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Kahlschlag bei StraumannJede elfte Stelle wird abgebaut

Die Corona-Krise schlägt voll durch auf den international tätigen Basler Medizinaltechnikkonzern.

Der Hauptsitz der Straumann-Gruppe am Bahnhof SBB in Basel. Das Coronavirus hat den Konzern viel Glanz gekostet.
Der Hauptsitz der Straumann-Gruppe am Bahnhof SBB in Basel. Das Coronavirus hat den Konzern viel Glanz gekostet.

Der Zahnimplantathersteller Straumann mit Hauptsitz in Basel plant wegen der Corona-Krise einen massiven Stellenabbau. Dieses Jahr sollen weltweit rund 660 Stellen gestrichen werden. Am Hauptsitz in Basel sind etwa 60 Stellen betroffen. Die Aktien reagierten nach Bekanntgabe der Nachricht mit massiven Kursabgaben, wobei diese nicht ganz unerwartet kam.

Konkret verkleinert das Unternehmen die Belegschaft um rund neun Prozent oder jede elfte Stelle. Aktuell beschäftigt Straumann weltweit 7680 Mitarbeiter. 595 sind in Basel beschäftigt. Der geplante Abbau erstrecke sich auf alle Länder und Funktionen. Der Markt für zahnmedizinische Wahleingriffe sei durch die Pandemie stillgelegt, sagte CEO Guillaume Daniellot an einer Telefonkonferenz. Er gehe davon aus, dass eine rasche Erholung wegen der sich abzeichnenden Wirtschaftsentwicklung ausbleibe.

Reaktionen aus wieder geöffneten Märkten deuteten nämlich darauf hin, dass ein grosser Anteil nicht dringender Zahnbehandlungen aufgeschoben werde. Aufgrund dessen rechne er eher mit einer U-förmigen als einer V-förmigen Erholung der Märkte, sagte der Firmenchef weiter.

Einsparungen im zweistelligen Millionenbereich

Aus diesem Grund reichten die bisherigen Sparmassnahmen nicht mehr aus. Zudem sei Straumann auf anhaltend hohes Wachstum ausgerichtet gewesen und habe den Personalbestand in den letzten drei Jahren verdoppelt. Es gelte, die Organisation auf diese neue Realität auszurichten, so Daniellot weiter.

Wie schon bekannt war, verringerte das Unternehmen wegen der Krise die kurzfristigen Kosten sowie die Arbeitspensen und Löhne. Zudem seien freiwillige Kürzungen der Topmanagementsaläre vorgenommen und Investitionsvorhaben heruntergefahren worden.

Mit all diesen Massnahmen erwartet Straumann für 2020 Einsparungen im hohen zweistelligen Millionenbereich – einschliesslich der Kosten für Personalabbau und Restrukturierung in Höhe von etwa 15 Millionen Franken. 2021 würden durch den Stellenabbau Einsparungen von etwa 30 Millionen erwartet.

Ganz unerwartet kommt der angekündigte Stellenabbau nicht. Bereits vor zwei Wochen, anlässlich der Präsentation der Erstquartalszahlen, sagte Daniellot, man halte sich alle Optionen offen – darunter auch einen Stellenabbau –, um die Kosten gegebenenfalls weiter zu senken.

Naheliegender Schritt

Für Analysten stellt der angekündigte Stellenabbau denn auch einen naheliegenden Schritt dar. Die Gesellschaft sichere sich damit ihre finanzielle Gesundheit, hiess es in einem Kommentar. Gewürdigt wird auch, dass Straumann rasch auf die veränderten Bedingungen reagiert hat.

Aufgeschreckt haben dürfte die Marktteilnehmer vor allem die Tatsache, dass die Gesellschaft, die in den letzten Jahren die hohen Markterwartungen jeweils zu übertrumpfen pflegte, nun von einem schwierigeren Szenario auszugehen scheint als noch vor zwei Wochen. Das sei man von einer Gesellschaft, bei der es scheinbar nur aufwärtsging, nicht gewohnt, heisst es am Markt.

Allerdings ist das Straumann-Management auch für seine notorisch konservativen Prognosen bekannt. Der Implantathersteller hatte 2019 den Umsatz erneut markant um rund 17 Prozent auf 1,6 Milliarden Franken gesteigert und in der Schweiz 122 neue Arbeitsplätze geschaffen. Für das laufende Jahr erwarteten die Basler vor der Corona-Krise erneut ein zweistelliges organisches Wachstum. Erst vor wenigen Wochen wurden 91 Millionen Franken Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet. (SDA/kt)

1 Kommentar
    markusberger1957

    Wie immer, Die Mitarbeiter "kommen zuerst dran" während grosszügig Dividenden ausgeschüttet werden.