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Basler Theaterautor Karrieresprung für Boris Nikitin

Der 41-jährige Basler Theatermacher steht im Wettbewerb für den renommierten Mülheimer Dramatikpreis. Mit der Auswahl ist seinem Stück über die Reality-Show «Big Brother» internationale Aufmerksamkeit sicher.

Der gebürtige Basler Boris Nikitin sorgte an der Kaserne Basel mit einer Dok-Theaterreihe für Aufsehen.
Der gebürtige Basler Boris Nikitin sorgte an der Kaserne Basel mit einer Dok-Theaterreihe für Aufsehen.
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Der Basler Autor und Regisseur Boris Nikitin ist für den Mülheimer Dramatikpreis nominiert. Das hat die Auswahljury heute bekannt gegeben. Der 41-jährige Theatermacher geht mit einem Stück über die legendäre Reality-TV-Show «Big Brother» ins Rennen. Der renommierte Autorenpreis wird im Rahmen des Festivals «Stücke» im Mai vergeben – falls die Pandemiesituation das zulässt.

Nikitin hat das Werk unter dem Titel «Erste Staffel. 20 Jahre Grosser Bruder» geschrieben und die Uraufführung am Staatstheater Nürnberg in einem Bühnen-Wohncontainer selbst inszeniert. Dabei bedient sich der Basler Theatermacher dokumentarisch bei den Dialogen aus der Show und streut Zitate von George Orwell ein.

In Nürnberg lässt Nikitin Szenen und Dialoge aus dem Ur-«Big Brother» nachspielen.
In Nürnberg lässt Nikitin Szenen und Dialoge aus dem Ur-«Big Brother» nachspielen.
Foto: Konrad Fersterer

In Basel machte sich Nikitin vor allem mit Arbeiten an der Kaserne einen Namen, unter anderem mit den performativen Dokumentartagen «It’s the real Thing».

In seiner Nürnberger Arbeit vertritt Nikitin unter anderem die These, dass mit dem «Big Brother»-Format – wohl ungewollt – auch die populistische Querdenkerei der Gegenwart angestossen wurde. So ereifert sich auf der Bühne ein WG-Genosse über fortschreitende Entmündigung in Zeiten der Maskendebatte. Und die Container-Partyzone verwandelt sich zielsicher in eine Zwangsgemeinschaft. Ein soziales TV-Experiment als dramatische Dokufiction – Lagerkoller nicht ausgeschlossen.

Wie im echten Fernsehcontainer: Kameras verfolgen den Alltag der Darsteller, sogar während der Bettruhe.
Wie im echten Fernsehcontainer: Kameras verfolgen den Alltag der Darsteller, sogar während der Bettruhe.
Foto: Konrad Fersterer

In der Auswahl steht – fast schon als Stammgast – auch die Zürcher Autorin Sibylle Berg. Ihr Stück «Und sicher ist mit mir die Welt verschwunden» wurde vom Basler Regisseur Sebastian Nübling am Berliner Gorki-Theater uraufgeführt.

Mülheim-Debütant Nikitin konkurriert im Wettbewerb ausserdem mit dem monumentalen 9/11-Politdrama «Reich des Todes» von Rainald Goetz (Deutsches Schauspielhaus Hamburg), Rebekka Kricheldorfs Feminismus-Groteske «Der goldene Schwanz» (Staatstheater Kassel), Thomas Freyers Post-DDR-Stück «Stummes Land» (Schauspiel Dresden), dem Münchner Doku-Drama «Das Oktoberfestattentat» von Christine Umpfenbach (Kammerspiele) und einem «Tragödienbastard» der Newcomerin Ewelina Benbenek (Schauspielhaus Wien).

Der Autor dieses Artikels ist Mitglied der Auswahljury für den Mülheimer Dramatikpreis.

1 Kommentar
    Seraina McDaniel

    Das freut mich sehr für Boris Nikitin! Absolut verdient. Er ist momentan DER Star in der Szene.