Isaac Reber forciert eine Expressroute fürs Velo

Der neue Baselbieter Baudirektor will den gewonnenen finanziellen Spielraum vor allem für die dicht besiedelten Gebiete nutzen. Das zeigt auch die Auswahl möglicher Pilotstrecken für Veloschnellrouten.

Bei der Baudirektion in seinem Element: Isaac Reber. Foto: Florian Bärtschiger

Bei der Baudirektion in seinem Element: Isaac Reber. Foto: Florian Bärtschiger

Jan Amsler

Isaac Reber ist angekommen, wo er hingehört. Nach acht Jahren in der Sicherheitsdirektion hat er vor drei Monaten das Amt des Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektors übernommen. Für den Raumplaner, der schon in den 90er-Jahren in dieser Direktion (BUD) gearbeitet hat, ist es «schon ein bisschen ein Heimkommen», wie er gesteht. «Ich plane gerne, gleichzeitig liegt mir der Umweltschutz am Herzen», sagt Reber am Mittwoch im FHNW-Campus in Muttenz.

Reber präsentiert sich selbstbewusst und hat klare Vorstellungen, wo es mit dem Kanton hingehen soll. Nachdem die Baudirektion jahrelang zu stagnieren schien – auch wegen der vielen verlorenen Abstimmungen – steht Reber nun unter besonderem Erwartungsdruck.

Er lässt sich aber nicht beirren und sagt in gewohnt lockerer Manier zur BaZ: «Ich bin mir das gewohnt. Ich war in Sissach der erste Gemeinderat der Stechpalme-Gruppierung und später der erste grüne Regierungsrat des Kantons. Die Menschen wissen, dass ich die Arbeiten pragmatisch und mit Augenmass angehe, das kommt mir entgegen.»

Keine Würfe in Randregionen

Laut dem Investitionsprogramm stehen dem Kanton in den kommenden zehn Jahren 700 Millionen Franken für neue Infrastrukturprojekte zur Verfügung. Weitere rund 1300 Millionen sollen für den Erhalt des Bestehenden verwendet werden.

Ausbauen will Reber dort, wo Entwicklung und Ausbau «erwünscht» sind: Den Fokus legt er klar auf bereits gut erschlossene Areale. Im Oberbaselbiet und dem Laufental hat Reber keine grossen Würfe geplant. Hier gehe es darum, «die Qualität zu bewahren und die bestehende Infrastruktur zu pflegen», sagt der 58-Jährige, der selber in Sissach wohnt.

Autobahn fürs Velo – Teststrecke «as soon as possible»

Die Musik spielt vielmehr im Gebiet zwischen Liestal, Pratteln und Aesch. Bezüglich der Mobilität fällt vor allem Rebers Engagement für Veloschnellrouten auf: Dank dem Elektro-Antrieb sei das Fahrrad nun auch für mittlere Fahrstrecken massentauglich geworden. «Klar fährt niemand mit dem Velo von Känerkinden nach Basel», doch das Rad sei inzwischen mehr als nur ein Transportmittel, das man am Bahnhof abstelle.

Um diesem Verkehrsträger gerecht zu werden, sind Rebers Direktion und das Bundesamt für Strassen (Astra) daran, eine Pilotstrecke für eine Expressroute zu evaluieren und realisieren. Die BUD hat dem Astra zwei mögliche Gebiete vorgeschlagen: Zum einen geht es um die Strecke zwischen Augst und Birsfelden, zum anderen um den Raum Reinach/Arlesheim bis St.-Jakob.

Wann die Pilotstrecke in Betrieb genommen werden könnte, lässt Reber offen. Auf Nachfrage sagt er bloss: «As soon as possible», also so schnell wie möglich. Ob er das noch in seiner ersten Amtsperiode als Baudirektor schaffen werde? «Das wäre ein sehr sportlicher Terminplan», findet er.

Auf der Strasse und dem Gleis präsentiert Isaac Reber keine Überraschungen. Er betont lediglich die Notwendigkeit bereits bekannter oder beschlossener Projekte und nennt etwa den Rheintunnel, den Autobahnanschluss Bachgraben Allschwil und die neue Talstrasse Münchenstein-Arlesheim; auf der Schiene den 15-Minuten-Takt bis Aesch und Liestal, den Doppelspurausbau im Laufental und die neue Waldenburgerbahn. Ausserdem sollen die Tramlinien 8 bei Allschwil und 14 bei Pratteln verlängert und der Engpass beim Spiesshöfli in Binningen beseitigt werden.

Unten arbeiten, oben wohnen

Was den Hochbau angeht, will Reber vor allem die Entwicklung in den früher reinen Industriezonen fördern. Er strebt an, im Bachgraben den Bereich Life Sciences, im Dreispitz die Hochschulen und in Muttenz die Berufsbildung weiter zu etablieren. An diesen Orten sowie im Entwicklungsgebiet Salina Raurica und in den Bahnhofarealen Pratteln und Liestal will er die ursprünglich strikte Trennung von Arbeit und Wohnen aufbrechen und Mischnutzungen ermöglichen. «Die Arbeiten lärmen nicht mehr und sind nicht mehr gefährlich, darum hat die Trennung keinen Sinn mehr.» Das Motto: «Unten arbeiten, oben wohnen.» Wie beim Transitlager im Dreispitz: «Hier haben wir nun 100 Wohnungen obendrauf und dabei null Quadratmeter gebraucht.»

Trotz Verdichtung soll der Ausgleich nicht zu kurz kommen. So ist beim Beispiel Transitlager eine Passerelle zu den Merian-Gärten geplant. Überhaupt sei es wichtig, Arbeit, Wohnen und Freizeit zusammenzubringen. Dadurch würden die ohnehin schon am Anschlag laufenden Verkehrsnetze wenigstens nicht noch stärker belastet.

Sozusagen in eigener Sache plant Reber ausserdem ein kantonales Verwaltungszentrum im Bereich der Rheinstrasse in Liestal. In den kommenden Monaten will er das Projekt dem Gesamtregierungsrat unterbreiten, bevor es dann dem Landrat vorgestellt werden könnte. Kostenpunkt: 60 Millionen Franken.

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