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Umweltpolitik EU–SchweizKlimaverschmutzer bezahlen so viel wie nie

Der Preis für den Ausstoss von Treibhausgasen ist in der Europäischen Union auf Rekordniveau geklettert – und damit auch bei uns.

CO₂ auszustossen, ist teurer geworden: Kohlekraftwerk in Deutschland.
Foto: Hermann J. Knippertz (Keystone)
CO₂ auszustossen, ist teurer geworden: Kohlekraftwerk in Deutschland.
Foto: Hermann J. Knippertz (Keystone)

Es ist in Europa rekordmässig teuer, die Atmosphäre mit zusätzlichen Treibhausgasen zu belasten. Ende letzter Woche kostete der Ausstoss 1 Tonne CO₂ rund 36 Euro. Der Preis war in der Vergangenheit teils markant tiefer. Zwischen 2012 und 2017 lag er phasenweise um die 4 Euro.

Das Instrument, das dem CO₂-Ausstoss einen Preis gibt, heisst Emissionshandelssystem. In der EU ist es ein zentraler Pfeiler der Klimapolitik die Schweiz ist seit Anfang 2020 Teil davon. Es erfasst über drei Viertel des internationalen Emissionshandels. Die EU strebt eine Verknüpfung mit weiteren Ländern an. Ziel ist ein globaler Kohlenstoffmarkt.

Der Handel soll ermöglichen, den Treibhausgasausstoss dort zu reduzieren, wo es am günstigsten ist. Eingebunden sind in Europa circa 11000 energieintensive Unternehmen, davon rund 50 aus der Schweiz. Dazu zählen etwa Kohle- und Gaskraftwerke sowie Zement- und Stahlhersteller. Zusammen sind sie für rund 45 Prozent des Treibhausgasausstosses in der EU verantwortlich.

Das System funktioniert so: Den Unternehmen steht eine begrenzte Zahl an Zertifikaten zur Verfügung. Stösst ein Unternehmen mehr CO₂ aus, als es Emissionsrechte besitzt, muss es die fehlenden Zertifikate kaufen. Tut es dies nicht und wird erwischt, muss es eine Strafe zahlen. In der Schweiz sind es 125 Franken für jede überschüssige emittierte Tonne Treibhausgas – also deutlich mehr als der Marktpreis.

Hinzu kommt: Die Behörden senken Jahr für Jahr die Zahl der Zertifikate – mit dem Ziel, dass der Preis steigt und es sich für die Unternehmen mehr lohnt, in klimaschonende Techniken zu investieren. Die Preis-Baisse zwischen 2012 und 2017 erklärt sich nicht zuletzt damit, dass es auf dem Markt zu viele Emissionszertifikate gab. Daneben spielten auch andere Faktoren eine Rolle: etwa wirtschaftliche Turbulenzen, die zu einem Rückgang der Emissionen führten – und damit der Nachfrage nach Zertifikaten.

«Die hohen Preise sind ein Signal dafür, dass der Emissionshandel zu greifen beginnt.»

Andrea Burkhardt, Bundesamt für Umwelt

Letzteres war auch 2020 der Fall. Nach dem Ausbruch der Corona-Krise kostete 1 Tonne noch etwa 16 Euro, kurz zuvor war es die Hälfte mehr. Inzwischen aber bewegen sich die Preise in bislang unerreichter Höhe. Nicht zufällig. Im Dezember hat die EU erklärt, bis 2030 ihre CO₂-Emissionen um 55 Prozent drosseln zu wollen – statt nur um 40 wie bis anhin geplant. Allein schon die Ankündigung dieser Verschärfung hatte zur Folge, dass die Preise anzogen. Dazu kamen weitere Treiber, auch kurzfristiger Art. So hatten Streiks in Frankreich von Arbeitern in AKW dazu geführt, dass die Stromnachfrage aus Kraftwerken mit hohem CO₂-Ausstoss stieg.

Ob sich die Preise in den kommenden Jahren weiter nach oben entwickeln werden, ist trotz der aktuellen Hausse ungewiss. Für Andrea Burkhardt, Chefin der Abteilung Klima beim Bundesamt für Umwelt, ist aber klar: «Die hohen Preise sind ein Signal dafür, dass der Emissionshandel zu greifen beginnt.» Allerdings müsste die Tonne CO₂ künftig mit mindestens 100 Euro zu Buche schlagen. Ansonsten, so argumentieren jedenfalls Klimaschützer, würden Unternehmen weiterhin Klimaschäden verursachen, welche die Allgemeinheit bezahlen müsse.

36 Kommentare
    Peter Colberg

    "Die EU strebt eine Verknüpfung mit weiteren Ländern an. Ziel ist ein globaler Kohlenstoffmarkt." Wer Markt sagt, sagt auch Handel und potentielle lukrative Einnahmen. Die ganze auf einer hypothetischen Argumentation ("Klimawandel") entstandenen staatliche Abzocke wird letztlich auf dem Geldbeutel der Konsumenten lasten - nichts anderes. Zudem wird die europaweite CO-2 Zwangsjacke angesichts der Tatsache, dass der Rest der Welt dabei nicht mitmachen wird, massiven Druck auf die Konkurrenzfähigkeit der EU ausüben - ganz zu schweigen von rasant steigenden Energiekosten, als Folge der vom Staat aufezwungenen Wandlung in Richtung Wind-und Sonnenenergie, die wohl kaum den steigenden Energiehunger in Europa stillen wird: ob unter diesen Bedingungen alle wirklich elektrisch fahren werden, würde ich bezweifeln. Die für einige kurzsichtigen Politiker grandiose Idee mit der CO-2 Besteuerung wird sich auf Dauer als Trugschluss erweisen: Auswirkung auf das Klima gleich Null.