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Mehr LektionenJetzt sollen die Baselbieter Schüler besser lesen und rechnen lernen

Mit einem Massnahmenpaket will die Baselbieter Bildungsdirektion die Qualität an den Volksschulen verbessern. Dafür sind zwischen 2022 und 2028 Investitionen von rund 62 Millionen Franken vorgesehen.

In Baselbieter Schulen soll künftig mehr Wert auf die Kernfächer Mathematik und Deutsch gelegt werden. Dazu soll schon den Primarschülern mit dem Fach «Medien und Computer» die Tür zur digitalisierten Welt geöffnet werden,
In Baselbieter Schulen soll künftig mehr Wert auf die Kernfächer Mathematik und Deutsch gelegt werden. Dazu soll schon den Primarschülern mit dem Fach «Medien und Computer» die Tür zur digitalisierten Welt geöffnet werden,
Foto: Raisa Durandi

Es war ein regelrechter Schock, als 2019 die Resultate der nationalen Überprüfung der Grundkompetenzen der Schülerinnen und Schüler an den Baselbieter Volksschulen bekannt wurden: Rund 47 Prozent der vierten Sekundarschulkasse erreichten im Fach Mathematik die Grundkompetenzen nicht. Nur Basel-Stadt war mit 57 Prozent noch schlechter dran. Der schweizerische Durchschnitt lag bei 38 Prozent der Schülerinnen und Schüler, die die Lernziele nicht erreichten.

Unterdurchschnittlich schnitten die Baselbieter Schülerinnen und Schüler dazu noch im Fach Französisch ab. In Deutsch konnten nur durchschnittliche Kompetenzen beim Lesen und Sprechen festgestellt werden.

Das sei ein überraschend schlechtes Resultat, stellte die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Geschwind am Mittwoch an einer Online-Medienkonferenz der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) fest. Man könne nicht sagen, es gebe dafür einzelne Ursachen, ergänzte Alberto Schneebeli, Leiter des Stabs Bildung in der BKSD. Vielmehr handle sich um ein Zusammenwirken der verschiedensten auf die Volksschule einwirkenden Faktoren.

Gschwind reagiert mit Massnahmen

Die gelte es zu ändern. Man müsse schnell und nachhaltig reagieren, so Gschwind. Am Mittwochmorgen präsentiere sie daher unter dem Titel «Zukunft Volksschule» ein Massnahmenpaket. Dieses ist breit abgestützt und unter Einbezug der Schulen, der Lehrerinnen- und Lehrerverbände, der diversen Landratsfraktionen und des Verbands der Baselbieter Gemeinden geschnürt worden. Im Fokus steht dabei die Stärkung der Kernfächer Deutsch und Mathematik.

Mit der Fokussierung setze das Programm gezielte Schwerpunkte, sagt Gschwind: «Der Erwerb der Grundkompetenzen steht im Zentrum.» Lesen und Rechnen alleine reiche aber nicht. «In der Volksschule sollen sich die Schülerinnen und Schüler auch vertieft mit ihren eigenen Interessen auseinandersetzen, ihr Potenzial erkennen und erfassenDas gehe Hand in Hand mit der beruflichen Orientierung und sei zentral für den reibungslosen Übertritt in die Berufsbildung oder an eine Mittelschule sowie für die Befähigung zum lebenslangen Lernen und zur gesellschaftlichen Teilhabe.

Wo bleibt Französisch?

Konkret geplant ist unter anderem für die Sekundarstufe I eine zusätzliche Deutschlektion und generell ein Ausbau der Mathematik-Lektionen. Dazu sollen die Schulen für die 4. und 5. Klasse der Primarschule und die Leistungszüge A und E der Sekundarstufe I mit sogenannten SOS-Lektionen flexibel auf die spezifischen Bedürfnisse reagieren können. Denn es habe sich gezeigt, dass die Leistungen von Schule zu Schule oder von Klasse zu Klasse stark variierten, so Beat Lüthy, Leiter des Baselbieter Volksschulamts.

Das Fach Französisch, in dem ebenfalls schwere Mängel festgestellt wurden, kommt im Programm übrigens nicht vor. Hier soll die an der Urne beschlossene gleitende Lehrmittelfreiheit, mit der Schulen ihre Lehrmittel selber wählen können, Abhilfe schaffen, so Lüthy.

Neben der Stärkung der Kernfächer stehen die schulische und ausserschulische Leseförderung sowie das Aus- und Weiterbildungsprogramm für Lehrpersonen im Fokus. Stark ausgebaut wird ausserdem der neue Fachbereich «Medien und Informatik». «Dieses Fach ist für das 21. Jahrhundert elementar», sagt Monica Gschwind. Geht der Ausbau von «Medien und Informatik» in der 5. und der 6. Primarklasse zulasten von Lektionen des Sammelfaches «Natur, Mensch und Gesellschaft», so wird der Stundenplan der Sekundarschülerinnen und -schüler in den ersten zwei Jahren um eine zusätzliche Lektion erweitert.

Teuerstes Bildungsprogramm der letzten Jahre

Die Stärkung der Volksschule hat ihren Preis, wie Monica Gschwind betont. «Es ist die grösste Investition der letzten Jahre. Ich bin aber überzeugt, dass sich jeder Franken lohnt.» Für den Kanton fallen für die Jahre 2022 bis 2028 Investitionen von rund 50 Millionen an. Die Baselbieter Gemeinden sollen 12 Millionen Franken beisteuern. Damit das Programm 2022 starten kann, soll schon im 1. Quartal 2021 dem Landrat die entsprechende Vorlage unterbreitet werden. Gleichzeitig sollen die Gemeinden zum Mitziehen bewegt werden.

Viele Baselbieter Gemeinden kündigen dieser Tage aber Defizite an und denken über Steuererhöhungen nach, da Corona ein Loch in die Kassen reisst. Zusätzliche Millionen für die Volksschule dürften deshalb zu reden geben. Es bleibt der Appell von Bildungsdirektorin Gschwind an der Medienkonferenz: «Bildung kann nur gelingen, wenn alle an der Schule Beteiligten an einem Strang ziehen.»

18 Kommentare
    Tina Baumann

    Das Problem ist nicht das Lernprogramm, sondern es sitzt am Schülerpult.