Wegen Japankäfer-KolonieDeutschland und Frankreich blicken besorgt nach Basel
Ausfuhrbeschränkungen, Käferfallen alle 200 Meter: In Baden-Württemberg und im Elsass will man den auf Schweizer Seite entdeckten Schädling fernhalten.

Die jüngste Entdeckung des gefrässigen Japankäfers (Popillia japonica) in der Region Basel hat auch den deutschen und den französischen Nachbarstaat in Alarmbereitschaft versetzt.
«Durch die neuen Käferfunde in der Grenzstadt hat sich die Bedrohungslage für Baden-Württemberg und für Deutschland verschärft», sagt Bernhard Schäfer, ein leitender Mitarbeiter am Julius-Kühn-Institut (JKI) in Braunschweig, dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen.
Angst vor «blindem Passagier»
Der Käfer könne leicht und unbeabsichtigt überall nach Deutschland eingeschleppt werden. So etwa als «blinder Passagier» an Fahrzeugen oder mit Pflanzen und Pflanzenteilen wie einem Blumenstrauss, wird der Forscher von der Agentur DPA zitiert.
«Bislang waren auf Schweizer Gebiet im Dreiländereck lediglich einzelne Käfer aufgetaucht», weiss man beim JKI. Nun aber sei der invasive Schädling an zwei weiteren Stellen gefunden worden, wobei es sich in einem Fall um eine grössere Kolonie handle.
Rund einen Kilometer um die Fundorte wurde eine sogenannte Befallszone gekennzeichnet. Im Umkreis von weiteren fünf Kilometern gibt es eine Pufferzone. Damit fallen auch Teile der deutschen Gemeinden Grenzach-Wyhlen und Weil am Rhein im Landkreis Lörrach in das Beobachtungsgebiet.

Die deutschen Behörden haben ähnliche Massnahmen erlassen wie die beiden Basel. Aus der Pufferzone darf beispielsweise Grüngut nur dann herausgebracht werden, wenn sichergestellt ist, dass damit keine Käfer transportiert werden, hat das in Baden-Württemberg zuständige Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) mitgeteilt.
Und: Um eine Ansiedlung in Deutschland zu verhindern, sollen Menschen verdächtige Käferfunde dem Pflanzenschutzdienst im jeweiligen Bundesland melden. Das LTZ bittet die Bevölkerung, verdächtige Tiere zu fangen, einzufrieren und zu fotografieren. Das Foto soll mit Angabe des Fundorts per E-Mail an Pflanzengesundheit-kaefer@ltz.bwl.de geschickt werden. Fachleute bewerten es dann.

Die Präfektur der französischen Region Grand Est verweist in einem Communiqué auf die geografische Nähe: Manche Japankäfer seien auf Schweizer Seite, nur 3,5 Kilometer von der französischen Grenze entfernt, in die Falle gegangen.
Die Präfektur will laufende Überwachungsmassnahmen deshalb nochmals verstärken. Konkret werden entlang der Grenze, insbesondere in der Gemeinde Saint-Louis, jeweils im Abstand von 1 Kilometer Käferfallen aufgestellt. In besonders gefährdeten Bereichen ist das Netz noch engmaschiger; dort ist eine Falle alle 200 Meter geplant.
Der Transport von Erde, Pflanzen oder Pflanzenabfällen aus dem betroffenen Gebiet sei verboten, betonen die französischen Behörden.
Auch sie bitten die Bevölkerung, verdächtige Funde zu melden. Wer glaubt, im Elsass einen Japankäfer gesehen zu haben, soll Fotos und nähere Angaben per Mail an sral.draaf-grandest@agriculture.gouv.fr schicken. Betreff: «Signalement Popillia». Der rund ein Zentimeter grosse Käfer sei leicht an den weissen Borstenbüscheln auf der Hinterleibseite zu erkennen. (Lesen Sie dazu: «Das bedeuten die rigorosen Massnahmen für Sie – und den FCB».)
Der aus Asien stammende Popillia japonica fällt über Obstplantagen, Weinberge, Wälder, Grünanlagen und Gärten her und frisst bei mehr als 300 Pflanzenarten alles kahl. Natürliche Feinde hat er hierzulande keine.
Mit Material der DPA.
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