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Clubs als Corona-HotspotsIst ein Superspreader-Event auch in den Basler Clubs möglich?

Die Clubs sehen zwar Registrierungsmöglichkeiten vor, eine hundertprozentige Rückverfolgung ist jedoch nicht garantiert.

Clubgäste sollten sich mit dem Handy und der ID für den Einlass in die Lokale registrieren. Doch das Registrierungssystem hat auch Lücken.
Clubgäste sollten sich mit dem Handy und der ID für den Einlass in die Lokale registrieren. Doch das Registrierungssystem hat auch Lücken.
Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Nach den Superspreader-Events in Zürich und in Genf von letzter Woche stehen die Clubs in der Schweiz unter Generalverdacht. Wird von diesen Lokalen aus die gefürchtete zweite Corona-Welle durchs Land ziehen? Die Handhabung des Falles in Zürich hat jedenfalls aufgezeigt, dass die vom Club getroffenen Massnahmen ungenügend waren. Dadurch, dass sich mehrere Partygäste unter einem falschen Namen oder einer falschen E-Mail-Adresse beim Club Flamingo registrierten, konnten nicht alle potenziell Angesteckten identifiziert und informiert werden. Wir haben einige Basler Clubs gefragt: Kann ein Superspreader-Event auch hier eintreffen?

«Ausschliessen kann man das nicht», sagt Matthias Seitz, Mitinhaber vom Balz-Klub in der Steinenvorstadt. Bei den Clubgästen handle es sich vor allem um jüngere Frauen und Männer, mit einem Durchschnittsalter von 25 Jahren. Sie zählen darauf, dass, selbst wenn sie sich mit dem Virus anstecken sollten, die Krankheit keinen schweren Verlauf nehmen würde. So seien sie weniger darauf sensibilisiert, auf die Abstands- und Hygienemassnahmen zu achten, als zum Beispiel 60- oder 70-jährige Restaurantgäste.

«Jeder handelt aufgrund seiner persönlichen Gefährdungslage», sagt Seitz. Deshalb versuche man die Partygäste zusätzlich im Club zu sensibilisieren und auf die Verhaltensregeln hinzuweisen. «Wir stellen im Club genügend Möglichkeiten zur Verfügung, um sich die Hände zu desinfizieren. Zudem ist unser Personal extra geschult worden, die Hygienemassnahmen an der Theke und im Umgang mit den Gästen konsequent umzusetzen.»

Registrierung per App

Eine der wichtigsten Massnahmen, zu denen sich die Clubs in der Schweiz verpflichtet haben, ist das Contact-Tracing – besonders auch deswegen, weil in Clubs die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können, was die Rückverfolgung umso wichtiger macht. In Basel benutzen der Balz-Klub und der Viertel-Klub die App «Clubsafely», um ihre Gäste zu registrieren.

Alexander Papezik, einer der Entwickler der App, erklärt, wie diese funktioniert: «Jeder Gast muss vor Eintritt des Clubs einen QR-Code scannen. Die führt sie weiter zur Registrierung, wo Vorname, Name, E-Mail und Handynummer anzugeben sind.» Der Gast muss bestätigen, dass er das Schutzkonzept des Clubs akzeptiert. Ist dies erfolgt, geschieht zweierlei: Es öffnet sich eine sogenannte «Landing Page», welche die Registrierung bestätigt, und man bekommt eine Bestätigungsmail. Die muss vor Einlass in den Club vorgezeigt werden, zusammen mit der Identitätskarte. Die Daten der Partygänger werden, wie vom Bund verordnet, 14 Tage lang aufbewahrt.

Dieses System sollte die Rückverfolgung eigentlich garantieren. «Zu 100 Prozent können wir das aber nicht gewährleisten», sagt Papezik. Denn sollte jemand eine falsche E-Mail-Adresse angeben, bekäme er oder sie zwar keine Bestätigungsmail, könne dem Club aber die «Landing Page»zeigen, um Einlass zu erhalten. Dieses System sei bewusst so entwickelt worden, sagt Papezik, um bei technischen Fehlern eine zweite Option zu haben. So kann es schon mal passieren, dass sich ein Gast unter Angabe falscher Daten in einen Event einschleicht.

Auf Eigenverantwortung setzen

Sowohl Matthias Seitz als auch Valentin Aschwanden versichern, dass in ihren Clubs, dem Balz und dem Viertel, die Ausweise konsequent kontrolliert werden – mindestens Vorname und Name der Gäste sollten also stimmen. Doch aus eigener Erfahrung wie auch gemäss Berichten von weiteren Partygängern weiss die BaZ: Umgesetzt wurde dies am vergangenen Wochenende nicht immer.

In der Bar Rouge verzichtet Joël Gysin derweil komplett auf die ID-Kontrolle. Er setzt auf die Eigenverantwortung seiner Gäste: «Jeder muss sich selbst der Gefahr bewusst sein, der man sich aussetzt. Damit gilt es umzugehen, es gehört nun zum Leben.»