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Time-Out mit … «Ich freute mich auf ein Superjahr»

Fussball-EM? Wimbledon? Nach Nashville zu Roman Josi? Alles fällt aus, und Antonio Gambardella muss mit seinem Reiseunternehmen darum kämpfen, nicht zu viel Geld zu verlieren. Er erzählt.

In Baku hätte die Schweizer Nationalmannschaft gespielt. Antonio Gambardella, Managing Director und Mitinhaber des Travelclubs, flog bereits hin.
In Baku hätte die Schweizer Nationalmannschaft gespielt. Antonio Gambardella, Managing Director und Mitinhaber des Travelclubs, flog bereits hin.
Keystone

«Als ich am 1. Januar aufwachte, dachte ich: Das wird ein Superjahr. Ich freute mich darauf, weil es in geraden Jahren immer eine WM oder EM im Fussball gibt und sie darum sehr gut für unser Geschäft sind. Ein solches Turnier mit der Teilnahme der Schweizer Mannschaft macht, je nach Erfolg, je nach Destination, 20 bis 25 Prozent unseres Gesamtumsatzes aus.

Der Travelclub ist der offizielle Reiseanbieter des Schweizer Fussballverbandes. Darum flog ich Anfang Dezember nach der Auslosung der EM-Gruppenspiele von Bukarest direkt nach Baku und von da weiter nach Rom, um alles zu rekognoszieren und Kontakte aufzubauen. In meinem Gewerbe muss man schnell sein, um gute Bedingungen aushandeln zu können. Ich begann mit Hotels und Fluggesellschaften Vereinbarungen zu treffen und Pakete für die Medien und Fans auszuarbeiten. Das bedeutete auch, dass wir Vorauszahlungen von rund einer halbe Million Franken leisten mussten. Für uns ist das ein grosser Brocken.

Wir haben nicht nur die Länderspiele der Fussballer im Angebot, wir sind auch Partner des Eishockey- und Handballverbandes, wir bieten Fanreisen zu den Grand Slams in Paris, Wimbledon und New York an, zu Spielen der Bundesliga, Premier League oder Primera Division, der Champions oder Europa League. Wir organisieren jährlich für rund 150 Fussball-Mannschaften von der Super League bis in die 5. Liga und zu den Frauen Trainingslager an, in der Türkei, in Italien oder Spanien. Vom 26. März bis 4. April sollte auch wieder die Fanreise Roman Josi nach Nashville stattfinden, das Angebot gilt für 20 bis 25 Fans, die die Möglichkeit haben, mindestens drei NHL-Spiele zu sehen und Josi selbst zu treffen.

Wegen des Corona-Virus mussten wir Mitte März fünf Mannschaften notfallmässig mit einem Charter aus Malta ausfliegen.

Antonio Gambardella

Aber dann kam Corona, und auch für uns ist seither nichts mehr wie vorher. Alles ist ausgefallen, angefangen beim Trainingslager der Nationalmannschaft in Katar. Wir mussten Mitte März fünf Mannschaften notfallmässig mit einem Charter aus Malta ausfliegen, weil der Staat da alles zumachte und bei Verstössen gegen die Quarantäne-Vorschriften mit 1000 Euro Busse drohte. Seit Wochen sind wir nur noch daran, alle bereits gebuchten Reisen aufs nächste Jahr verlegen zu können. Das gibt viel Arbeit, sie ist nicht schön, sondern mühsam.

Wir stehen nicht zuletzt vor der grossen Frage: Was machen wir, wenn die Fussball-EM auch nächstes Jahr nicht stattfinden kann oder zumindest nicht so, wie sie geplant ist? Was ist dann mit unserem Geld, das wir bereits gezahlt haben? Verlieren wir das?»

* Antonio Gambardella (47) ist Managing Director und Mitinhaber des Travelclubs, der auf Sportreisen spezialisiert ist.