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Konzert im StadtcasinoKlassik mit Klamauk


Das Sinfonieorchester Basel spielte die Uraufführung von Helena Winkelmans «Gemini». Das Werk für zwei Violinen und Orchester lädt auch zum Schmunzeln ein.

Die Violonistin Patricia Kopatchinskaja hier bei ihrem diesjährigen Konzert am  Gstaad-Digital-Festival, sorgte mit ihrem lebhaften Spiel auch in Basel für ein mitreissendes Musikerlebnis.
Die Violonistin Patricia Kopatchinskaja hier bei ihrem diesjährigen Konzert am Gstaad-Digital-Festival, sorgte mit ihrem lebhaften Spiel auch in Basel für ein mitreissendes Musikerlebnis.
Foto: BOM

Die lockeren Corona-Regeln in der Schweiz machten es möglich: Am vergangenen Mittwoch sassen gegen tausend Personen im frisch renovierten Musiksaal des Stadtcasinos, das Sinfonieorchester Basel war zwar mehrheitlich mit Schutzmasken, aber dicht gedrängt auf dem Podium, und Kameraleute mit laut brummenden Scheinwerfern filmten das Konzert, das ab Donnerstag als Stream auf Arte nachzuerleben ist. Das benachbarte Ausland wird nicht ohne Neid konstatieren, dass Basel wieder einmal anders tickt.

Komponistin spielt selbst

Anders als gewohnt war auch das Programm. Gut, die erste Brahms-Sinfonie hat man schon öfter gehört, und Rolf Liebermanns «Geigy Concerto» war unlängst im Eröffnungskonzert des umgebauten Stadtcasinos auf dem Programm. Aber eine halbstündige Uraufführung mit prominenter Solistenbesetzung und vollem Orchester ist in einem städtischen Abonnementskonzert nicht nur zu Corona-Zeiten eine Rarität: Helena Winkelmans «Gemini» für zwei Violinen und Orchester. Anstelle von Pekka Kuusisto spielte die 46-jährige Komponistin selbst den zweiten Violinpart und duellierte sich mit der wie immer quietschfidelen Patricia Kopatchinskaja. Die beiden Soloviolinen werden sekundiert von zwei Schlagzeugern, die sich am Ende mit Plastikröhren ordentlich auf die Mütze geben – da wird das klassische Konzert vollends zum clownesken Event.

Vor diesem etwas breit ausgewalzten Klamauk-Finale gab es viel zeitgenössisches Getön, mal eher bombastisch wie in den «Planeten» von Gustav Holst, im zweiten Satz illustrativ wie ein Elefantenkonzert von Reibeklängen der Soloviolinen begleitet. Sind wir im Zoo gelandet? Nur vorübergehend, denn schon im dritten Satz geht es mit Schiffshupen, in die sich folkloristische Motive verstricken, aufs Wasser. Winkelmans Werk ist Musik, die ohne Pathos auskommt, nie langweilt und einem ein Schmunzeln auf die Lippen zaubert. Wann lässt sich das von zeitgenössischer Musik schon sagen?

Die Brahms-Sinfonie kam unter Ivor Boltons unentwegt im Luftraum schaufelnden Händeneinen Dirigentenstab verschmäht dieser Hand-Werker konsequent überaus klangintensiv über die Rampe, wobei die Violinen mit so wenig Vibrato spielten, dass sie scharf tönten. In Ermangelung einer konzeptionellen Idee vernahm man ansprechende Details, etwa von den konzertierenden Holzbläsern oder von den Hörnern, die das Alphornmotiv im Finale mit einem leichten Zwick spielten, sodass auch das trägste Ohr aufhorchte.