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NachrufIn geheimer Mission

Ex-FBI-Agent Robert Levinson stirbt nach 13 Jahren in iranischer Gefangenschaft.

Mit diesem Plakat bat das FBI 2012 um Unterstützung bei der Suche nach Robert Levinson.
Mit diesem Plakat bat das FBI 2012 um Unterstützung bei der Suche nach Robert Levinson.
Foto: Keystone

Am 27. November 2013 erschien in der «New York Times» ein Beitrag von Sulome Anderson über ihren Vater Terry. Terry Anderson, Journalist für Associated Press in Beirut, war von schiitischen Milizen im Jahre 1985 entführt und erst im Dezember 1991, fast sieben Jahre später, wieder freigelassen worden. Sulome Anderson erinnerte in ihrem Artikel daran, dass ihr Vater bisher der am längsten, nämlich 2454 Tage, in Geiselhaft gehaltene Amerikaner war; nun gehe dieser «Rekord» auf Robert Levinson über. Ihr ganzes Mitgefühl gelte deshalb der Familie Levinson.

Der ehemalige FBI-Agent Robert Levinson, auf den Sulome Anderson hinwies, war im Jahre 2007 auf die iranische Insel Kish im Persischen Golf gereist, ein zollfreies Ferienparadies, das als Zentrum auch des Drogenschmuggels und Waffenhandels gilt. Der 58-Jährige checkte in ein Hotel in Strandnähe ein; am Tag darauf, dem 9. März 2007, verlor sich seine Spur. Recherchen von Associated Press aus dem Jahre 2013 ergaben, dass Levinson womöglich von ausser Kontrolle geratenen CIA-Agenten dazu angestiftet worden war, Geheimdienstinformationen über das Regime in Teheran zu besorgen; was das Regime in Teheran umgehend herausfand und Levinson entführen liess. Ein Szenario, wie man es aus der TV-Serie «Homeland» zu kennen meint, in der sich Desperados für waghalsige Auslandseinsätze im Nahen Osten einspannen lassen.

Levinson kehrte nie zurück. Das Regime in Teheran behauptete über all die Jahre, nichts mit seinem Verschwinden zu tun zu haben. Auch das Weisse Haus in Washington wiegelte ab und sprach von einer «privaten Geschäftsreise» Levinsons. Irgendwann tauchten von irgendwoher Bilder auf, auf denen Levinson als Gefangener zu sehen ist, kostümiert wie ein Häftling in Guantánamo.

Nun hat die Familie mitgeteilt, ihr sei von offizieller Seite der Tod Levinsons signalisiert worden, ohne nähere Angaben. Man wisse nur: Sein Ableben liege vor dem Ausbruch des Coronavirus im Iran. Die Familie empfindet «unermesslichen Schmerz».