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Kurz vor der GV in BaselJames Murdoch verlässt die umstrittene News Corporation

Der 47-Jährige will offenbar nicht länger für seinen Vater Rupert Murdoch im rechtslastigen Medienunternehmen News Corp arbeiten. Die Nachricht dürfte in Basel mit grossem Interesse zur Kenntnis genommen werden.

James Murdoch kritisierte das Medienunternehmen seines Vaters bereits Anfang Jahr.
James Murdoch kritisierte das Medienunternehmen seines Vaters bereits Anfang Jahr.
Foto: Neil Hall/Reuters

James Murdoch, ein Sohn von Medienmogul Rupert Murdoch, hat mit sofortiger Wirkung seinen Sitz im Vorstand des väterlichen Medienkonzerns News Corporation (News Corp) niedergelegt. Als Grund nannte er am Freitag (Ortszeit) in einem Schreiben an die US-Börsenaufsicht Meinungsverschiedenheiten über bestimmte redaktionelle Inhalte sowie über andere, strategische Entscheidungen.

Das ist auch in Basel eine Nachricht, die mit Interesse zur Kenntnis genommen werden dürfte. James Murdoch möchte mit seiner Investmentfirma «Lupa Systems» der Ankeraktionär des Basler Messeunternehmens MCH Group werden. Am Montag findet die ausserordentliche GV der Messe statt, an der die Übernahme vonstatten gehen soll – eine Übernahme, die im Vorfeld für grosse Diskussionen gesorgt hat. Ein finanzielles Geschenk an Murdoch soll der Deal sein, wurde kritisiert, darüber hinaus gab es auch beim Vorgehen Unstimmigkeiten.

Politisch wurde James Murdoch ebenfalls mit Argwohn beäugt. Linke Politiker wie SP-Präsident Pascal Pfister sagten dieser Zeitung nach Bekanntwerden: «Die SP sieht das Medienimperium des Seniors extrem kritisch. Dem Vernehmen nach ist das auch in Art-Basel-nahen Kreisen so. Sein Sohn James scheint sich aber von der Familie distanziert zu haben. Offenbar ist er vom Vater auch finanziell unabhängig.»

Diese Sorgen dürften nun, da die Abnabelung des Vaters quasi vollzogen ist, ein bisschen abnehmen. Der Rückzug aus dem Familienimperium bestätigt auch die Aussage von MCH-Verwaltungsratspräsident Ueli Vischer, der auf die Frage, ob nun eine Messe im Fox-News-Stil drohe, lapidar geantwortet hatte: «Blödsinn.»

Sohn hat Vater schon früher kritisiert

Details zu den Meinungsverschiedenheiten zwischen James und seinem Vater Rupert Murdoch nannte Ersterer in seinem Brief an die Börsenaufsicht nicht. Im Januar hatte er Medienberichten zufolge den Konzern dafür kritisiert, im Zusammenhang mit den Buschbränden in Australien in einigen der hauseigenen Medien den Klimawandel zu leugnen.

News Corp ist ein in den USA börsennotiertes Unternehmen. Zu dem Imperium, das der 89-jährige Milliardär Rupert Murdoch gegründet hatte, gehören zahlreiche Medien in aller Welt. In den USA zählen nach der Übernahme des Verlags Dow Jones unter anderem die Finanzzeitung «The Wall New Street Journal» und die «New York Post» dazu. Auch Fox Corp mit dem Nachrichtensender Fox News ist Teil des Konzerns.

In Grossbritannien gehören zum Murdoch-Imperium unter anderem die Zeitungen «The Sunday Times», «The Sun» und «The Times» dazu, in Australien «Daily Telegraph», «Herald Sun».

(sb/SDA)