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Frauen ins ParlamentHelvetia ruft – und über 150 Frauen gucken in den Bildschirm

Die überparteiliche Bewegung will Frauen motivieren, für politische Ämter zu kandidieren. Am Montagabend machte sie halt in Basel-Stadt.

167 Frauen liessen sich am Montagabend von anderen starken Frauen aus der Politik, Wirtschaft und den Medien virtuell inspirieren.
167 Frauen liessen sich am Montagabend von anderen starken Frauen aus der Politik, Wirtschaft und den Medien virtuell inspirieren.
zvg

Als Basel-Stadt 1966 als Pionier-Kanton das Frauenstimmrecht einführte, titelten die Medien: «Basel bricht das Eis». Sibylle von Heydebrand wünscht sich, dass am 25. Oktober, am Tag der kantonalen Gesamterneuerungswahlen, diese Schlagzeile wieder die Titelseite der Zeitungen ziert. Weil die Baslerinnen und Basler ein Parlament gewählt haben, das zu mindestens 50 Prozent aus Frauen besteht. «Nicht Männer, nicht Frauen, nicht Linke, nicht Bürgerliche – wir alle zusammen können dafür sorgen, dass Basel wieder zum Pionier-Kanton wird», sagt die Freisinnige aus Arlesheim, die sich seit Jahren lokal und global für politische, rechtliche und gesellschaftliche Gleichberechtigung einsetzt.

Von Heydebrand sitzt zu Hause und spricht via Bildschirm zu über 150 Frauen und vereinzelten Männern, die sich an diesem Montagabend versammelt haben: Helvetia hat gerufen. Um Frauen, junge und alte, zu motivieren, bei den Grossratswahlen im Herbst zu kandidieren. Denn im Basler Parlament sind Frauen immer noch untervertreten: Sie besetzen 34 von 100 Sitzen. Das soll sich nun ändern.

Prost!

«Helvetia ruft!» ist eine Kampagne von Alliance F, dem Dachverband der Schweizer Frauenorganisationen, und wird von allen grossen Parteien mitgetragen. Im Frauenjahr 2019 konnte die Bewegung erreichen, dass bei den eidgenössischen Wahlen zum ersten Mal mehr Frauen als neue Männer gewählt wurden. Seither politisieren im National- und Ständerat 42 Prozent Frauen. Weil die Stände aber noch weit von einer solchen Quote entfernt sind, tourt «Helvetia ruft!» durch die Kantone und macht dort halt, wo demnächst Wahlen stattfinden: Der Aargau machte am 6. Mai den Auftakt, am Montag war Basel-Stadt dran. Wegen des Coronavirus wurden die beiden Anlässe online abgehalten.

Die Atmosphäre ist bei einem virtuellen Anlass nicht dieselbe wie bei einem realen, das haben wir in den letzten zwei Monate alle erlebt. Aber Alkohol hilft in der Regel, die Stimmung zu lockern. Das weiss auch Nadine Jürgensen und greift zu einem Bier. Von Prosecco bekomme sie am Abend immer Kopfschmerzen, sagt sie. Die Zürcher Journalistin, Moderatorin und Juristin führt durch den Abend. Sie wird dabei von den Initiantinnen von «Helvetia ruft!», der Berner GLP-Nationalrätin Kathrin Bertschy und der Co-Präsidentin der Operation Libero, Flavia Kleiner, unterstützt.

«Machets anders»

Neben von Heydebrand gehören auch die Rektorin der Universität Basel, Andrea Schenker-Wicky, Telebasel-Chefredaktorin Karin Müller, Architektin und Fährifrau Barbara Buser und Politikwissenschaftlerin Stefanie Bailer zu den Rednerinnen. Müller gibt Tipps, wie man sich bei Medienanfragen verhalten soll: «Sagt zu, selbst wenn ihr die Themen für den Talk nicht bis ins kleinste Detail kennt.» Prompt bekommt sie ein Jobangebot: Sie soll im Sommer einen Workshop leiten.

Wicky, die erste Rektorin in Basel, erzählt von ihrer Schüchternheit als junge Frau und wie sie sich als Wirtschaftswissenschaftlerin in einer Männerwelt durchsetzen musste. «In jeder Karriere gibt es ein Umfeld, das einem Steine in den Weg rollen will», sagt sie. Man falle hin, aber das sei nicht schlimm. Buser zitiert den Liedermacher Mani Matter: «Machets anders, anders wirds nit anders.»

«In jeder Karriere gibt es ein Umfeld, das einem Steine in den Weg rollen will.»

Andrea Schenker-Wicky, Rektorin Universität Basel

Es schaltet sich auch Ständerätin Eva Herzog ein. Sie wird euphorisch von Moderatorin Jürgensen begrüsst: «Schön, dass Sie sich unangekündigt einloggen. Waren Sie gwundrig, was heute Abend passieren würde?», fragt sie. Herzog nüchtern: «Nein. Ich hatte vergessen, mich anzumelden, wurde daran erinnert, und nun habe ich mich einfach eingeloggt.» Sie grinst. Die frühere Basler Finanzdirektorin rät den Frauen, mutig zu sein und einfach ins kalte Wasser zu springen.

Weitere bekannte Gesichter aus der Politik sind zu sehen. Unter anderem die Grossrätinnen Esther Keller (GLP), Jessica Brandenberger (SP), Karin Sartorius (FDP), Daniela Stumpf (SVP), Beatrice Isler (CVP), Michelle Lachenmeier (Grüne), Jo Vergeat (Grüne) oder Tonja Zürcher (Basta). Auch Stephanie Eymann guckt rein. Die Liberale ist dem Ruf der Helvetia bereits gefolgt. Sie kandidiert für den Grossen Rat – und vielleicht auch für den Regierungsrat.

1 Kommentar
    jacqueline christ

    ich habe die regeln gelesen - und soweit ich meine auch eingehalten.

    kritische fragen sind nicht gefragt.

    ich sehe immer nur die gleichen namen - und ein ewiges wischiwaschi

    da ihr die Meinung von kritischen menschen nicht veröffentlichen wollt.fragezeichen.

    das abo habe ich nach x jahren schon lange abbestellt -

    und ich schäme mich als baslerin und als Feministin der ersten stunde

    was aus euch geworden ist.