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Hierarchie der ErleuchtetenKann eine Frau Buddha sein?

Das Museum der Kulturen Basel zeigt in der aktuellen Ausstellung «Erleuchtet» 50 Buddhastatuen und 230 weitere Ausstellungsstücke zu den Lehren und der Gemeinschaft Buddhas.

Der transzendente Buddha begegnet einem nur in der Meditation.
Der transzendente Buddha begegnet einem nur in der Meditation.
Foto: MKB

Tiefenentspannt verlässt man den obersten Stock des Basler Museums der Kulturen. Die zahlreichen Buddhas der Ausstellung «Erleuchtet» – welche vom 20. November 2020 bis am 23. Januar 2022 hier zu sehen ist – haben ganze Arbeit geleistet.

Da war beispielsweise eine steinerne Darstellung aus dem 3. Jahrhundert des Buddhas Shakyamuni, welcher beinahe griechisch antike Züge trägt. Die europäischen Einflüsse auf die südasiatische Kultur, welche im regen Handelsaustausch mit dem Mittelmeerraum um die Zeitenwende begründet sind, stehen diesem Buddha ins Gesicht geschrieben.

Der vermeintliche Haarknoten auf dessen Kopf ist im buddhistischen Kontext allerdings nicht als modische Frisur, sondern als Erleuchtungswölbung zu verstehen, einem Symbol der Weisheit. Dieses Merkmal findet sich auch bei anderen menschlichen Darstellungen Buddhas.

Trotz der vielen Gemeinsamkeiten der ausgestellten Statuen und Figuren fällt einem auch deren Unterschiedlichkeit auf: Japanische, thailändische, chinesische, indische, pakistanische Exponate stehen hier. Rund 280 Ausstellungsstücke werfen ein Licht auf Buddha, seine Lehren und seine Gemeinschaft – und räumen mit einigen Missverständnissen auf.

Buddha ist beispielsweise kein Eigenname, sondern ein Ehrentitel, der so viel bedeutet wie «der Erleuchtete». Diesen erhalten Menschen, die sich im irdischen Dasein von Gier, Hass und Unwissenheit befreiten und bereits zu Lebzeiten die höchste Erkenntnis, nirvana, verwirklichten. Mit dem Tod verlässt Buddha schliesslich den als leidvoll empfundenen Kreislauf der Wiedergeburt, samsara.

Ein weiblicher Buddha?

Wenn man historisch von Buddha spricht, ist meist von Buddha Shakyamuni, getauft Siddhartha Gautama, die Rede. Dieser gilt im Theravada-Buddhismus, der Lehre der Ältesten, als Lehrer und Vorbild. In Zentral- und Ostasien erfährt die Vorstellung von Buddha schliesslich eine Erweiterung: Neben den irdischen Erleuchteten werden hier auch sogenannte transzendente Buddhas verehrt, welche dem Buddhisten nur in der Meditation erscheinen können.

Auf einem grossen Tisch in der Mitte des wohlig abgedunkelten Raums findet man diese Hierarchie bildlich wieder: Pyramidenartig stehen die transzendenten Buddhas über ihren irdischen Pendants – erstere reich geschmückt, während letztere meist in bescheidener Kleidung dargestellt werden. Noch eine Stufe darüber finden sich die absoluten Buddhas- und ganz oben thront, – dies ist ein Kreativentscheid des Museums – die sogenannte Mutter der Buddhas und Hüterin der Weisheit, Ushnishavijaya.

Was einen zu der Frage verleitet, wie es überhaupt um die Weiblichkeit im Buddhismus steht: Kann eine Frau Buddha sein? Die Lehre der Ältesten verneint dies, während jüngere Philosophien es für möglich halten. Trotzdem finden sich kaum weibliche Darstellungen – weder Buddhas noch einer Nonne – in der Ausstellung, was die Kuratorin Stephanie Lovász sehr bedauert: Mehr habe man schlicht nicht gefunden.

Buddha liegt im Sterben: Bald tritt er aus dem leidvollen Kreislauf der Wiedergeburt aus.
Buddha liegt im Sterben: Bald tritt er aus dem leidvollen Kreislauf der Wiedergeburt aus.
Foto: MKB

Rund 380 Millionen Buddhisten gibt es weltweit, die sich in den rund 2000 Jahren des Bestehens der Philosophie angeschlossen haben. Längst ist der Buddhismus auch hierzulande angekommen: Sei es im tibetisch-buddhistischen Kloster in Rikon, als Entspannungstechniken und Trainingseinheiten oder als Dekoartikel im heimischen Wohnzimmer.

Ach, wussten Sie übrigens, dass der dicke Budai, den man oft vergoldet in chinesichen Restaurants und modernen Interiordesigns wiederfindet, kein Buddha ist? Es handelt sich dabei um einen Bettelmönch, der in Japan und China als Glücksbringer verehrt wird.

Neben dem Herzstück der Ausstellung, einer lebensgrossen Buddhastatue, die eine beschwerliche Reise in die Schweiz hinter sich hat, regen die zeitgenössischen Kunstwerke zum Denken an. Die Ausstellung wird am Eingang von einem Kunstwerk von Sanae Sakamoto eröffnet. Das japanische Schriftzeichen Buji, welches so viel wie akzeptieren bedeutet, heisst den Zuschauer in Übergrösse willkommen.

Wer sich am Ende seines Rundgangs im hinteren Teil des Raums den Film «Scrumped» anschaut – rhythmische Trommelschläge, eine rasche Bildabfolge von Winterlandschaften und Eindrücke aus dem Leben im Kloster lassen innere Empfindungen und äussere Wahrnehmungen verschmelzen – und sich in der Meditationsecke niederlässt, kommt der Erleuchtung ein klitzekleines Bisschen näher – so fühlt es sich zumindest an.

1 Kommentar
    DonPetrowski

    -"Buddha ist beispielsweise kein Eigenname, sondern ein Ehrentitel, der so viel bedeutet wie «der Erleuchtete»."- Das ist nicht richtig. Buddha heisst "der Erwachte"!