Zum Hauptinhalt springen

Geldblog: Richtig investierenJedes Prozent Rendite erfordert mehr Risikobereitschaft

Wer sein Geld über zehn Jahr liegenlassen kann, sollte es gewinnbringend investieren – dafür muss man aber ein Anlagerisiko tragen.

 Gibt es schlicht nicht: Eine Rendite ohne Anlagerisiko.
Gibt es schlicht nicht: Eine Rendite ohne Anlagerisiko.
Illustration: Christina Baeriswyl

Ich bin kurz vor der Pensionierung in die Arbeitslosigkeit gerutscht und beziehe aus der Kaderversicherung 110000 Franken. Dieses Geld werde ich bis 2031 nicht benötigen, dann aber jährlich einen Betrag für den Vermögensverzehr. Soll ich es investieren? Ich kann es mir nicht leisten, das Geld zu verlieren, fände es aber sinnvoll, wenn es die nächsten 11 Jahre gut angelegt eine gewisse Rendite erzielen würde. Leserfrage von C.R.

Je mehr Rendite Sie auf Ihrem Kapital erzielen, desto mehr haben Sie später für den Vermögensverzehr zur Verfügung. Wenn Sie das Geld gar nicht anlegen und es einfach auf dem Konto liegen lassen, erwirtschaften Sie angesichts der rekordtiefen Zinsen null Rendite. Bei einer positiven Teuerung würden Sie darauf sogar einen leichten Wertverlust in Kauf nehmen müssen. Sie schreiben zu Recht, dass Sie es sich nicht leisten können, Geld zu verlieren. Gleichzeitig sollten Sie sich auch fragen, ob Sie es sich leisten können, gar keine Rendite zu erwirtschaften. Sie sollten zumindest die Teuerung schlagen. Besser hingegen wäre es, wenn Sie eine tatsächliche Rendite erreichen würden, wie die Zinseszinsrechnung zeigt.

Bei 1 Prozent Rendite jährlich hätten Sie nach elf Jahren den Betrag von 122’723 Franken, bei 2 Prozent Rendite 136’771 Franken, bei 3 Prozent 152’265 Franken und bei 5 Prozent 188’137 Franken. Sie könnten im positiven Fall somit länger von Ihrem so angehäuften Vermögen zehren. Damit Sie aber beispielweise jedes Jahr 5 Prozent Rendite erzielen, müssten Sie das Geld zu einem grossen Teil in Aktien investieren. Damit würden Sie ein hohes Anlagerisiko tragen und wären mit starken Kursschwankungen konfrontiert. Mit weniger schwankungsanfälligen Franken-Obligationen von sehr sicheren Schuldnern ist eine anständige Rendite von nur schon 2 bis 3 Prozent jährlich derzeit schlicht nicht möglich.

Wenn Sie eine Rendite wünschen, sind Sie zwingend einem Anlagerisiko ausgesetzt.

Zum Vergleich: Die Rendite der sehr sicheren Schweizer Bundesobligationen mit zehn Jahren Laufzeit notiert aktuell im Minus. Sie würden also Geld verlieren. Damit sind Sie mit einem schwierigen Dilemma konfrontiert: Wenn Sie keine Schwankungen und kein Anlagerisiko tragen möchten, erreichen Sie keine Rendite. Wenn Sie indes eine Rendite wünschen, sind Sie zwingend einem mehr oder weniger hohen Anlagerisiko ausgesetzt. Positiv in Ihrem Falle ist, dass Sie immerhin über einen recht langen Anlagehorizont von elf Jahren verfügen, was die zu erwartenden Kursschwankungen etwa bei Aktien etwas relativiert. Sie müssen sich überlegen, ob und in welchem Umfang Sie bereit sind, angesichts Ihrer Situation Anlagerisiken zu tragen.

Verlängerter Anlagehorizont durch gestaffelten Bezug

Ich persönlich würde einen Teil des Geldes als sichere Reserve stock-konservativ in Kassenobligationen anlegen – etwa in jene der Cembra Money Bank, die auf 8 Jahre immerhin noch 0,8 Prozent bringt. Dann schlagen Sie wenigstens die Teuerung, sind aber keinen Kursschwankungen ausgesetzt. Den Hauptanteil des Geldes würde indes gestaffelt und breit diversifiziert in mehrere Aktienfonds oder Strategiefonds mit hohem Aktienanteil anlegen. Bei diesen haben Sie höhere Renditechancen, tragen aber auch ein erhöhtes Anlagerisiko. Weil ein Teil des Geldes durch die konservativen Kassenobligationen gesichert ist, gehen Sie nicht ein volles Risiko ein. Bei den Fonds würde ich kostengünstige Indexfonds oder Exchange Traded Funds nutzen, damit möglichst viel von der Rendite bei Ihnen bleibt.

Wichtig ist ein gestaffelter Einstieg, damit Sie nicht Gefahr laufen, ausgerechnet zum schlechtestmöglichen Zeitpunkt gekauft zu haben. Später beim Vermögensverzehr nach elf Jahren würde ich ebenfalls einen gestaffelten Bezug vornehmen und nicht gleich alle Fonds verkaufen, sondern immer nur so viel, wie Sie für den jährlichen Verzehr brauchen. Dadurch verlängert sich Ihr Anlagehorizont nochmals deutlich. Sie profitieren länger von einer möglichen Rendite und können eher mit den auftretenden Kursschwankungen leben. Doch selbst bei einer solchen Strategie müssen Sie sich bewusst sein, dass Sie ein Anlagerisiko tragen. Ohne ein solches in Kauf zu nehmen, gibt es keine Rendite. Darum ist es wichtig, dass Sie sich sehr genau überlegen, wie viel Risiken Sie wirklich eingehen können und wollen.

5 Kommentare
    Werner Wenger

    Erkundigen Sie sich bei der WIR-Bank: Alterssparkonto. Keine Spesen, kleiner Zins, kein Aufwand, sicher.