Konzertveranstalter und Leiter des Offbeat-Festivals.

19 Kommentare
    Sibylle S.

    Genau so habe auch ich das ganze vor gut über einem Monat erlebt, als meine 18 jh.Tochter positiv getestet wurde.

    Wir haben alle informiert und uns selber in Qarantäne, und meine Tochter in Isolation gegeben! Der rest der Familie blieb negativ. Nur hötten wir nicht selber alle möglichen Ansteckungs Personen informiert, wäre nichts weiteres passiert. Ich bin der Meinung das der Mensch grösstenteils (ausnahmen wird es immer geben) Verhältnismässig und gut kontrolliert mit dem Virus umgeht! Menschen zu denuzieren ist ein NO GO!!