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Zu Tisch mit -minu«Ich bin ein Energiebündel»

Jeanne Fürst kommt in Rosa und erzählt von ihrer Kindheit in Spanien, ihrer Karriere beim Schweizer Fernsehen und den vielen Schicksalsschlägen, die sie in der Corona-Zeit hinnehmen musste.

Rosa ist ihre Lieblingsfarbe. «Aber wenn ich aufgeregt bin, greife ich zu Rot» – so auch beim Fotoshooting mit Lucia Hunziker.
Rosa ist ihre Lieblingsfarbe. «Aber wenn ich aufgeregt bin, greife ich zu Rot» – so auch beim Fotoshooting mit Lucia Hunziker.
Foto: Lucia Hunziker

Sie kommt in Pink. Eine rosige Erscheinung – vom Outfit. Über die Lippen. Bis zu den Fingernägeln. Selbst die Perlen, die in ihren Ohren stecken, zeigen einen rosigen Schimmer.

Die Kellner im Schützenhaus-Garten haben ein Strahlen: «Sie sind doch…»

Ja – ist sie: Jeanne Fürst. Der rosige Moment im Schweizer Fernsehen.

«ROSIG – das ist eine zu süsse Übertreibung. Ich bin schliesslich kein Cremeschnitten-Guss. Ich liebe ganz einfach die Farbe Rosa…»

Und du hast natürlich kapiert, dass Rosa dir gut steht… «Nun ja – Weiss auch. Ich mag weisse Outfits. Aber wenn ich aufgeregt bin, greife ich zu Rot – bei meiner ersten Sendung im Schweizer Fernsehen trug ich einen roten Blazer…»

Das war vor dreizehn Jahren. Fühltest du dich denn mies? «Nein – im Gegenteil. Ich war einfach aufgeregt. Dabei habe ich schon vorher Gesundheitssendungen gemacht. Sieben Jahre auf Telebasel. Du hast da mal Gnocchi in meiner Sendung gekocht – erinnerst du dich?»

Ich erinnere mich zu gut. Sie schmeckten wie Kleister. Ich schäme mich heute noch. Aber es war schliesslich nur für das Bild. «Eben – aber das Bild und wie man im Fernsehen «rüberkommt», ist sehr wichtig. Ich überlasse da nichts dem Zufall… Ich bin ziemlich pingelig… Und bereite mich akribisch vor.»

Aber alle reden von deinem Charisma, deiner Ruhe – und dass du die schwierigsten Dinge dann so locker bringst, dass jeder sie kapiert… «IM ALLTAG BIN ICH IMMER AUF 180! DAS GEHÖRT ZU MIR – ICH BIN EIN ENERGIEBÜNDEL… ABER IN DER SENDUNG ÜBERKOMMT MICH DANN PLÖTZLICH EINE GELASSENHEIT UND RUHE.»

Nochmals zur Garderobe: Suchst du dir das Outfit selber aus? Oder hast du eine Stylistin im Studio?
«
Ich lasse mich vom Moment leiten – und auch von den Themen. Wenn ich über Brustkrebs rede, kann ich schliesslich nicht mit einem Ausschnitt kommen – dafür brauche ich keinen Rat einer Stylistin. Und bei schweren, traurigen Themen will ich Farbe – das muss dann einfach sein. Kein Rosa. Knallige Farben sollen das Schwierige auflockern.»

Wie bist du zur Medizin-Sendung gekommen?du bist Ärztin aber… «Stopp. Etwas, was viele nicht wissen: Ich habe Tiermedizin studiert. Trotzdem, mein medizinisches Wissen ist sicher essenziell für die Sendung.»

ABER WESHALB MEDIZIN?

«Ich denke, dass mich meine Kindheit geprägt hat. Mein Vater litt an den Folgen einer Kinderlähmung. Die Ärzte haben ihm erklärt, er würde nicht älter als 30 Jahre. Ich kannte ihn nur mit Stöcken. Das ging so weit, dass wir als seine kleinen Kinder dachten: Wenn wir gross sind, bekommen wir sicher auch Stöcke, Stöcke waren für uns ein Symbol, erwachsen zu sein.»

Spanische Pferdezucht

Er wurde dann älter als 30? «Ja – er starb mit 50. Wir sind von Basel weggezogen. Nach Spanien. Das Schweizer Klima machte meinem Vater zu schaffen – besonders die langen Winter, WO ER ZU HAUSE ANGEBUNDEN WAR. Doch mein Vater hatte einen starken Willen, und sein Lebensmotto war: Ich lasse mich nicht behindern… Für ihn war dieses Motto Alltag – schon damals!»

Spanien also – mit der ganzen Familie?

«Wir gingen nach Katalonien. Ich habe dann schon als kleines Mädchen gespürt, dass es wichtig ist, Verantwortung zu übernehmen. Ich war für meinen Vater stets da, half, wo immer ich konnte – das war ganz natürlich. Die Familie lebte in einem Haus über dem Meer – in Katalonien. Bei Tossa de Mar. Es war ein Traum. Aber irgendwie steckte uns allen immer der nahende Tod meines Vaters im Genick. Das hat mich gelehrt, jeden Tag zu geniessen – und das Leben nicht als selbstverständlich hinzunehmen.»

Die Tiermedizin? «Mir fehlte das Reiten in Spanien. Mein Vater kaufte mir ein Pferd: Flor de Oro war der schönste Hengst, den man sich vorstellen kann. Ich wünschte mir mit der Zeit ein Fohlen. So kam mein Vater auf die Idee, spanische Vollblut-Pferde zu züchten. Es wurde dann eine Pferdezucht, die vom spanischen Königshaus abgesegnet wurde: Ganaderia Equus».

Du hattest also dein Pferd. Bliebst in Spanien. Und die Schule? «Ich fuhr jeden Tag ins Institut nach Sant Feliu de Guixols. Die Fahrt entlang der Küste war traumschön – aber eine Tortur: 365 Kurven! Da hast du ein Leben lang Horror davor…»

Jeanne macht Platz für den Hauptgang: Fisch! («Da bin ich die Spanierin!»)

«Ich studierte also nach der Schule in Cordoba Tiermedizin. Da war die Idee, einmal die Pferdezucht der Eltern zu übernehmen – als ich aber mein Lizenziat im Sack hatte, durfte ich jedoch den Beruf in Spanien als Schweizerin nicht ausüben.»

Finstere Basler

Ziemlicher Frust? «GENAU. DESHALB BIN ICH NACH BASEL ZURÜCKGEKOMMEN. EIGENTLICH WOLLTE ICH MIT DEN SCHWEIZER BEHÖRDEN DEN UMSTAND, KEIN RECHT AUF ARBEIT IN SPANIEN ZU HABEN, ÄNDERN. ABER DAZU HATTE ICH GAR KEINE ZEIT. ICH MUSSTE SCHLIESSLICH MEINEN LEBENSUNTERHALT AUFBAUEN…»

Erinnerungen an den ersten Tag daheim? «Klar. Ich sehe es noch vor mir: Da war die Basler Altstadt – wunderschön. Ich spazierte durch die Gassen . Und ich fragte mich: Es ist so prächtig , so hell, so gepflegt – weshalb nur schauen die Menschen so finster in die Welt?»

UND DANN KAM SCHON BALD DAS FERNSEHEN?

«Ich startete anno 2000 bei Telebasel mit der Gesundheitssendung «xund-tv». Nach sieben Jahren holte mich das Schweizer Fernsehen – und hier in den Studios von Schlieren drehe ich jetzt auch schon bald ein Jahrzehnt.»

Du hast jede Woche eine Sendung – das bedeutet akut Stress. «Schon. Aber eben – ich liebe den Stress. Er bringt mein Adrenalin zum Tanzen. Im Übrigen habe ich eine wunderbare Crew. Ohne mein Team geht nichts.»

Harte Schicksalsschläge

AUCH WÄHREND CORONA?

«Nun – die Anfangswochen waren sehr hektisch. Wir hatten ja bereits sechs Sendungen fertig aufgegleist –plötzlich musste alles auf den Kopf gestellt werden. Ich konnte die Patienten, die ich in meine Sendung bitte, nicht einem Risiko aussetzen. Und sie mit dem Zug nach Schlieren fahren lassen. Viele waren enttäuscht. Und dann produzierten wir nur noch zu dritt . Von fünfzehn Leuten waren noch drei im Studio – die andern arbeiteten im Homeoffice.»

Aber du warst natürlich immer auf der Matte… «Klar. ICH MUSSTE MODERIEREN! Kommt hinzu, dass die Experten absagten. Also musste ich per Skype-Einschaltungen arbeiten. Und wieder alles neu aufbereiten. Meine erste Sendung machte ich mit meinem Bruder in Spanien. Spanien war ja von Corona durchgerüttelt. So konnte ich berichten, was uns vermutlich noch blühen wird…»

Die Wochen vor dem Lockdown wurden auch privat eine schlimme Zeit für dich – du musstest unser erstes Gespräch absagen…

«Meine Mutter war gestorben. Das ERSCHÜTTERTE mich. Dann ging die lange Beziehung mit meinem Partner auseinander. Ich suchte mitten in der Corona-Zeit eine neue Wohnung. Musste umziehen – dazu kamen dann alle Fernsehsendungen, die wir total neu aufgleisen mussten… Überdies starben drei gute Freunde. Es war hart.»

Du hast es aber geschafft. Das Interview mit Daniel Koch wurde zu einem Highlight. WIE HAST DU DAS ALLES HINGEKRIEGT?

«Alleine wäre das nicht gegangen. Aber meine Freunde und Freundinnen sowie meine Schwester standen mir zur Seite. Sie waren immer für mich da – in solchen Momenten merkt man, wie wichtig Familie und gute Freunde, aber auch ein gutes Arbeitsteam sind. Ohne sie alle wäre ich verloren gewesen.»

Sie streckt mir nun ein Fläschlein mit Aceto Balsamico hin: «Versuch ihn. Du wirst nie mehr einen andern nehmen!»

Kannst du kochen?

Sie lacht: «Jeder kreative Mensch kann kochen, wenn er gerne isst.»

Und wie geht es weiter – mit Corona? Mit deinem neuen Leben. Single. Und dies in einer riesigen neuen Dachwohnung.

«Ich glaube, Corona lehrt uns zu sehen, was im Leben wirklich wichtig ist. Man muss neugierig bleiben – und nicht zurück, sondern nach vorne schauen. Man muss abwägen – und fühlen, was möglich ist. Auch wenn es schwierig ist, sollte man versuchen, positiv oder zumindest konstruktiv in die Zukunft zu schauen.»

UND EINE BEZIEHUNG? – DU WEISST SCHON, DASS DAS FÜR EINEN MANN NEBEN EINER STARKEN FRAU WIE DU ZIEMLICH SCHWIERIG SEIN KANN?

Sie lächelt jetzt leise: «Ich kann sehr schwach sein – und bin es vermutlich auch auf vielen Gebieten. Jeder braucht hin und wieder eine Schulter zum Anlehnen.»

«ESPRESSO?»der Kellner strahlt die Frau in Pink an. Sie winkt lachend ab: «Keinen Kaffee. Ich bin eine passionierte Teetrinkerin. Ingwer, Minze – vor allem Verveine. Und irgendwann werde ich vielleicht mein eigenes Mineralwasser kreieren. Gutes Wasser ist wichtig – abwechslungsreiches Essen und Bewegung sind die Basis für die Gesundheit. Aber ein gutes Wasser – das ist ein Segen!»