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Bundesrat zu GrossanlässenHockey- und Bierfreunde setzen sich durch

Der Bundesrat hat Alain Berset in zwei wesentlichen Punkten überstimmt. Auch Eishockeyclubs können ihre Sitzplätze zu zwei Dritteln auslasten, und an Sportevents wird weiterhin Alkohol verkauft.

Alain Berset lief mit einem Alkoholverbot in Sportstadien im Bundesrat auf.
Alain Berset lief mit einem Alkoholverbot in Sportstadien im Bundesrat auf.
Foto: Peter Schneider (Keystone)

Den Kantonen ist es spürbar unwohl beim weitgehenden Öffnungsschritt, den der Bundesrat für die Grossveranstaltungen beschlossen hat. «Die Wiederzulassung von Grossveranstaltungen ist eine grosse Herausforderung», sagt Lukas Engelberger, der Präsident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren (GDK). Begeisterung würde anders tönen.

Bauchschmerzen verursachen den Kantonen vor allem die Sitzplatzkapazitäten in Eishockeystadien. Mit dem ursprünglichen Bundesratsvorschlag, in Fussballstadien zwei Drittel und in Eishockeyhallen die Hälfte der Sitzplätze zu besetzen, hätten die meisten Kantone gerade noch leben können. Einige fanden aber auch dies angesichts der seit Wochen steigenden Fallzahlen zu hoch. Doch nun lässt der Bundesrat gegen den Willen der Kantone auch in Hockeystadien zwei Drittel der Sitzplatzkapazität zu.

Schlüsselspieler war Ueli Maurer

Damit hat die Eishockeylobby im Bundesrat einen Sieg errungen. Schlüsselspieler war SVP-Bundesrat Ueli Maurer, der in einem Mitbericht ins Feld führte, dass die Hockeystadien gut belüftet seien. Maurer verlangte mehr Spielraum für die Eishockeyclubs und setzte sich mit dieser Forderung gegen SP-Kollege Berset durch. Zwar können die Kantone in Hockey- und Fussballstadien gemäss dem Bundesratsentscheid auch eine geringere Zuschauerkapazität vorsehen. Allerdings sind sie über diese Kompetenz nur bedingt erfreut. Denn ein einzelner Kanton müsste nun die Verantwortung übernehmen, wenn er weniger Plätze zulässt und damit die Clubs auf seinem Gebiet gegenüber jenen in anderen Kantonen benachteiligt.

Explizit über den Willen der Kantone hinweggesetzt hat sich der Bundesrat bei der Frage des Alkoholausschanks in den Stadien. Die Mehrheit der Kantone hatte ein solches Verbot verlangt, das Berset in seiner Vernehmlassungsvorlage ursprünglich noch nicht vorgesehen hatte. Berset nahm den Wunsch der Kantone jedoch auf. Er begründete das Alkoholverbot im Bundesrat damit, dass alkoholisierte Fans das Schutzkonzept weniger einhielten als nüchterne.

«Ich trinke auch gern mal ein Bier»

Doch neben Maurer wandte sich im Bundesrat dem Vernehmen auch der zweite SVP-Bundesrat Guy Parmelin gegen das Alkoholverbot – und überzeugte davon eine Mehrheit im Kollegium. Berset nahm die Niederlage vor den Medien mit Humor. «Wenn man zu viel trinkt, kann man das Schutzkonzept vielleicht nicht einmal mehr lesen», sagte er an der Medienkonferenz. Und fügte an: «Ich trinke auch sehr gern mal ein Bier.»

Der Bundesrat hat den Kantonen insgesamt mehr Verantwortung übergeben, als ihnen lieb ist. So müssen nun sie die Schutzkonzepte der Vereine beurteilen – und nicht das Bundesamt für Gesundheit (BAG), wie die Kantone es gewünscht hatten. Falls ein Kanton aufgrund der epidemiologischen Lage ein Spiel für zu riskant hält, kann er es untersagen. Ein Grund können auch die begrenzten Kapazitäten für das Contact-Tracing sein.

GDK-Präsident Engelberger verweist darauf, dass die Kapazitäten beim Contact-Tracing «nicht unendlich» seien. «Die Nachverfolgung von Infektionsketten bei einem Grossanlass mit über 1000 Personen ist in jedem Fall schwierig zu bewältigen.» Die Kantone würden die Bewilligungsgesuche angesichts der «instabilen Lage» sorgfältig prüfen.