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Comedian rebelliert auf TwitterJan Böhmermann wehrt sich gegen Zeitung

Der deutsche Komiker hat der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» ein Interview gegeben. Es wurde aber nicht veröffentlicht. Also tat es Böhmermann kurzerhand selbst – auf Twitter.

Jan Böhmermann ist irritiert darüber, dass sein Interview nicht in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» erschienen ist.
Jan Böhmermann ist irritiert darüber, dass sein Interview nicht in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» erschienen ist.
Foto: Christophe Gateau (DPA, Keystone) 

«So was habe ich wirklich noch nie erlebt», twitterte der deutsche Komiker Jan Böhmermann gestern. Dazu postete er einen offenen Brief an Jürgen Kaube, den Herausgeber der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».

Kaube soll es gewesen sein, der ein Interview mit dem Komiker wenige Stunden vor dem Druck aus der Sonntagsausgabe der FAZ entfernt haben wollte. Darüber sei Böhmermann von seinem Verlag «Kiepenheuer & Witsch» informiert worden – der Komiker ist derzeit auf Promotour für sein neues Buch (lesen Sie hier unser Interview mit ihm darüber). Das Interview erschien am letzten Sonntag nicht als Aufmacher im Feuilleton der FAZ. Darüber äussert Böhmermann seinen Ärger nun auf Twitter.

Es sei ein «grosses und recht spannendes Interview» gewesen, für das er sich viel Zeit genommen und sich extra dafür fotografieren lassen habe. Er habe unter anderem über Cancel Culture und die «kritische Betrachtung des Versagens demokratischer Gatekeeper im Erkennen und Verhindern rechtsextremer Diskursmanipulation» gesprochen. Herausgeber Kaube aber meinte, laut Böhmermanns Brief, dass das Interview «unter keinen Umständen veröffentlicht werden solle».

So publizierte der 39-Jährige das Gespräch kurzerhand selbst auf seinem Twitter-Kanal. Er teilte es in Form eines Threads bestehend aus 73 einzelnen Tweets mit seinen über 2 Millionen Followern. «Die Welt» schrieb zu den Tweets, dass sich aus ihnen keine Rückschlüsse ableiten liessen, warum das Interview gestrichen worden sei. Der «Stern» hakte bei der Zeitung nach. Die FAZ kommentiere redaktionelle Entscheidungen nicht, antwortete eine Verlagssprecherin. Auch Herausgeber Kaube soll Böhmermanns Bitte nach einer Stellungnahme (noch) nicht nachgekommen sein.

Einige Twitter-User hoffen, dass Böhmermann wenigstens die Fotos erhalte, auf denen er Grimassen auf einer Topfpflanze reisst. Eine andere Userin kommentierte, dass sich der Komiker in der Vergangenheit überheblich zum Begriff Cancel Culture geäussert habe – jetzt aber rebelliere er, da er es diesmal selbst sei, der gecancelt werde.

ahl