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Geothermiebohrung beschlossenHeisses Wasser aus dem Boden

Wegen Souveränitätsverlust wollte die EVP das Geothermieprojekt im Einwohnerrat Riehen zurückweisen, blieb aber ohne Erfolg.

Bald auch wieder in Riehen: Eine Geothermie-Bohranlage – hier in Vernier GE.
Bald auch wieder in Riehen: Eine Geothermie-Bohranlage – hier in Vernier GE.
Foto: Georges Cabrera

Im Prinzip waren alle dafür: Mit 30 zu null Stimmen bei vier Enthaltungen hat der Riehener Einwohnerrat am Donnerstagabend einer zweiten Geothermiebohrung zugestimmt. Das Projekt der Wärmeverbund Riehen AG (WVR) unter dem Namen «geo2riehen» soll bis 2026 weitere 4000 Personen mit CO2-freier Wärmeenergie versorgen. Eine Machbarkeitsstudie hat für die zweite Geothermiebohrung eine Erfolgsquote von 73 Prozent berechnet.

Gegen das Projekt war wie erwähnt eigentlich niemand. Und doch stellte Alfred Merz (EVP) einen Antrag auf Rückweisung. Die EVP störte sich an der Vereinbarung zwischen Gemeinde und IWB, die im Rahmen des Ausbaus der Geothermie ausgearbeitet wurde.

Gegen Aktienverkauf

Gemäss Vereinbarung soll sich der Aktienanteil der Gemeinde an der WVR von bisher 72 auf neu 50 Prozent verringern, 50 Prozent erhält die IWB. «Damit gibt die Gemeinde ein Stück ihrer Souveränität für einen viel zu tiefen Preis ab», kritisierte Merz. Bis jetzt habe die Gemeinde rund 50 Millionen in den Wärmeverbund investiert. Eigentlich wären die Aktien 11,7 Millionen wert, die Gemeinde gebe sie aber für 6,8 Millionen an die IWB ab, bemängelte Merz. Obwohl die EVP ganz klar für die zweite Geothermiebohrung sei, sehe sie sich gezwungen, das Projekt zurückzuweisen mit dem Auftrag, den Verkauf von Aktien aus der Vereinbarung zu streichen.

Gemeinderat Daniel Albietz (CVP), zuständig für die Finanzen, warnte vor der Rückweisung. «Die 6,8 Millionen sind ein faires Angebot und entsprechen dem Wert des Wärmeverbunds.» Es fliesse kein Geld, der Aktienverkauf an die IWB sei eine Gegenleistung für das Risiko, das die IWB übernehme, falls die zweite Geothermiebohrung nicht gelinge. Riehen müsse beteiligt bleiben, weil die Geothermie zur DNA der Gemeinde gehöre, erklärte Albietz.

Gemeinderat Daniel Hettich (LDP), zuständig für Mobilität und Versorgung, sprach sich ebenfalls gegen eine Rückweisung aus. «Die IWB und die Gemeinde sind ein Pärchen auf Augenhöhe», sagte Hettich. Mit dem Geothermieprojekt könne Riehen seinen Anteil an erneuerbarer Energie deutlich erhöhen und das Label «European Energy Award» stärken.

EVP unterliegt

Die EVP torpediere das ganze Projekt, rief Patrick Huber (CVP) in den Saal. «Heute ist nicht der Abend der Zauderer und Zögerer, sondern der Abend der Praktiker und Pragmatiker.» Es sei der falsche Moment, «kleinlich über Beteiligungen zu reden», sagte parteilose David Moor, der in der GLP-Fraktion politisiert. Paul Spring (SP) meinte, die EVP hoffe darauf, dass der Energiepreis steige; dafür gebe es aber keine Garantie.

Thomas Strahm (LDP) betonte, die IWB habe 100 Prozent der Aktien gewollt, aber die Verhandlungen hätten ein anderes Resultat gebracht. Dieter Nill (FDP) ergänzte, die IWB müsse gleichberechtigter Partner sein, weil sie die nötige Kompetenz in den Wärmeverbund bringe. «Später wäre es vielleicht eine Option, der IWB alle Aktionen zu verkaufen», sagte Nill. Diese Ansicht teilte Jenny Schweizer (SVP). Mit 28 zu 5 Stimmen lehnte das Parlament den Rückweisungsantrag schliesslich ab.

9 Kommentare
    U. Tanner

    Da wird einmal eine wirklich umweltschonende Energiequelle angezapft und dennoch finden sich genug Unkenrufer die gegen alles sind.