Zum Hauptinhalt springen

Liste Art Fair Basel findet stattHoffnung auf einen Kunst-Herbst

Liste-Direktorin Joanna Kamm will mit der Durchführung vor allem junge Künstler und Galerien unterstützen.

Weil im Werkraum Warteck pp die Verhältnisse eng sind, musste für die diesjährige Liste Art Fair Basel ein Ausweichort gefunden werden.
Weil im Werkraum Warteck pp die Verhältnisse eng sind, musste für die diesjährige Liste Art Fair Basel ein Ausweichort gefunden werden.

Die Basler Kunstmesse Liste Art Fair Basel, die seit 25 Jahren parallel zur Art Basel stattfindet, ist eine wichtige Plattform für junge Künstler und Galerien. Ihr Standort in den Räumlichkeiten des Werkraums Warteck pp am Burgweg trägt wesentlich zu ihrem Charme bei. Denn für das Publikum ist es äusserst lustvoll, in den verwinkelten, über mehrere Stockwerke verteilten Räumen junge Kunst zu entdecken.

«Wir werden die Art sehr vermissen.»

Joanna Kamm, Direktorin Liste Art Fair Basel

Dass dieses Setting nicht mit den Corona-Schutzmassnahmen zu vereinbaren ist, war der Liste-Direktorin Joanna Kamm schnell klar. Als erster Schritt zog man im März mit der Art Basel gleich und verschob das Austragungsdatum vom Juni auf den September. Anfang Juni, als die Art Basel ganz abgesagt wurde, schien dies auch das definitive Aus für die Liste zu sein. «Doch im Gespräch mit den Galerien stellte sich heraus, dass viele trotzdem ausstellen wollten. Ich spürte eine grosse Bereitschaft, trotz der schwierigen Zeit ein weiteres finanzielles Risiko einzugehen, um Kunst wieder physisch zeigen zu können», sagt Kamm.

Die Liste ist seit je eine eigenständige Messe mit eigenem Stammpublikum und Galerien, die dezidiert dort ausstellen wollen. «Wir werden die Art und die ausserordentliche Stimmung während der Art-Woche sehr vermissen. Auch die Synergien, die wir nutzen können, sind wichtig für uns», betont Kamm. «In diesem Ausnahmejahr ist jedoch alles anders.» Deshalb begann die ehemalige Galeristin, die der Liste seit 2018 vorsteht, eine Alternative zu suchen – unter der Prämisse, dass die Veranstaltung aufgrund der Entwicklungen in Sachen Corona jederzeit doch noch abgesagt werden muss. «Für die Galerien muss das Risiko einer Beteiligung deshalb so gering wie möglich sein.»

«Es geht uns darum, junge Künstler und Galerien zu unterstützen.»

Joanna Kamm, Direktorin Liste Art Fair Basel

Sie habe viel Unterstützung von Basler Kulturinstitutionen erfahren, etwa bei der Suche nach einer räumlichen Ausweichmöglichkeit. Die Halle auf dem Dreispitz, wo die Messe nun in verkürzter Dauer vom 17. bis zum 20. September stattfindet, wird zum neuen Standort des Kunsthauses Baselland. Dieses stellt Kamm das Gebäude mit 1200 Quadratmetern Ausstellungsfläche zu sehr günstigen Konditionen zur Verfügung. Für die Aussteller gilt dieses Jahr ein Einheitspreis. Je nach Standgrösse sind die Flächen laut Kamm bis zu viereinhalbmal günstiger als normalerweise.

Etwas mit der Messe zu verdienen, ist nicht mehr Kamms Ziel: «Es ist sowieso ein finanziell sehr schwieriges Jahr für uns. Es geht uns jetzt nur noch darum, die jungen Künstler und Galerien zu unterstützen.» Dafür wurde zusätzlich das Format «Liste Showtime» ins Leben gerufen: Auf einer Onlineplattform haben die Galerien die Möglichkeit, ihre Künstler vorzustellen und ihre Werke zu verkaufen. Ausserdem können sich die Künstlerinnen an einem Projekt beteiligen, bei dem sie unter dem Motto «Rewriting Our Imaginations» Poster kreieren, die anschliessend im Webshop verkauft werden.

Joanna Kamm, Direktorin der Liste Art Fair Basel, hofft, die Messe im September dank eines Schutzkonzepts und neuen Standorts trotzdem durchführen zu können.
Joanna Kamm, Direktorin der Liste Art Fair Basel, hofft, die Messe im September dank eines Schutzkonzepts und neuen Standorts trotzdem durchführen zu können.

49 Galerien aus 32 Ländern nehmen trotz aller Unsicherheiten verbindlich an der Messe teil. Sie kommen aus Europa, haben Vertretungen im EU-Raum oder der Schweiz. «Galerien, die nicht anreisen können, haben die Möglichkeit, sich mit dem neu initiierten Host-Guest-Modell von anwesenden Galerien vertreten zu lassen», sagt Kamm. Sie und ihr Team arbeiten zudem mit Hochdruck daran, ein Schutzkonzept für die Messe auszuarbeiten.

Denkbar sind laut Kamm unterschiedliche Öffnungszeiten: ein Zeitraum, in dem bereits registrierte Gäste mit einer Einladung eingelassen werden, und eine reguläre Öffnungszeit mit freiem Ticketverkauf. Mitte August werden die Durchführungskonditionen kommuniziert. Nun gilt es, den Organisatoren bis im Herbst die Daumen zu drücken, damit doch noch ein Kunst-Herbst möglich wird.