Zum Hauptinhalt springen

Halbe Milliarde MinusSBB-Chef muss sparen: «Wir drehen jeden Franken um»

Die Corona-Krise schlägt sich stark auf das Halbjahresergebnis der SBB nieder. Die Erklärungen des SBB-Chefs im Live Ticker.

Corona-Krise schlägt sich auf das Halbjahresergebnis nieder: SBB-CEO Vincent Ducrot, CEO an der Medienkonferenz in Bern.
Corona-Krise schlägt sich auf das Halbjahresergebnis nieder: SBB-CEO Vincent Ducrot, CEO an der Medienkonferenz in Bern.
Foto: Anthony Anex (Keystone)

Das Wichtigste in Kürze

  • Die SBB fahren im ersten Halbjahr einen Verlust von fast einer halbe Milliarde Franken ein.
  • Wegen Corona waren ein Drittel weniger Passagiere unterwegs.
  • Der Lokführermangel trifft vor allem das Mittelland und die Romandie hart. Bis im April 2021 fallen Züge aus.

LIVE TICKER BEENDET

Zusammenfassung: SBB fahren wegen starke Verluste ein

Die Corona-Krise schlägt sich stark auf das Halbjahresergebnis der SBB nieder: Im ersten Halbjahr weist das Konzernergebnis ein Minus von 479 Millionen Franken aus, im Vorjahr hatten die SBB noch ein positives Ergebnis von 279 Millionen erzielt. Die Auswirkungen der Pandemie werden die SBB auch weiterhin prägen.

«Die Situation ist sehr ernst», sagte SBB-CEO Vincent Ducrot am Donnerstag vor den Medien in Bern, der kurz nach Beginn des Lockdowns sein Amt angetreten hat. Nach einem guten Start ins neue Jahr habe das Coronavirus für einen starken Passagierrückgang gesorgt.

Foto: Anthony Anex (Keystone)

So büssten die SBB im zweiten Quartal rund die Hälfte ihrer Personenverkehrserträge gegenüber dem Vorjahr ein. Der Verlust 419 beträgt Millionen Franken (Vorjahr: plus 124 Millionen Franken), wobei insbesondere der Fernverkehr mit einem Minus von 261 Millionen Franken gegenüber einem Plus von 81 Millionen Franken im Vorjahr betroffen war.

Ein Drittel weniger Passagiere

Ab März seien täglich durchschnittlich 810'000 Passagiere befördert worden – mehr als ein Drittel weniger als im Vorjahr (1,29 Millionen). Die Personenkilometer seien um rund 38 Prozent gesunken. Momentan liege die Auslastung im Fernverkehr bei etwas über 70 Prozent, im Regionalverkehr bei 80 Prozent, sagte Ducrot.

Eine zweite Covid-19 Welle, die Entwicklung bei Grossveranstaltungen und im Homeoffice würden sich auf Frequenzen auswirken. Zufrieden ist Ducrot mit der Disziplin der Zugpassagiere, die Maskentragquote sei hoch. Er betonte zudem die Hygienemassnahmen – die SBB würden «massiv mehr reinigen».

Verschuldung ist gestiegen

Die Erträge sind in allen Divisionen stark eingebrochen, gleichzeitig liessen sich die Kosten wegen des weiter geführten Grundangebots während des Lockdowns nur leicht dämpfen. In die Tasche griffen die SBB auch mit Kulanzmassnahmen – sie bezahlten ihren Abo-Kundinnen und Kunden 100 Millionen Franken Entschädigung für das vorübergehend reduzierte Bahnangebot.

Die Verschuldung der SBB liegt nun mit 13,4 Prozent deutlich über der vom Bund geforderten Höchstgrenze von 6,5 Prozent, hiess es weiter. Zur Deckung der Liquiditätsengpässe hat der Bund die kurzfristige Kreditlimite um 550 Millionen Franken erhöht.

Am Donnerstag hiess zudem der Nationalrat als Zweitrat ein Hilfspaket von 900 Millionen Franken für den öffentlichen Verkehr gut. Dabei sprach auch er sich für die vom Ständerat vorgenommene Aufstockung des bundesrätlichen Vorschlags um 200 Millionen Franken aus.

Die Bahninfrastruktur wird mit rund 330 Millionen Franken berücksichtigt, der regionale Personenverkehr mit rund 290 Millionen und der Bahn-Güterverkehr mit etwa 70 Millionen Franken. Im Fernverkehr tragen die SBB die Defizite selber, dies seien im ersten Halbjahr 216 Millionen Franken gewesen, sagte Ducrot.

Sparmassnahmen

Mit Sparmassnahmen wollen die SBB rund 250 Millionen Franken Kosten reduzieren, insbesondere im Bereich IT und Innovation aber auch Werbung, wie Ducrot sagte. Der operative Bahnbetrieb werde nicht davon tangiert.

Fehler in der Planung führten auch zum Lokführermangel, der bereits mehrfach ein Thema war. Für dessen Auswirkungen entschuldigte sich Ducrot, doch zaubern könne man nicht. Vor allem der Raum Genf und Aarau/Olten seien davon betroffen. Eine erste Verbesserung soll mit dem Fahrplanwechsel im Dezember eintreten.

Kunden zufrieden

Laut Ducrot litt die Kundenzufriedenheit nicht unter der Corona-Krise, sie stieg im Vergleich zum Vorjahr um 1,1 Punkte auf 76,6 Prozent. Die Pünktlichkeit liegt neu bei 93,6 Prozent (Vorjahr 91,6 Prozent).

Bei den Generalabonnementen (GA) gab es wegen der Corona-Auswirkungen einen Rückgang von 7 Prozent, total nutzen 459'000 Menschen ein GA (Vorjahr: 493'000), hiess es weiter. Erfreulich sei, dass mehr Reisende mit einem Halbtaxabonnement unterwegs seien, insgesamt 2,72 Millionen (Vorjahr: 2,64 Millionen).

Die SBB rechnen im zweiten Halbjahr mit einer Steigerung der Nachfrage. Man erwarte wegen Corona mittelfristig jedoch weitere Auswirkungen auf das Mobilitätsverhalten.

(SDA)

Das wars

Das erste Halbjahr 2020 hat die SBB finanziell aus der Bahn geworfen. Alleine im Personenverkehr machten die SBB einen Verlust von 419 Millionen Franken. Das hat damit zu tun, dass deutlich weniger Passagiere unterwegs waren wegen Corona.

Für das zweite Halbjahr erhofft sich die SBB eine Besserung. Das ist auch bitter nötig. Sparmassnahmen sollen 250 Millionen Franken bringen.

Fernverkehr aus der eigenen Tasche tragen

Nun geht es um das Defizit des Fernverkehrs. 261 Millionen Verlust machten dort die SBB im ersten Halbjahr. Diesen Anteil trägt die SBB selber. Für das zweite Halbjahr gibt es noch keine Prognose.

Die Gewerkschaft meldet sich zu Wort

Die Gewerkschaft SEV schreibt in einer Mitteilung, dass man trotz des schlechten Ergebnisses der SBB nicht den Kopf verlieren dürfe. Und weiter: «Die SBB hat in den letzten Jahren mit ihren Sparübungen die Mitarbeitenden schwer belastet und das Unternehmen an seine Grenzen gebracht. Aufgrund dieser Erfahrung sind wir bereit mitzudenken, wie intelligent gespart werden kann. Aber einen Schnellschuss zulasten des Personals wollen wir nicht», lässt sich Vizepräsidentin Barbara Spalinger von SEV zitieren.

Sparmassnahmen

Zu den Sparbemühungen: «Wir drehen jeden Franken um», sagt Ducrot. Was man nicht machen werde, ist ein grösseres Sparprogramm. Sondern es gehe darum, wie kann man die vorhandenen Mittel besser einsetzen.

Nun gehts los mit den Fragen

Ein Journalist will wissen, was mit den Schadenersatzforderungen der Kantone wegen des Lokführermangels ist. Ducrot: «Es wird finanzielle Einbussen für uns geben, das ist klar.» Man werde sich mit den betroffenen Kantonen treffen und absprechen. Wie hoch die Einbussen sein werden, könne man noch nicht sagen.

Home-Office besser verteilen.

Vincent Ducrot appelliert, dass man Home-Office besser über die Woche verteilt. Nicht, dass nun viele am Freitag und Montag nicht mehr zur Arbeit fahren. Damit könnten Stosszeiten verringert werden.

Es soll besser werden

Die SBB rechnen damit, dass das zweite Halbjahr 2020 erfreulicher sein wird. So seien die momentanen Auslastungszahlen bereits wieder gestiegen. Im Fernverkehr liegt die Auslastung bei 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, im Regionalverkehr bei 80 Prozent.

Sparprogramm lanciert

Bereits habe die SBB mit einem Sparprogramm reagiert. Dieses soll laute den Bundesbahnen rund 250 Millionen Franken bringen. Investitionen in IT, Innovation und Energie werden reduziert. Zudem würden auch teilweise Projekte in die nächsten Jahre verschoben.

Nun spricht CFO Christoph Hammer

Die Erträge der SBB sind um 11,5 Prozent gegenüber dem vergangenen Jahr. Beim Personenverkehr liegt das Minus bei 419 Millionen Franken. Auch bei den Immobilien und im Güterverkehr und bei der Infrastruktur liegen die Rückgänge im zweistelligen oder dreistelligen Millionenbereich. Bei SBB Cargo liegt der Verlust bei 27 Millionen Franken.

Ducrot zum Lokführermangel: «Ich schäme mich»

Man habe vor zwei Jahren Fehler in der Planung gemacht. Corona habe die Situation noch verstärkt, sagt Ducrot. «Dafür kann ich mich nur entschuldigen», sagt Ducrot.

Foto: Keystone

Die Zugausfälle im Aargau hätten damit zu tun, dass es im Depot im Aargau zu wenig Leute gibt. «Nicht weil wir euch weniger lieben», sagt Ducrot. Das Gleiche gelte auch für Genf. In Raum Aarau/Olten und In Genf ist die Situation derzeit am schlimmsten. «Ich schäme mich», sagt Ducrot zum Lokführermangel.

Pünktlichkeit stieg

Ein angenehmer Effekt von Corona und damit weniger Passagiere: Die Kundenpünktlichkeit ist um 2 Prozentpunkte gestiegen im Vergleich zum vergangenen Jahr. Auch die Kunden haben mehr Freude an den Bundesbahnen. Die Zufriedenheit stieg um 1,1 Punkte. Das Ziel sei es, dieses Niveau zu halten.

Ducrot: «Uni soll Schub bringen»

In den ersten Wochen des 2020 haben die SBB gar mehr Passagiere transportiert als im Vorjahr. Doch dann kam Corona. Man geht auch davon aus, dass mit dem Start der Unis nächste Woche nochmal die Auslastung steigen wird. Ducrot sagt, dass man die Auslastung bis Ende Jahr wieder deutlich steigern kann.

SBB-Chef Ducrot spricht

«Die Pandemie hat uns sehr hart getroffen», sagt SBB-Chef Vincent Ducrot. Wie bei sehr vielen Firmen sei die Situation der SBB ernst. Man sei gut gestartet, dann aber kam Corona. Man habe das Angebot nur leicht reduziert, auch weil die SBB mit weniger Personal auskommen musste wegen Corona.

Mehr als ein Drittel weniger Passagiere

Im ersten Halbjahr 2020 nahmen im Durchschnitt nur rund 810000 Passagiere täglich den Zug. Gegenüber dem Vorjahr ist diese Zahl deutlich eingebrochen. Damals waren es noch 1,29 Millionen Passagiere am Tag.

Es geht los: SBB fahren Verlust von halber Milliarde ein

Die Pandemie hat gravierende Auswirkungen auf das finanzielle Ergebnis der SBB. So machten die Bundesbahnen im ersten Halbjahr einen Verlust von 479 Millionen Franken. Im vergangenen Jahr war es noch ein Plus von 279 Millionen Franken. Im zweiten Quartal konnten die SBB nur die Hälfte der Erträge im Vergleich zum Vorjahr einnehmen. Die Kosten blieben weitgehend gleich.

Die Ausgangslage

Der Einbruch war drastisch. Bis zu 80 Prozent weniger Fahrgäste hatten die SBB während der Hochphase des Lockdowns in der Schweiz. Dennoch fuhren die Bundesbahnen viele Verbindungen weiterhin. Dies weil der öffentliche Verkehr auch während der Krise aufrechterhalten werden musste, damit etwa Menschen in systemrelevanten Berufen zur Arbeit gehen zu können. Das heisst: Weniger Einnahmen und weiterhin hohe Kosten. Für die SBB ein finanzielles Problem. Wie problematisch die Situation ist, erklärt SBB-Chef Vincent Ducrot heute an einer Medienkonferenz.

SBB Cargo mit Problemen

Nicht nur SBB sondern auch das Güterverkehrsunternehmen SBB Cargo hat finanzielle Schwierigkeiten. Die Führung will deswegen dem Personal Ferien streichen. Auch hier soll an der heutigen Medienkonferenz Klarheit geschaffen werden, wie hoch die Ausfälle genau sind.

Hoffen auf die Politik

Entscheidend ist für die SBB, wie das Parlament bezüglich einer Unterstützung des öffentlichen Verkehrs entscheidet. Heute findet im Nationalrat die Debatte darüber statt, wie die Branche gestützt werden kann. Der Bundesrat sieht Massnahmen im Umfang von 700 Millionen Franken vor. Mit dem Geld soll zum Beispiel für die Deckung des Ertragsausfalls im Regionalen Personenverkehr eingesetzt werden. Beim Fernverkehr soll die SBB die Verluste selber decken.

Deutliche weniger GAs

Die Branchenorganisation Alliance Swisspass geht davon aus, dass bis Ende Jahr rund 6 Prozent weniger GAs im Umlauf sein werden. Alleine das bringt rund 100 MIllionen weniger ins öV-System. «Wir gehen davon aus, dass bis Ende Jahr 25 bis 30 Prozent an Einnahmen aus dem Ticketverkauf fehlen», sagte Alliance Swisspass-Sprecher Thomas Ammann im Juni zur «SonntagsZeitung».