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Der AufregerHistorische Waffen und ein nervöser Versprecher

Spatzen haben es gemütlich in den Schweizer Fussballstadien. Und Kaffeebecher sind vier Meter gross. Dafür spricht der Regierungsrat zum Volk, wie früher begleitet von Männern mit Waffen. Das Geisterspiel zwischen Luzern und Basel ist auch ein bisschen absurd.

Die Zunft zur Safran bildet die historische Kulisse für die Ansprache des Luzerner Regierungsratspräsidenten Paul Winiker (SVP, blaue Krawatte). Kaum einer hört sie, denn kaum einer ist da.
Die Zunft zur Safran bildet die historische Kulisse für die Ansprache des Luzerner Regierungsratspräsidenten Paul Winiker (SVP, blaue Krawatte). Kaum einer hört sie, denn kaum einer ist da.
Foto: Toto Marti (Freshfocus)

Gerade als der Spatz auf dem Geländer gemütlich Platz nimmt, zwischen all diesen blauen Sitzen, wo sich regelmässig knapp 10’000 Menschen Fussballspiele anschauen, laufen Jonas Omlin und sein Ersatz Djordje Nikolic als Erste auf den Rasen.

Kaum jemand nimmt Notiz davon, es ist ja kaum jemand da. Gut, da ist das knappe Dutzend, das vom Turm neben dem Stadion zumindest eine Hälfte des Spielfelds sieht, und die 200, die es für die Durchführung eines Fussballspiels gemäss der Liga nun mal braucht.

Gut, da ist die Zunft zur Safran, die im historischen Gewand samt Hellebarde die Bühne für den Regierungsratspräsidenten (Paul Winiker, SVP) bildet, auf der dieser wie zu alten Zeiten zu den Menschen spricht. Gerne sähe man eine Frau unter den Zunftleuten. Aber vielleicht ist das den Männern zu viel Moderne. Gut, da sind noch die knapp 100 Zuschauer, die unter anderem per Verlosung doch noch ins Stadion gekommen sind. Aber sonst?

Sonst nimmt niemand Kenntnis von den Basler Goalies, die einlaufen und zwei Stunden später als Verlierer nach Basel zurückfahren. Die Tribünen sind praktisch leer, vielleicht zum letzten Mal. Ab der nächsten Runde dürfen wieder 1000 Menschen ins Stadion.

Platz wird es in der Swissporarena auch dann noch haben für die zwei Kaffeebecher, die vier Meter gross sind und auf der Gegentribüne ein Produkt bewerben, das zu 100 Prozent natürlich sein soll.

Was ist schon natürlich?

Die Geräusche in den Fussballstadien, die richtig lauten, kommen dieser Tage nur aus den Boxen. Die Speakerin, vielleicht ist sie neu, sicher ist sie nervös, begrüsst «unsere Gäste, den FCL Basel». Dann erklingt das Motivationslied der Luzerner. Darin besingt einer, wie es nur einen Club gebe in der Schweiz. Und: «Wenn es mal nicht läuft, dann ist es auch egal.» Aber es läuft.