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Verschwörungstheorien um DjokovicIst die Disqualifikation eine Rache? Und ist Trump schuld?

Nachdem Novak Djokovic vom US Open ausgeschlossen worden ist, sind die Medien in Serbien ausser sich. Sie zitieren den Sportminister und warten mit abstrusen Theorien auf.

Djokovic trifft mit einem Ball unabsichtlich eine Linienrichterin.
Video: Twitter

Nach seiner Disqualifikation am US Open verhielt sich Novak Djokovic zunächst ruhig, schwänzte gar die obligatorische Pressekonferenz nach dem Spiel. Erst in der Nacht zeigte er sich in den sozialen Netzwerken dann doch noch zerknirscht und entschuldigte sich für den Vorfall. «Diese ganze Situation lässt mich wirklich traurig und leer zurück», hiess es in einem in der Nacht auf Montag veröffentlichten Instagram-Eintrag des 33-jährigen Serben. Er wolle sein Fehlverhalten auf dem Platz und die darauf folgende Disqualifikation als «Lektion» nehmen.

In der Nacht auf Dienstag meldete sich die Weltnummer 1 dann nochmals. So nahm er auf Instagram die Linienrichterin in Schutz. Er schrieb: «Sie hat überhaupt nichts falsch gemacht. Ich bitte euch, sie während dieser Zeit besonders unterstützend und fürsorglich zu behandeln.» Sein Statement war bitter nötig.

So beleidigten Djokovic-Fans die Linienrichterin Laura Clark übel. Schauspielerei warfen ihr einige Fans vor, andere wünschten ihr, dass sie «in der Hölle verrottet». Selbst unter ein Foto, das sie im Gedenken an ihren toten Sohn postete, schrieben Nutzer: «Mach dir keine Sorgen, du wirst bald mit ihm vereint sein.» Mittlerweile musste Clark ihren Instagram-Account löschen.

Am Sonntag traf die Weltnummer 1 mit einem Ball eine Linienrichterin. Novak Djokovic wurde daraufhin disqualifiziert.
Am Sonntag traf die Weltnummer 1 mit einem Ball eine Linienrichterin. Novak Djokovic wurde daraufhin disqualifiziert.
Foto: Keystone

Wut und Verschwörungstheorien

Und die serbischen Medien? Die reagierten am Montag, also kurz nach dem Eklat, mit unverhohlener Empörung auf die Disqualifikation. «Eine schreckliche Ungerechtigkeit», klagte das Boulevardblatt «Informer» etwa. «Sportski zurnal» fügte hinzu, Djokovic sei «wegen eines Zufallstreffers» viel zu hart bestraft worden. «Roger Federer wäre nicht disqualifiziert worden. Dies ist der Beweis, dass Djokovic nicht gleichbehandelt wird», meinte der«Kurir» gar. Und nannte als Beispiel das Jahr 2006, als der Schweizer in Melbourne einen Balljungen traf. «Alle haben gelacht», so der «Kurir».

Sie waren also wütend, die serbischen Medien. Ausser sich waren sie. Und wer jetzt denkt, dass sich die Journalisten mittlerweile beruhigt haben, der irrt. Auch am Dienstag toben die Medien weiter, teils warten sie gar mit abstrusen Theorien auf.

«Republika» glaubt beispielsweise, den wahren Grund für die Disqualifikation des 33-Jährigen zu kennen. So sei er ausgeschlossen worden, weil ihn US-Präsident Donald Trump gelobt habe. Dieser habe nämlich zum serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic gesagt (bei dessen Besuch im Weissen Haus): «Novak Djokovic ist grossartig, sehr grossartig.» Und da dann die Linienrichterin ein «Black Lives Matter»-Abzeichen trug, sei es politisches Kalkül gewesen, dass die Trump-feindlichen US-Open-Veranstalter sowie -
Schiedsrichter Djokovic disqualifiziert hätten.

Die Disqualifikation, eine Rache?

«Republika» geht noch weiter. So nennt das Medium einen weiteren vermeintlichen Beweis, weshalb politische Spannungen, respektive die politische Meinung der Weltnummer 1, Gründe für den Ausschluss sind. «Novak kritisierte die ATP-Führungspersonen, die nach dem gewaltsamen Tod eines Afroamerikaners beschlossen, das Cincinnati Masters zu unterbrechen», schreibt «Republika». Die Disqualifikation sei jetzt die Rache dafür. Dass die ATP überhaupt nicht der Turnier-Veranstalter ist? Scheint der Zeitung egal zu sein.

So weit gehen andere Medien aus Serbien nicht. «Zurnal» zitiert den serbischen Jugend- und Sportminister Vanja Udovicic, der auf Twitter Djokovic in Schutz nahm. Udovicic schrieb auf Twitter an Djokovic gerichtet: «Unfälle und Ungerechtigkeiten sind ein wesentlicher Bestandteil des Spitzensports. Ich bin sicher, dass Sie noch stärker daraus hervorgehen werden – weil Sie ein Champion sind. Ich bin bei dir.» Und «Blic» wundert sich derweil, dass sich der Serbe an seine Fans wandte und sie aufforderte, die Linienrichterin nicht zu beleidigen. «Das haben wir nicht erwartet», schreibt das Medium.