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Fehler im Google-Algorithmus Journalistin wird mit Jeff Bezos’ Ex-Frau verwechselt

Googelte man MacKenzie Bezos’ Telefonnummer, tauchten die Kontaktdaten einer amerikanischen Reporterin auf. Diese wurde mit Nachrichten fremder Leute überschwemmt.

Seit einem Jahr geschieden: Amazon-Gründer Jeff Bezos mit seiner Ex-Frau MacKenzie Bezos.
Seit einem Jahr geschieden: Amazon-Gründer Jeff Bezos mit seiner Ex-Frau MacKenzie Bezos.
Foto: Taylor Hill, FilmMagic/Getty Images

Es ist eine der wirren Geschichten, wie sie nur das Internet schreiben kann. MacKenzie Bezos, die Ex-Frau des Multimilliardärs und Amazon-Gründers Jeff Bezos, kündigte im Mai 2019 nach der Scheidung von ihrem Ehemann an, einen Grossteil ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden. Zahlreiche Medien berichteten darüber, darunter auch die US-Zeitschrift «Wired». Die Autorin Louise Matsakis schrieb über die philanthropischen Tätigkeiten der Reichen aus der Tech-Welt. Was nach der Veröffentlichung des Artikels geschah, ist jedoch das wirklich Spektakuläre an der Geschichte.

Matsakis erhielt Hunderte Anrufe, SMS und E-Mails – keine Hassnachrichten oder Kritik wegen ihres Artikels, sondern Heiratsanträge, Anekdoten aus dem Leben Fremder und, besonders skurril, Anfragen für Geld oder Luxusgüter. «Als Journalistin beantworte ich normalerweise keine E-Mails von Leuten, die mich fragen, ob ich ihnen einen Porsche kaufe», schreibt Matsakis in einem Artikel ein Jahr nach Veröffentlichung des Bezos-Berichts.

Eine der reichsten Frauen der Welt

Sie könnte sich solche Spenden wohl auch nicht leisten – Frau Bezos jedoch schon. Immerhin hat sie nach der Scheidung 25 Prozent der von ihr und ihrem Ehemann gehaltenen Amazon-Aktien behalten. Diese summieren sich auf einen Betrag von etwa 35,6 Milliarden US-Dollar. Die heute 50-Jährige gehört mit einem Vermögen von insgesamt fast 50 Milliarden US-Dollar zu den reichsten Frauen der Welt.

Im Mai 2019 trat sie «The Giving Pledge» bei, einer Initiative von verschiedenen Milliardären auf der ganzen Welt, die sich dazu verpflichten wollen, mindestens die Hälfte ihres Vermögens für das Gemeinwohl auszugeben. Zahlreiche namhafte Persönlichkeiten aus der Tech-Welt haben bereits dieses virtuelle Gelöbnis abgegeben, so etwa Microsoft-Gründer Bill Gates, Investor Warren Buffett oder Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.

Doch Louise Matsakis, die Reporterin aus dem New Yorker Stadtviertel Brooklyn, gehört nicht zu dieser Elite steinreicher Menschen. Sie wurde lediglich Opfer der Google-Suchalgorithmen.

Nicht das erste Mal

Google präsentiert seit mehreren Jahren nicht mehr nur Suchergebnisse in Form von verschiedenen Websites, sondern mittels Algorithmen auch direkte Ergebnisse von Suchanfragen. Googelt man etwa das Vermögen einer Person oder das heutige Wetter, so präsentiert einem die Suchmaschine die naheliegendsten Antworten direkt als erstes Ergebnis, noch bevor man selbst irgendwelche Seiten nach der Antwort durchforsten muss. Das verkürzt die Suchanfragen immens, liefert jedoch nicht in jedem Fall die richtigen Ergebnisse.

Das bekam auch Matsakis zu spüren. Denn die Suche nach MacKenzie Bezos’ Telefonnummer lieferte dem Internet-Benutzer die Nummer und die E-Mail-Adresse der jungen Journalistin. Der Algorithmus, den Google für die Suchergebnisse benutzt, filterte nach Bezos’ Namen und einer Telefonnummer, die zusammen mit ihrem Namen auftauchte, in diesem Fall Matsakis’. Diese war in einer Infobox unterhalb ihres Artikels hinterlegt. Wie bei Journalisten üblich, seien diese Daten für die Leser bestimmt, die ein Feedback oder Hinweise an die Autorin senden möchten, erklärt Matsakis.

Sie habe sich mehrmals mit Google in Verbindung gesetzt, schreibt Matsakis. Eine Sprecherin habe ihr versichert, man suche nach Möglichkeiten, wie man solche Fehler besser erkennen könne. In der Zwischenzeit könne ihr Arbeitgeber Wired lediglich ihre Website so rekonfigurieren, dass Google nicht mehr aus Versehen ihre Kontaktdaten aufnehme, meint die Journalistin. Der erste Zwischenfall war es aber offenbar nicht: Nach einem Artikel über das Videoportal Tiktok verband Google Matsakis’ Kontaktdaten bei entsprechender Suchanfrage mit dem Tiktok-Kundendienst.

(sho)