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FCB: Die Jungen im FokusKlingende statt grosse Namen

Selbst beim Spitzenkampf in Bern entscheidet sich Trainer Ciriaco Sforza für den Nachwuchs und gegen die Erfahrung.

Erstes Aufgebot, erster Einsatz: FCB-Akteur Carmine Chiappetta (rechts) spielt mit 17 bereits in der Super League.
Erstes Aufgebot, erster Einsatz: FCB-Akteur Carmine Chiappetta (rechts) spielt mit 17 bereits in der Super League.
Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Carmine Chiappetta. Der Name zergeht einem wie ein zartes Stück Rindsfilet auf der Zunge. Bis Samstag konnten aber die wenigsten Anhänger des FC Basel mit diesem Namen etwas anfangen. Das ist nun anders. Denn Chiappetta bekommt für das Spitzenspiel bei den Berner Young Boys von Ciriaco Sforza erstmals ein Aufgebot für ein Pflichtspiel. Dies, nachdem er bereits während der Länderspielpause im Test gegen Schaffhausen mit den Profis mitkicken durfte.

Der FCB-Trainer nimmt den 17-Jährigen nicht einfach nach Bern mit, um die Ersatzbank zu füllen und ihn sachte ans Fanionteam heranzuführen. Sondern er wirft ihn beim Meister gleich ins kalte Wasser einer kalten Fussball-Nacht. Als Sforza im Wankdorf nach 66 Minuten den ersten Wechsel tätigt, ist es Chiappetta, der Edon Zhegrova ersetzt. Das bedeutet gleichzeitig das Super-League-Debüt für den Fussballer mit dem klingenden Namen.

Sforza hat in der Vergangenheit mehrfach angesprochen, dass sich die Nachwuchsspieler bei ihm eine Chance auf Einsätze verdienen können. Und er betont dies auch nach der Niederlage in der Bundeshauptstadt: «Unsere Strategie lautet, Talente einzusetzen. Sie sind unsere Zukunft.»

Oberlin und Kalulu überzählig

Chiappettas Nomination überrascht dennoch. Der Offensivspieler gehört der Basler U-18 an, hat zuletzt in seiner Altersklasse am 10. Oktober einen Ernstkampf bestritten. Egal, wie gut er trainiert hat: Dass er auf seiner Position den Vorzug gegenüber Aldo Kalulu oder Dimitri Oberlin erhält, ist ungewöhnlich. Oder anders gesagt: Es spricht gegen die beiden Fussballer mit bekanntem Namen, dass sie im Gegensatz zum Teenager nicht im Basler Aufgebot stehen. Man erinnere sich: Vor drei Jahren war das Basler Publikum beim 5:0-Sieg über Benfica Lissabon noch voll des Lobes über den pfeilschnellen Angreifer Oberlin. Danach folgte bei ihm wie auch bei Kalulu die Zeit der Ausleihe. Inzwischen zurück, scheint Sforza für beide Spieler keine sinnvolle Verwendung zu haben.

Ebenso erstaunt in Bern, dass sich Chiappetta bereits so früh zeigen darf. Als er gemeinsam mit Julian von Moos (19), der auch in Wil Sforza als Förderer hinter sich wusste, den Kunstrasen betritt, steht es 2:1 für die Young Boys. Zu diesem Zeitpunkt ist das Spiel keineswegs entschieden. Dennoch setzt Sforza auf die Unerfahrenheit. Ricky van Wolfswinkel, einst unter Sportchef Marco Streller der Basler Königstransfer, oder auch Raoul Petretta werden erst in den Schlusssekunden aufs Feld beordert. Das Duo, das bereits mehrfach solche Spitzenspiele mit hoher Intensität absolviert hat, muss von der Bank aus mit ansehen, wie die Jungen das 2:2 herbeiführen sollen.

Der Unterschied Super League

Chiappetta kann bei seinem Debüt so wenig ausrichten wie Von Moos. Zu dominant treten die Berner in den zweiten 45 Minuten auf. Und gerät der 17-Jährige mal ins 1:1-Duell mit YB-Aussenverteidiger Silvan Hefti, bekommt er den Unterschied zwischen Junioren-Leistungsfussball und Profistufe zu spüren. Sforza versucht, von der Linie aus seinen «Benjamin» auf der künstlichen Unterlage zu unterstützen, ihn zu überraschenden Aktionen zu motivieren.

Der Newcomer in den Reihen der Basler dürfte dennoch zufrieden gewesen sein, sich im Schaufenster der Super League gezeigt haben zu dürfen. Erst vor Jahresfrist wechselte Chiappetta von der Jugend des FC Schaffhausen nach Basel, vom Rheinfall ans Rheinknie. Bereits am Mittwoch im Nachholspiel gegen Lausanne winkt ihm die nächste Chance auf einen Teileinsatz.

Doch auch Chiappetta weiss: Tritt der FCB weniger ersatzgeschwächt als in Bern an, dürfte es für den in Zürich gross gewordenen Fussballer schwierig werden, weitere Super-League-Minuten zu sammeln. 30 Spieler umfasst das Kader der ersten Mannschaft – Chiappetta nicht eingerechnet. Der Konkurrenzkampf auf den meisten Positionen ist gross. Die Arrivierten werden ihren Anspruch auf einen Stammplatz hegen, die Jungen auf ihre Chance hoffen. Und Ciriaco Sforza kommt die Aufgabe zu, den besten Mix zu finden. Ganz egal, ob er eher klingenden oder bekannten Namen den Vorzug gibt.

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1 Kommentar
    Noah Stolz

    Eines ist klar, der FCB hat ein viel zu grosses Kader! Dass man Angesichts dieses Fakts einen sportlich mehr als bescheidenen Ricky nach faktischer Entlassung, dennoch verpflichtet hat, verstehe wer will, ich auf jeden fall nicht! Dass Petretta mit zur Stamm Elf gehört wenn er wieder fit ist, steht auch ausser Frage! Warum Xhaka mehrfache Rückfälle hatte was seine Genesung angeht, wirft auch Fragen bezüglich der medizinischen Abteilung und deren Arbeit auf, da seine Fähigkeiten schmerzlich vermisst werden, gerade im Spiel gegen YB! Dass Sforza junge Talente bringt ist ja OK, nur muss er langsam aber sicher Siege einfahren, denn mit diesem innerhalb der SL sehr guten (zu) grossen Kader, muss er die elf Besten auf den Rasen bringen und Erfolg haben, DAS ist sein Job und dies schon am Mittwoch gegen Lausanne, ob mit jungen, oder erfahrenen Spielern ist egal, sonst sind sein Tage gezählt beim FCB!