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Theater als StadtspaziergangHochgiftige Geschichten

Die neue Hausproduktion des Vorstadttheaters lädt zum live erzählten Audiowalk auf den Münsterhügel. Und mitten hinein in die archaischen Parallelwelten von Michael Köhlmeiers «Märchen».

Kann erzählen wie Mephisto: Der Schauspieler Matthias Grupp in der vom Vorstadttheater Basel als Stadtspaziergang inszenierten Produktion «Die Märchen» von Michael Köhlmeier.
Kann erzählen wie Mephisto: Der Schauspieler Matthias Grupp in der vom Vorstadttheater Basel als Stadtspaziergang inszenierten Produktion «Die Märchen» von Michael Köhlmeier.
Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

Märchen – das klingt so harmlos. Trifft aber nicht zu. Wo Hexen, Geister, Wölfe walten, geht es selten zimperlich zur Sache. Und so folgen wir Matthias Grupp, Co-Leiter des Vorstadttheaters, Erzähler, Darsteller und Stadtführer des Abends, wir folgen seinem wiegenden Schritt, seinem wehenden Mantel, und wir folgen seiner Stimme, die sich via Headsets in unser Hirn schmeichelt, aber eben weder im Gehen noch im Stehen zimperlich mit unseren Sinnen umspringt.

Eigentlich ist es eine hochgiftige Geschichte, die uns der Matthias Grupp da in der St.-Alban-Vorstadt ins Ohr träufelt. Und es sind eigentlich auch nicht unsere Sinne, mit denen böse umgesprungen wird, sondern die vom Sebastian Inwendig. Von ihm handelt das Märchen. Der Sebastian ist ein armer Tropf, immerzu will er das Böse ungeschehen sehen, und dafür gibt er alles her, erst sein Gespür an den Gürtel, damit er die Mutter nicht peitscht, dann den Geschmack an das Messer, das seine Liebste ritzen will, seinen Geruch an den Sturm, damit ein Flugzeug nicht abstürzt, und so geht das fort, bis dem Sebastian im Alter kein Sinn übrig bleibt, er nurmehr ein Inwendiger ist. Und das Böse hat sich erst nicht aus der Welt verzogen.

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