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Finanzhilfe direkt durch UniJunge CVP will mit 30 Millionen die Stipendienvergabe gerechter machen

Jährlich machen rund 150 Studenten der Universität Basel von sogenannten Härtefallstipendien Gebrauch. Dies ist eine Folge der grossen kantonalen Unterschiede bei der Stipendienvergabe.

Studenten halten die Fahne der Alma Mater hoch am Dies Academicus 2019.
Studenten halten die Fahne der Alma Mater hoch am Dies Academicus 2019.
Foto: Lucia Hunziker

Rund 150 Studenten der Universität Basel nehmen pro Jahr eine Art Nothilfe in Anspruch, Härtefallstipendien genannt. Vorgesehen ist dieser Weg nicht. Ein Student in Geldnot geht zuerst zu den Eltern oder sucht sich einen Nebenjob. Reichen die finanziellen Mittel nicht aus, kann er die kantonale Stipendienstelle aufsuchen.

Nun, in Zeiten der Corona-Pandemie, dürften die Härtefälle zunehmen, fielen doch zahlreiche typische Studenten-Nebenjobs weg. Die Junge CVP Basel-Stadt ist alarmiert. Sie möchte deswegen den Fonds der Universität Basel mit einem gewaltigen Betrag aufstocken: Der Bund solle mindestens 30 Millionen Franken an Unterstützungsgeldern sprechen, teilte die Jungpartei am Freitag mit.

30 Millionen für einen Fonds, der sich hauptsächlich durch Spendengelder finanziert und in einem normalen Jahr bloss 499’000 Franken ausgibt? «Momentan gibt es keinen Grund, aktiv etwas zu unternehmen», sagt Uni-Sprecher Matthias Geering auf Anfrage. Die Gelder des Stipendienfonds reichten derzeit für sämtliche gerechtfertigten Anträge.

Die jungen Basler Christlichdemokraten möchten aber keineswegs die Uni mit Geld überhäufen ihr Grundgedanke ist ein anderer: Sie wollen ihr (und auch anderen Schweizer Unis) mehr Macht bei der Stipendienvergabe einräumen, um kantonale Unterschiede auszumerzen. Damit legt die Jungpartei ihren Finger in eine Wunde, die schweizweit schon länger vor sich hin eitert, wie ein Beispiel zeigt.

«Die betroffene Person müsste beide Eltern oder einen Elternteil auf Unterhalt verklagen.»

Gaudenz Henzi, Leiter der Sozialberatung der Universität Basel

Marco* ist einer jener Studenten, die eine «kantonsbedingte Diskriminierung» bei der Vergabe von Stipendien erlebt haben. Er möchte sich lieber anonym äussern, hat der BaZ aber ein Dokument vorgelegt, das seine Aussagen stützt. Als er in Basel sein Jurastudium beginnt, sind finanzielle Engpässe weit weg: Seine Familie gehört dem Mittelstand an, seine Eltern verdienen genügend Geld. Doch dann der Bruch: Die Eltern lassen sich scheiden, der Vater wandert aus, und auf einen Schlag bricht der Grossteil der finanziellen Unterstützung weg.

«Eine typische Situation», sagt Gaudenz Henzi, Leiter der Sozialberatung der Universität Basel. «Scheidungen sind oft Anlass, weshalb Studenten uns aufsuchen.» Es komme etwa vor, dass sie noch bei der Mutter wohnen und der Vater die Zahlung seines Anteils verweigere. Diese Konstellation ist besonders kompliziert, denn «die betroffene Person müsste beide Eltern oder einen Elternteil auf Unterhalt verklagen». Das falle den meisten schwer schlimmstenfalls führt dies dazu, dass sie wegen des Prozesses ihr Studium unter- oder gar abbrechen müssten.

Auch Marco wollte seinen Vater nicht verklagen. «Das kam für mich nicht infrage. Die Situation in der Familie war schon angespannt genug, ausserdem hat mein Vater mich ja sehr lange unterstützt.» Also griff er zunächst auf Erspartes zurück, arbeitete mehr und beantragte dann, beruhend auf der veränderten finanziellen Ausgangslage seiner Eltern, ein Stipendium in seinem Herkunftskanton. Dort hiess es: «Sie studieren schon zu lange, um ein Stipendium zu beantragen.»

Auch beim Bund ein Thema

Jeder Kanton vergibt Stipendien nach unterschiedlichen Massstäben, was auf Bundesebene immer wieder für Kritik sorgt. Wenn zwei Studenten mit derselben Ausgangslage je nach Wohnkanton entweder ein Stipendium bekommen oder nicht, wird das als unfair wahrgenommen. 2013 ist ein Stipendienkonkordat in Kraft getreten, das die verschiedenen Vergabepraxen einigermassen harmonisieren sollte. Das fruchtete nur bedingt. Deshalb wollte die Kommission für Bildung, Wissenschaft und Kultur vor zwei Jahren eine Stellungnahme des Bundesrats, inwiefern diese Harmonisierung geglückt sei. Ihr Antrag kam im Nationalrat jedoch nicht durch.

Der Fall von Marco ist noch keine zwei Jahre alt. Er löste seine Situation letztlich so, dass er neben seinem Vollzeitstudium 50 Prozent arbeitete und eine Verlängerung der Studiendauer in Kauf nahm. Erst im Abschlussjahr konsultierte er Gaudenz Henzi. Marco erhielt während den letzten zwei Semestern den Maximalbeitrag von 4500 Franken und konnte kürzlich seine Abschlussprüfungen ablegen.

«Die Dankbarkeit, die uns die Studenten entgegenbringen, ist enorm», sagt Henzi. Wie aber stellt die Uni sicher, dass keine faulen Studenten den Fonds ausnutzen? «Wir prüfen sehr genau, ob sie sich zuerst an die kantonale Stipendienstelle gewandt haben und wie ihr Bescheid dort ausfiel», antwortet Henzi. «Ausserdem haben wir eine gute Erfolgsquote: 95 Prozent der unterstützten Studenten schliessen ihr Studium ab.»

*Name von der Redaktion geändert.

1 Kommentar
    Tim Meier

    So läuft das im Föderalismus. Marco hat's trotzdem geschafft. Hat halt etwas länger gedauert.