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Time-out«Ich studiere nebenbei an einer Fachhochschule»

EM? Diamond League? Alles unklar. Sprinterin Mujinga Kambundji trainiert ohne Ziel und versucht, die wettkampflose Zeit anderweitig zu nutzen. Sie erzählt.

«Es könnte schlimmer sein mit der Motivation im Training»: Mujinga Kambundji (27).
Foto: Keystone

«Ich kann recht gut mit der Ungewissheit umgehen, die momentan herrscht. Im Training sowieso, da bin ich bei der Sache und studiere nicht an anderem herum. Wir, meine Trainer Adi Rothenbühler, Steve Fudge und ich, haben vor zwei Wochen beschlossen, dass ich so trainiere, dass ich Anfang Juli bereit wäre für den ersten Wettkampf. Es ist unheimlich schwierig, zu planen, ohne zu wissen, ob und wann es losgeht. Wir haben die Annahme getroffen, dass es im Juli ist. Aber es kommt natürlich sehr darauf an, wie der Kalender dann tatsächlich aussieht. Ist die Leichtathletik-EM Ende August? Welche Schweizer Meetings finden vorher statt? Gibt es nur eine kleine Serie der Diamond League? Dauert die Saison bis Oktober? Irgendwann werden wir uns genauer auf etwas einstellen können.

Wir haben vor zwei Wochen beschlossen, dass ich so trainiere, dass ich Anfang Juli für den ersten Wettkampf bereit wäre.

Mujinga Kambundji, WM-Dritte

In den vergangenen Wochen habe ich neben dem Training einiges gemacht, was ich immer wieder vor mir hergeschoben habe, Zeugs, das liegen geblieben ist. Ich habe recht lange ausgemistet bei mir zu Hause, und ich habe mich an einer Fachhochschule für ein paar Fächer eingeschrieben, IT-Grundlagen, Management-Accounting und einen Kurs im Marketing- und Kommunikationsbereich. Seit Anfang April verfolge ich diesen Onlineunterricht, das Semester dauert bis Oktober. Es ist mir wichtig, dass ich diese spezielle Zeit irgendwie nutzen kann.

Auch wenn das Ziel ungewiss ist, könnte es mit der Motivation im Training schlimmer sein. Es bringt nichts, jetzt alles zu hinterfragen und zu zweifeln. Ich wohne nur drei Minuten von der Sportanlage Liebefeld entfernt, ich gehe zu Fuss dorthin, trainiere allein oder manchmal auch mit meiner Schwester. Ganz allein bin ich fast nie, es hat immer auch ein paar Freizeitsportler. So, denke ich, kann man es derzeit verantworten.

Im März habe ich, so lange es ging, noch alle Angebote genutzt: Massage, Physio, Pilates teilweise bin ich dafür sogar nach Zürich gefahren, dann war überall alles geschlossen. Seither ist es auch mit dem Krafttraining nicht mehr so einfach. Ich habe in einer ersten Trainingsphase nur an der Kraft gearbeitet, jetzt geht es ums Läuferische, ums Stehvermögen, Anfang Mai dann kommen die schnelleren Einheiten. Und zum Glück darf ich einen privaten Kraftraum benutzen.

Ich hoffe sehr, dass es noch in irgendeiner Form eine Saison geben kann, ein paar Rennen und nicht nur Trainingswettkämpfe. Es wäre schade für den Aufbau.»