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Christian Gross bei Schalke entlassen«Ich habe von keinem gehört: ‹Trainer, können wir reden?›»

Abgang nach kurzem Intermezzo: Christian Gross ist bereits wieder Ex-Trainer von Schalke 04.

Christian Gross, wie geht es Ihnen an diesem Sonntagnachmittag?

Nicht gut. Nicht gut. Ich bin enttäuscht.

Worüber genau? Die Freistellung? Die Art, wie es dazu kam?

Ich bin enttäuscht, weil wir noch die Chance hätten, das Steuer herumzureissen. (Schalke liegt elf Runden vor Schluss neun Punkte hinter einem Nichtabstiegsplatz.)

Wie wurde Ihnen die Trennung erklärt?

Nicht im Detail. Was mir fehlt, sind die Siege. Das ist nun einmal so. Ich weiss ja: Ohne Erfolg überlebt ein Trainer nicht lange. Dabei ist die Entwicklung der Mannschaft da. Wir hatten gute Phasen in unseren Spielen, aber wir bestraften uns mit Eigenfehlern. Wir erhielten zu viele Tore auf stehende Bälle.

Am Samstag beim 1:5 in Stuttgart auch wieder.

Die ersten beiden Tore dürften nie und nimmer fallen. Schon die Entstehung der Eckbälle hätten wir verhindern können. Ich wechselte Bentaleb ein, und es gab automatisch ein anderes Spiel. Leider verschoss er den Penalty (beim Stand von 3:1). Oder anders gesagt: Kobel hielt ihn.

«Ich erwarte, dass ein Spieler direkt zu mir kommt und mir sagt, er habe das und das Problem.»

Bentaleb war vor Ihrer Zeit sechsmal suspendiert, trotzdem gaben Sie ihm nochmals eine Chance.

Er ist ein Spieler, der Zuwendung braucht. Er ist anders als deutsche Spieler. Aber er hat seine Qualitäten. Schalke ist ein Schiff im Sturm, das jeden Matrosen braucht. Da wäre es töricht gewesen, nicht auf ihn zurückzugreifen.

In den deutschen Medien kam am Samstag die Nachricht von einer Spielerrevolte gegen Sie auf. Klaas-Jan Huntelaar, Sead Kolasinac und Skhodran Mustafi sollen sich letzten Dienstag bei Sportvorstand Schneider gegen Sie ausgesprochen haben, weil Sie Spielernamen verwechseln würden und taktisch nicht auf der Höhe seien.

Diese Meldung kam am Samstagmorgen völlig überraschend für mich. Jochen Schneider bestätigte mir, dass sich kein Spieler bei ihm gemeldet habe. Vielleicht waren sie bei Teammanager Sascha Riether, aber auch der sagte mir nichts. Ich erwarte grundsätzlich, dass ein Spieler direkt zu mir kommt und mir sagt, er habe das und das Problem. Ich ging mit den Spielern immer sehr respektvoll um.

Würden Sie die Aufgabe bei Schalke nochmals übernehmen?

Die sportliche Challenge ist riesig. Das hat mich an der Aufgabe auch gereizt. Ich habe immer gesagt, die Zone im Mittelfeld, in dem es um nichts geht, interessiert mich nicht gross. Die Chance auf den Ligaerhalt besteht weiterhin. Die Liga ist, abgesehen von Bayern und Leipzig, sehr ausgeglichen. Ich glaube, acht Mannschaften werden gegen den Abstieg kämpfen.

War es das als Trainer? Christian Gross will sich nach der Enttäuschung bei Schalke nicht festlegen.

War es wirklich richtig, Ihr schönes Leben im Engadin aufzugeben und zu Schalke zu gehen?

Das war überhaupt kein Fehler. Es gab vor zwei Jahren schon die Möglichkeit mit Schalke, als ich noch bei Zamalek (Kairo) war. Ich sagte ab und fragte mich doch: Kommt eine solche Möglichkeit nochmals? Die Versuchung war schon damals sehr gross. Aber jetzt? Jetzt bin ich enttäuscht. Ich bin der Ansicht, dass wir eine schlagkräftige Mannschaft haben, wenn alle Spieler an Bord sind.

Fühlen Sie sich nicht hintergangen?

Ich habe von keinem auch nur das kleinste Wort gehört: Trainer, können wir reden? Im Club gibt es einfach gewisse Strömungen, die man nicht beeinflussen kann. Aus dem Aufsichtsrat, von den Fans. Diese Strömungen können gewaltig sein.

Sie sind jetzt 66. War es das für Sie als Trainer?

Darauf bekommen Sie keine Antwort. Ich will das zuerst verarbeiten. Dann schauen wir. Eventuell.

23 Kommentare
    Karlheinz Schmieschek

    Gross hat die Strömungen innerhalb der Mannschaft offensichtlich nicht erkannt. Sonst hätte er als "harter Hund" die Ringleader des Spieleraufstands Huntelaar, Kolasinac und Mustafi ausschalten und sie Kopfball mit dem Medizinball trainieren lassen müssen. Der Klassenerhalt war sowieso nicht mehr zu schaffen.