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Tönnies-Mitarbeiter in QuarantäneHinter Gittern

Nach einem Corona-Massenausbruch im grössten deutschen Fleischwerk haben die örtlichen Behörden eine ganze Wohnsiedlung abgesperrt. So sieht der Alltag der Bewohner aus.

Anstehen für Lebensmittel: In in einer Wohnsiedlung im Ortsteil Sürenheide im deutschen Landkreis Gütersloh befinden sich Hunderte Angestellte der Tönnies-Fleischfabrik in Quarantäne.
Anstehen für Lebensmittel: In in einer Wohnsiedlung im Ortsteil Sürenheide im deutschen Landkreis Gütersloh befinden sich Hunderte Angestellte der Tönnies-Fleischfabrik in Quarantäne.
Foto: Friedemann Vogel (EPA/Keystone) 

Es ist ein Ausbruch überraschenden Ausmasses: Die grösste Fleischfabrik Deutschlands, Tönnies im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen, verzeichnet bislang über 1500 Infizierte. Sechs Mitarbeiter liegen auf der Intensivstation, ein Drittel muss beatmet werden, der Rest befindet sich in Isolation oder Quarantäne.

Dafür sind die deutschen Behörden mit grossem Geschütz aufgefahren. Die Bundeswehr wurde aufgeboten, Hunderte Polizisten riegelten Strassenabschnitte und Wohnsiedlungen in der näheren Umgebung ab. In der benachbarten Stadt Verl etwa wurde eine gesamte Wohnsiedlung mit Tönnies-Mitarbeitenden unter Quarantäne gestellt. Bauzäune schirmen die Einwohner für die nächsten Tage von der Aussenwelt ab. Insgesamt 670 Menschen sind davon betroffen.

Polizisten bauten Bauzäune in einer Wohnsiedlung im Ortsteil Sürenheide auf. Die Stadt Verl hat nach positiven Corona-Tests bei zahlreichen Tönnies-Mitarbeitern im Stadtteil Sürenheide eine Quarantäne eingerichtet.
Polizisten bauten Bauzäune in einer Wohnsiedlung im Ortsteil Sürenheide auf. Die Stadt Verl hat nach positiven Corona-Tests bei zahlreichen Tönnies-Mitarbeitern im Stadtteil Sürenheide eine Quarantäne eingerichtet.
Foto: David Inderlied (DPA/Keystone) 
Mehrere Mehrfamilienhäuser, in denen Werkvertragsarbeiter der Firma Tönnies leben, wurden unter Quarantäne gestellt. In den betroffenen drei Straßenzügen wohnen insgesamt knapp 670 Menschen
Mehrere Mehrfamilienhäuser, in denen Werkvertragsarbeiter der Firma Tönnies leben, wurden unter Quarantäne gestellt. In den betroffenen drei Straßenzügen wohnen insgesamt knapp 670 Menschen
Foto: David Inderlied (DPA/Keystone) 
Die Bundeswehr unterstützt beim Testverfahren: Soldaten besprechen ihren Einsatz im abgesperrten Wohngebiet.
Die Bundeswehr unterstützt beim Testverfahren: Soldaten besprechen ihren Einsatz im abgesperrten Wohngebiet.
Foto: David Inderlied (DPA/Keystone) 
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Versorgt werden die Bewohner von Helfern des Deutschen Roten Kreuzes. Diese liefern ihnen in Schutzmontur gekleidet Lebensmittel vors Haus. Wie Ministerpräsident Armin Laschet am Dienstag an einer Pressekonferenz sagte, gehe es nicht nur darum, den Bewohnern einmal am Tag Essen zu liefern. «Bei jeder Essenslieferung ist zur Unterstützung deshalb auch immer ein Dolmetscher dabei.»

Helfer des Roten Kreuzes tragen Mundschutz und Schutzkleidung, während sie Brot an Bewohner eines Wohnhauses verteilen.
Helfer des Roten Kreuzes tragen Mundschutz und Schutzkleidung, während sie Brot an Bewohner eines Wohnhauses verteilen.
Foto: David Inderlied (DPA/Keystone) 
Ein Polizeibeamter hilft bei der Verteilung von Ess- und Trinkwaren.
Ein Polizeibeamter hilft bei der Verteilung von Ess- und Trinkwaren.
Foto: Friedemann Vogel (EPA/Keystone) 
Bewohner der abgesperrten Siedlung in Sürenheide gehen zurück zu ihren Wohnhäusern, gefolgt von Bundeswehr-Soldaten in Schutzanzügen und mit Mund-Nasenschutzmasken, um weitere Personen auf das Coronavirus zu testen.
Bewohner der abgesperrten Siedlung in Sürenheide gehen zurück zu ihren Wohnhäusern, gefolgt von Bundeswehr-Soldaten in Schutzanzügen und mit Mund-Nasenschutzmasken, um weitere Personen auf das Coronavirus zu testen.
Foto: David Inderlied (DPA/Keystone) 
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Hilfe erhalten manche aber offenbar auch von aussen, wie ein Video auf Twitter zeigt:

Die meisten der rund 7000 Tönnies-Mitarbeitenden stammen aus südeuropäischen Staaten wie Rumänien, Polen oder Bulgarien und sind Werkvertragsarbeiter, also nicht direkt beim Schlachthof, sondern bei einem Subunternehmen angestellt.

Da viele der Menschen in den Wohnsiedlungen auf engstem Raum leben, dürfte auch das Risiko einer Ansteckung erhöht sein. Angesichts dessen betonte Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, man dürfe diesen Menschen deshalb keinen Vorwurf machen. Er appelliert vor allem an die Betriebe, nicht nur für anständige Löhne und Arbeitsbedingungen, sondern auch für hygienische Wohnverhältnisse zu sorgen.

Ein Helfer vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) nimmt vor einem Haus bei einem Mann einen Abstrich vor.
Ein Helfer vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) nimmt vor einem Haus bei einem Mann einen Abstrich vor.
Foto: David Inderlied (DPA/Keystone) 
Rund 40 mobile Testteams waren am Montag unterwegs, um Angestellte der Firma Tönnies zu Hause in ihrer Quarantäne aufzusuchen.
Rund 40 mobile Testteams waren am Montag unterwegs, um Angestellte der Firma Tönnies zu Hause in ihrer Quarantäne aufzusuchen.
Foto: Friedemann Vogel (EPA/Keystone) 
In den abgeriegelten Mehrfamilienhäusern sind die Mehrheit der Einwohner Tönnies-Angestellte.
In den abgeriegelten Mehrfamilienhäusern sind die Mehrheit der Einwohner Tönnies-Angestellte.
Foto: Friedemann Vogel (EPA/Keystone) 
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Ziel der Regierung Nordrhein-Westfalens ist es, sämtliche Tönnies-Angestellte zu testen. Bei der Mehrheit liegt inzwischen ein Ergebnis vor. Nach aktuellem Erkenntnisstand haben sich über 1500 Mitarbeitende mit dem Coronavirus infiziert.

Zur Eruierung wurden sogenannte mobile Teams, bestehend aus Mitgliedern des zuständigen Ordnungsamtes, der Bundeswehr, des Roten Kreuzes sowie von Dolmetschern, eingesetzt. Diese haben den Auftrag, von Wohnung zu Wohnung zu ziehen, um Rachenabstriche zu nehmen sowie über die Quarantänebestimmungen zu informieren.

(sho)