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Im LadenKaum zu knacken – das Veloschloss aus Stoff

Für Christian Berra und Andreas Schabbach ist Velofahren nicht nur Sport, sondern eine Lebensart. In ihrem Laden «ChezVelo» finden Rad-Versessene alles – von Textilschlössern bis hin zu Profiteilen der Kultmarke Campagnolo.

Sie setzen bei Polo-Matches lieber auf Drahtesel statt auf Pferde: Andreas Schabbach, Christian Berra und der künftige Lehrling Gabriel Hammersley (v. r.) in ihrem Laden ChezVelo.
Sie setzen bei Polo-Matches lieber auf Drahtesel statt auf Pferde: Andreas Schabbach, Christian Berra und der künftige Lehrling Gabriel Hammersley (v. r.) in ihrem Laden ChezVelo.
Foto: Florian Bärtschiger

Es mag paradox klingen. Doch eines der besten Veloschlösser auf dem Markt besteht weder aus Stahl noch aus Metall – sondern aus Stoff. Das zumindest sagt einer, dessen Leben sich ganz ums Velo dreht: Christian Berra, Co-Besitzer des Velofachgeschäfts ChezVelo. «Es gibt eine neue Art von Schloss, das kaum zu knacken ist», sagt er. «Seine zähen Textilfasern lassen sich mit einem Bolzenschneider oder einer Säge nur schwer durchtrennen, und sie sind feuerfest.» Das Schloss heisst Tex-Lock: Der Kern besteht aus einer Kette und ist von fünf Textilschichten umgeben. Wie ein Seil windet sich das Schloss um den Velorahmen und kann – je nach Länge – sogar um einen Baum oder mehrere Velos gewickelt werden. Dabei verkratzt es den Velolack nicht. Kratzen könnte es einzig ein wenig am Portemonnaie, kostet das preisgekrönte Schloss doch zwischen 130 und 150 Franken. Für heiss geliebte Räder dürfte sich die Investition jedoch lohnen. Momentan gehöre das Tex-Lock zu den beliebtesten Gadgets im Laden von ihm und seinem Geschäftspartner Andreas Schabbach, sagt Christian Berra.

Durch Berras Adern muss Kettenöl fliessen, so sehr sprüht er vor Leidenschaft für die Zweiräder und für alles, was mit ihnen zu tun hat. Für ihn ist Velofahren nicht nur Sport, sondern eine Lebensart. «Bei uns steht die Lust und Liebe am Velofahren im Zentrum. Das klingt banal, aber es ist die Triebfeder für alles, was wir machen», sagt er. Durch diese Passion sind die beiden überhaupt zu Freunden und Geschäftspartnern geworden. «Auf einer Velotour auf Mallorca haben wir den Entschluss gefasst, einen Laden zu eröffnen. Zuvor haben wir selber in einem Konzeptraum getüftelt und zum Spass Velos restauriert – es war quasi eine Wohnung, bewohnt von Velos», lacht Berra.

Velo-Kino und Touren ins Elsass

Heute, über 10 Jahre später, verkaufen er und Andreas Schabbach im ChezVelo an der St.-Johanns-Vorstadt Bikes für den Alltag, Touren- und Rennvelos, auch mal Cargo- und E-Bikes oder Kindervelos. Besonders gefragt seien sogenannte Gravel-Bikes. «Das sind Velos, bei denen man sich nicht im Voraus entscheiden muss, ob es eine Tour über Stock und Stein wird oder doch eher eine ruhige Fahrt auf der Hauptstrasse», so Berra. «Das Fahrrad ist auf nichts spezialisiert, kann aber alles.» Helme, Schuhe, Trikots, Velopumpen oder -lichter runden das Angebot für alle Veloversessenen ab. ChezVelo hat sich als einziges Geschäft in der Region auch auf Schaltkomponenten der italienischen Traditionsmarke Campagnolo spezialisiert, die besonders unter Rennfahrern ein grosses Renommee geniessen. In der Werkstatt bringen die beiden zudem nostalgischere Modelle wieder auf Vordermann und bauen auf Wunsch individuell angefertigte Laufräder zusammen.

Berra und Schabbach wollen aber nicht nur Velos verkaufen, sie zelebrieren auch den dazugehörigen Lifestyle: So gibt es Polo-Matches – auf Drahteseln statt auf Pferden – oder auch mal ein Velokino bei ChezVelo. Und: «Normalerweise organisieren wir jeden Donnerstag eine Ausfahrt in der Region. Alle, die mitmachen möchten, können sich den Touren anschliessen und so das Dreiländereck entdecken», sagt Berra. Wegen Corona musste das Duo in den letzten Wochen jedoch diesbezüglich kürzertreten.

Das Coronavirus habe einen interessanten Effekt auf ihren Shop gehabt, sagt Berra. «Wir schwankten während des Lockdown zwischen keinen Verkäufen und einer voll ausgelasteten Werkstatt, weil alle wieder aufs Velo steigen wollten. Und jetzt sind bei manchen Kunden die Ferien in Amerika oder die Safari ins Wasser gefallen – stattdessen investieren sie in ein gutes BikeGleichzeitig komme es bei den Lieferanten auch mal zu Lieferengpässen, weil mancherorts die Produktion unterbrochen werden musste.

Die Grenzen zu den Nachbarländern sind seit dieser Woche wieder offen. Ob damit auch der Weg wieder frei ist für Velotouren im Dreiländereck? Christian Berra wüsste, wo es besonders schön ist: «Im Elsass, im Sundgau! Wenn die Abendsonne dort, in der Region zwischen Belfort und Mulhouse, ganz langsam hinter den Hügelkuppen verschwindet, ist es wunderschön. Im offenen Gelände geht es sanft auf und ab», schwärmt er. «Von der Steigung her ist es nicht anspruchsvoll – aber geistig allemal erhebend.»

ChezVelo, St.-Johanns-Vorstadt 64, Basel.
Geöffnet Mo–Fr von 13–18.30 Uhr, Mi geschlossen
, Sa 10–17 Uhr (Werkstatt geschlossen). www.chezvelo.com