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Basel wächst in die HöheHorburg erhält einen Turm

In fünf Jahren sollen rund hundert neue Wohnungen an der Grenze zwischen Matthäus- und Klybeckquartier entstehen. Doch das ist nur der Auftakt zu noch mehr.

Kantonsbaumeister Beat Aeberhard spricht von einem «ersten markanten Stein», der mit dem Horburg-Turm gesetzt werde. Gemeint ist der Auftakt zu weiteren höheren Gebäuden im Klybeckquartier.
Kantonsbaumeister Beat Aeberhard spricht von einem «ersten markanten Stein», der mit dem Horburg-Turm gesetzt werde. Gemeint ist der Auftakt zu weiteren höheren Gebäuden im Klybeckquartier.
Visualisierung: Architekten Bucher und Bründler
Vorbild für die Wohnform im Horburg-Turm ist das Erlenmattquartier.
Vorbild für die Wohnform im Horburg-Turm ist das Erlenmattquartier.
Visualisierung: Architekten Bucher und Bründler
Es sollen auch Cafés und kleine Läden und kleine Bäume Platz finden im neuen Bereich.
Es sollen auch Cafés und kleine Läden und kleine Bäume Platz finden im neuen Bereich.
Visualisierung: Architekten Bucher und Bründler
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Wer Türme nicht mag, muss sich in der Stadt immer mehr wie umzingelt fühlen. Wer sie hingegen als Steigerung des Lebensgefühls betrachtet, kommt in Basel zunehmend auf seine Kosten. Mit dem Projekt «Horburg Dreirosen» wird zwischen der Horburgstrasse und der Badenweilerstrasse ein neues Hochgebäude entstehen, auf dem Areal der bestehenden Gfeller-Häuser, die aber nicht abgerissen, sondern erhalten werden. Geplant sind zwei höhere Gebäudeteile auf einem gemeinsamen Sockel, wie die Credit-Suisse-Anlagestiftung CSA Real Estate Switzerland als Grundbesitzerin sowie der Kantonsbaumeister Beat Aeberhard am Donnerstag bekannt gaben.

Das wie ein ungleiches Hufeisen aussehende Hochhauskonstrukt besteht aus einem Element von 52 Meter Höhe, das 17 Stockwerke umfasst, und einem zweiten Element, das knapp 30 Meter oder neun Stockwerke hoch in den Himmel ragen wird. Der Bezugstermin ist auf 2025 bis 2026 angesetzt.

Die anderen Wohnhäuser auf dem Areal der ehemaligen Cyba-Werksiedlung bleiben erhalten, auch wenn im Rahmen des Hochhausbaus auch Pavillons für die Kinderbetreuung sowie Unterstände zwischen den bestehenden Bauten errichtet werden sollen. Ebenso ist eine Neugestaltung des Grünraumes vorgesehen.

Entworfen hat diese Häuser Arnold Gfeller in den späten 1940er-Jahren – und sie gelten als architektonisch wichtige Zeitzeugen. Deshalb sollen sie künftig geschützt werden. Gleichzeitig mit dem Bebauungsplan soll deshalb die Unterschutzstellung des kantonalen Denkmalschutzes kommen. «Wir möchten alle Häuser als Ganzes verstehen», sagt Architekt Andreas Bründler von Bucher Bründler Architekten. Er spricht beim Neubau von einer «Anlehnung an die Bauweise und Gestaltung von damals» und davon, dass man der «Heiterkeit und Filigranität der bestehenden Häuser Reverenz erweisen» wolle.

Der Horburg-Turm entsteht an einer Achse, die für die Stadtplaner von Bedeutung ist: Vom Novartis-Campus über die Dreirosenbrücke bis zur Gabelung Nähe Horburgpark.
Der Horburg-Turm entsteht an einer Achse, die für die Stadtplaner von Bedeutung ist: Vom Novartis-Campus über die Dreirosenbrücke bis zur Gabelung Nähe Horburgpark.
Visualisierung: Architekten Bucher und Bründler

Der Horburg-Turm entsteht an einer für die Stadt wichtigen Achse: Von der Dreirosenbrücke erstreckt sich die Gerade vom Novartis-Campus ostwärts bis zur Gabelung Richtung Wiesenkreisel und Musical-Theater. Der Neubau wird Platz für 100 Wohnungen bieten, ebenso sind eine Tiefgarage und Cafés oder kleine Läden im Erdgeschoss geplant. Der kleine Grünpark an der Ecke soll bleiben und wird in die Planung integriert.

Vorbild ist die Erlenmattüberbauung

Wie teuer wird das Wohnen im neuen Gebäude an der Grenze zum Matthäusquartier? Geplant sind Wohnungspreise, die sich an Mieten von Neubauten im städtischen Bereich ortsüblichen Mieten orientieren, ob eher im oberen oder unteren Preissegment, wurde nicht gesagt. Der Ausbaustandart hingegen wird im mittleren und oberen Standart erfolgen. Vor allem wer im oberen Bereich wohnen und dafür einen Ausblick über Dächer, Autobahn und hin zum Rhein haben möchte, wird sich auf nicht gerade billigen Wohnraum einstellen müssen. Konkrete Preise aber liegen ebenso wenig vor wie die genauen Investitionskosten.

Der künftige Horburg-Turm wird aus Clusterwohnungen bestehen, wie es heisst, ein Sammelbegriff für Wohnraum in verschiedenen Grössen und mit einem Anteil an gemeinschaftlich nutzbarer Fläche sowie einem Individualanteil. Inspirieren liessen sich die Architekten hier von der Erlenmattüberbauung. Insgesamt soll Horburg-Dreirosen künftig inklusive Neubau rund 260 Wohnungen umfassen.

Der Neubau bleibt bezüglich Licht vor allem für die Gebäude unmittelbar dahinter nicht ohne Folgen: Es kommt zu einem Schattenwurf (blau). Der rote Klotz ist der 52 Meter hohe Turm.
Der Neubau bleibt bezüglich Licht vor allem für die Gebäude unmittelbar dahinter nicht ohne Folgen: Es kommt zu einem Schattenwurf (blau). Der rote Klotz ist der 52 Meter hohe Turm.
Visualisierung: Architekten Bucher und Bründler

Ändern wird sich bei einigen bestehenden Gebäuden auch das Tageslicht, denn der Turm wirft Schatten. Architekt Bründler versichert jedoch, dass es bei den betroffenen Wohnungen keine Änderung brauche, da die gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden könnten.

Auftakt zu mehr Hochhäusern

Kantonsbaumeister Aeberhard spricht von einer städtebaulichen Verbindungslinie, die mit dem hohen Thomi-Frank-Gebäude beim Wiesenkreisel und dem höheren Gebäude am Riehenring gezogen werden könne. Gleichzeitig handelt es sich beim Neubau auch um «einen ersten markanten Stein», wie es Aeberhard nennt. Gemeint ist damit der Übergang zum neuen Horburgquartier, das bereits in den Köpfen und an den Planungstischen Formen annimmt (BaZ berichtete). Auch wenn noch unklar ist, wie genau das Klybeckquartier in der Nachbarschaft entwickelt werden wird, so sollen es «kräftigere Baukörper» sein, sagt Aeberhard, «ein Ort mit weiteren Hochhäusern». Dies sei auch gemäss dem kantonalen Hochhausleitbild gewünscht, erklärt Aeberhard.

Das neue Hochhaus «Horburg Dreirosen» jedenfalls ist Teil der kantonalen Verdichtungsstrategie. Die Zahl der Beschäftigten in Basel soll von heute rund 190’000 bis 2035 auf 220’000 steigen, bei den Bewohnern von heute knapp 200’000 auf ebenfalls 220’000. Ziel sei es, eine Balance von Arbeiten und Wohnen zu finden, sagt Aeberhard. Es sollen mehr Menschen weniger pendeln und dafür in der Stadt wohnen. Hoffentlich mögen sie Hochhäuser.

34 Kommentare
    Eff Beck

    Das ohnehin schon am dichtesten bevölkerte Kleinbasel zu verdichten ist eine wirklich innovative Idee. Als besonders begrüssenswert erachte ich die Minimierung von Grünflächen, Buschwerk und das Fällen gesunder Bäume. Und der neue Polizeiposten im Parterre regelt umgehend und während 24/7 allfällige strafrechtlich relevante Unannehmlichkeiten in der Basler Banlieu. :-(((