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Krogerus & TschäppelerKompetent oder nett? Mit wem möchten Sie zusammenarbeiten?

Der eine kann alles, ist aber unsympatisch, der andere kann nicht viel, dafür trinkt man gern ein Bier mit ihm. Warum wir liebenswürdige Kollegen über- und sozial unverträgliche unterschätzen.

Die beiden grossen Parameter der Zusammenarbeit sind Kompetenz und Sympathie. In einer Matrix ergeben sich vier verschiedene Archetypen: der kompetente Egoist, der alles kann, aber mit dem man nicht zu tun haben will; der liebenswerte Idiot, der nicht viel kann, aber mit dem man gern ein Bier trinkt; der liebenswerte Star, der sowohl schlau als auch sympathisch ist; der inkompetente Idiot, der … naja, Sie kennen ihn.

Es sind Karikaturen, klar, aber machen Sie doch kurz den Selbsttest: Tragen Sie in jeden Quadranten eine Person aus Ihrer Firma ein. Wir sind uns sicher, dass Sie fündig werden.

In einer Untersuchung fragten die Forscherin Tiziana Casciaro und ihr Kollege Miguel Sousa Lobo: Mit wem würden Sie am liebsten zusammenarbeiten?

Die wenig überraschende Antwort war, dass branchenunabhängig alle lieber mit einem kompetenten Egoisten als mit einem inkompetenten Idioten arbeiten wollen. Die tatsächlichen Arbeitskontakte jedoch zeigten ein anderes Bild: Sympathie ist wichtiger als Kompetenz. «Wir stellten fest, dass es bei starker Abneigung gegen eine Person fast unerheblich ist, ob sie kompetent ist oder nicht; die Leute werden nicht mit ihr arbeiten wollen», schrieben Casciaro und Lobo, «wenn eine Person hingegen populär ist, suchen die Arbeitskollegen nach jedem kleinen bisschen Kompetenz, das sie zu bieten hat.»

Ist es ein Problem, wenn Mitarbeiter sich lieber mit fachlich weniger versierten Sympathieträgern statt mit fähigen Idioten umgeben? Jein. Das Fachwort ist «Likeability Bias»: Wir arbeiten lieber mit Menschen, die uns zu mögen scheinen. Und wenn wir uns gemocht fühlen, sind wir offener für neue Ideen, hilfsbereiter und vertrauensvoller. Andererseits zögern wir vielleicht, eine schlechte Idee infrage zu stellen oder abzulehnen, die von jemandem kommt, den wir kennen und mögen.

So wenden Sie es an: Sozial unverträgliche Kolleginnen und Kollegen müssen konsequent ermahnt werden. Zeigt das keine Wirkung, sind kompetente Egoisten am besten dort aufgehoben, wo sie überwiegend selbstständig arbeiten.

Mikael Krogerus ist «Magazin»-Redaktor, Roman Tschäppeler ist Kreativproduzent; hallo@guzo.ch

4 Kommentare
    H.P. Fischer

    Ich gehe einmal davon aus , je weniger "systemrelevante" Arbeit wir haben (Automation, Digitalisierung) je beweglicher muss man nach allen Seiten sein um überhaupt noch Arbeit zu haben.